Genthin/Hohenseeden l In fast vier Wochen, zu Johanni am 24. Juni, ziehen die Spargelbauern einen Schlussstrich unter die Saison, der die Corona-Pandemie ein neues Gesicht gegeben hat. Das gab es noch nie: Auf den Spargelfeldern dürfen nur kleine Gruppen von fünf bis zehn, maximal 20 Personen unter Wahrung von Mindestabständen arbeiten. Ansonsten muss ein Mundschutz getragen werden.

Für ein abschließendes betriebswirtschaftliches Resümee sei es noch zu früh, meint Genthins Spargelbauer Henning Hoffheinz. Wie sein Kollege Patrick Wolter, Chef der Agrargenossenschaft Hohenseeden/Parchen, musste auch er sich durch die Saison zittern, um trotz Corona Erntehelfer aus Osteuropa anheuern zu können. Freilich nicht ohne die angeordneten Corona-Schutzmaßnahmen für die Saisonkräfte sicherzustellen.

In den letzten Wochen sorgten teilweise eklatante Verstößen gegen die Corona-Auflagen auf einigen Spargelhöfen, unter anderem in Niedersachsen und Baden-Württemberg, für Schlagzeilen. Das Spargelgeschäft im Jerichower Land ging derweil ohne größere Aufregungen für die Öffentlichkeit beständig weiter. Während einige Spargelbauern inzwischen auch laut Kritik an den strengen Corona-Schutz-Auflagen äußern, überwiegt bei Henning Hoffheinz und Patrick Wolter nach wie vor eine gewisse Erleichterung, dass Erntehelfer aus Osteuropa überhaupt einreisen konnten. Auch wenn damit nicht unerhebliche Zusatzkosten auf die Betriebe zugekommen sind. Die Verstimmungen auf anderen Höfen nötigen den Landwirten des Jerichower Landes auch nur ein Achselzucken ab.

Flüge bezahlt

Euphorisch sind beide dennoch nicht. Für sie zahlt sich in Corona-Zeiten aus, dass sie auf Stammpersonal zurückgreifen können. Dennoch: Von den sonst üblichen 50 rumänischen Erntehelfern, die sonst in Genthin anreisen, sind in diesem Jahr nur 40 im Einsatz. 15 von ihnen reisten noch zu Ostern über die Ausnahmeregel der Bundesregierung mit dem Flugzeug ein. Die Neuankömmlinge mussten in den ersten 14 Tagen getrennt von ihren Landsleuten leben und arbeiten. Das Betriebsgelände durften sie nicht verlassen. Hoffheinz musste die Flüge der Erntehelfer bezahlen, die sich in den Vorjahren auf eigene Kosten auf die Reise machten.

Patrick Wolter war als Betriebsleiter in einer etwas günstigeren Situation. Seine Erntehelfer, ausschließlich polnische Staatsbürger, konnten mit dem eigenen Pkw anreisen. Trotzdem: Von den sonst üblichen, etwa 130 Saisonarbeitern stechen gegenwärtig auf den Feldern Hohenseedens nur 65 Arbeiter den Spargel. Wolter musste sich damit arrangieren, dass ein Teil des angebauten Spargels damit auf dem Acker bleiben wird.

Etwa 40 Prozent des Umsatzes seien allerdings sowieso durch die geschlossene Gastronomie weggebrochen, so dass die geringere Zahl an Erntehelfern verkraftbar wäre, erklärt Wolter.

Der Umstand, dass sich die Zahl der polnischen Erntehelfer in der Arargenossenschaft fast halbiert hat, erleichtert Wolter wiederum die Unterbringung, so dass die geforderte maximale halbe Kapazität der bisherigen Zimmerbelegung gewährleistet werden kann. Kontrollen zur Einhaltung der Corona-Vorschriften stellten bei der Agrargenossenschaft keine Mängel fest. „Wir haben keinen Grund, uns zu verstecken“, meint Wolter. Er bescheinigt seinen polnischen Saisonarbeitern ohnehin ein „großes Problembewusstsein“.Es reflektiere, dass das Thema Corona in Polen politisch eine große Rolle spiele.

Todesfall in Freiburg

Sowohl für Henning Hoffheinz als auch für Patrick Wolter gibt es keine Hinweise darauf, dass die Erntehelfer aus Osteuropa besonders ängstlich seien, sich in Deutschland an Corona zu infizieren. Ein rumänischer Erntehelfer, der in der Nähe von Freiburg (Baden-Württemberg) im Einsatz war, verstarb an den Folgen einer Covid 19-Infektion. Hysterie hat dies unter den Erntehelfern in Genthin nicht ausgelöst.

Erfahrungsgemäß würden Anfang Mai immer aus den unterschiedlichsten Gründen einige Saisonarbeiter in Deutschland ihren Einsatz abbrechen, um wieder nach Hause zu fahren. „In diesem Jahr gab es nur zwei Abbrecher, das ist weit unter dem normalen Wert“, sagt Henning Hoffheinz.

Die Bundesregierung hatte im April eine Ausnahmeregel für die Einreise von 80.000 Helfern aus Osteuropa erteilt - 40.000 für April und 40.000 im Mai. Im Vorjahr kamen 300.000 Saisonarbeiter, darunter auch für die Erdbeerernte, nach Deutschland.