Genthin l Für den neuen Stadtrat beginnt die Wahlperiode mit einem weiteren Paukenschlag: Auf der Tagesordnung des Wirtschafts- und Umweltausschusses steht für seine Beratung in der nächsten Woche der Verkauf des Stadtwaldes.

Zunächst jedoch zur Vorberatung. Verwaltung und Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) ziehen damit eine Liste möglicher Optionen durch, um ein Haushaltsloch in Höhe von einer Million Euro zu schließen. Die Stadt steht unter Druck, für das laufende Jahr einen genehmigungsfähigen Haushalt auf den Weg zu bringen.

Wieder aus der Schublade geholt

Die Überlegung, den 470 Hektar großen Stadtwald zu veräußern, um die Stadtkasse zu füllen, ist nicht neu und wurde bereits mehrfach von der Verwaltung als Sparvariante aus der Schublade gezogen.

Ohne Erfolg. Die Stadträte erteilten einem Verkauf, dessen marktabhängiger Erlös sich im Millionenbereich bewegen dürfte, stets eine Absage. Offensichlich unternehmen Verwaltung und Bürgermeister pflichtschuldig einen neuen Versuch, alte Spar-Optionen neu abzuarbeiten.

An Wald als Tafelsilber festhalten

„Ich bin erstaunt und überrascht, dass der Verkauf des Stadtwaldes bei der Ausschusssitzung zur Entscheidung stehen soll. Bis jetzt bin ich immer davon ausgegangen, dass der Wald unser Tafelsilber ist, an dem wir festhalten“, sagte Horst Leiste (SPD/Fraktion Die Linke), der in der neuen Wahlperiode den Vorsitz im Wirtschafts- und Umweltausschuss innehat.

Dass Horst Leiste offenkundig über die Tagesordnung verwundert ist, irritiert: Normalerweise muss die Tagesordnung im Einvernehmen zwischen Bürgermeister und Ausschussvorsitzendem festgelegt werden.

40.000 Euro durch Stadtwald

Der Stadtwald wird derzeit durch das Betreuungsforstamt Elb-Havel-Winkel betreut und verfügt über eine aktuelle Forsteinrichtungsplanung. Die bestätigt dem Stadtwald einen wirtschaftlichen Holzvorrat.

Bisher hat der Stadtwald pro Jahr durchschnittlich einen Ertrag in Höhe von 40.000 Euro in die Kasse gespült.

Viele Kosten

Kosten entstehen der Stadt durch waldbauliche Maßnahmen, der Wegeunterhaltung und aus der Betreuung durch das Forstamt in Genthin. Ihre Gesamthöhe wurde in Vorbereitung der Beratung noch nicht beziffert.

Harry Czeke (Die Linke), Ausschussvorsitzender in der vergangenen Wahlperiode, der nicht mehr für den Stadtrat kandidiert hat, hatte sich trotz aller Sparbemühungen stets dafür stark gemacht, dass der Wald in kommunaler Hand bleibt. Darüber herrschte Konsens mit allen im Stadtrat vertretenen Fraktionen.

Niemals verkaufen

„Der Wald ist werthaltig, egal was passiert. Es wäre einfach schlimm, wenn man ihn jetzt mit einem Verkauf schnell verfrühstückt. Acker und Wald verkauft man nicht, auch wenn die Not noch so groß ist“, sagte Harry Czeke am Dienstag in einem Gespräch mit der Volksstimme.

Leicht wird es für den Bürgermeister in der nächsten Woche nicht, im Fachausschuss für die Veräußerung zu werben. Dass sie auch mit der CDU-Fraktion nicht zu machen sein wird, signalisierte bereits Alexander Otto: „Ein Verkauf wird auf keinen Fall meine Zustimmung finden. An den Stadtwald sollte man auf keinen Fall rangehen“, sagte er.

Wald behalten

Erwartungsgemäß winkt auch die Grünen-Fraktion ab. Fraktionsvorsitzender Lutz Nitz: „Wir (der Ausschuss - d.R.) haben 20 Jahre regelmäßig den Stadtwald besucht und von allen Forstfachleuten immer deutlich das Signal erhalten ‚Behaltet euren Stadtwald und verkauft ihn niemals‘. Man soll mir nur die Frage beantworten, warum Großinvestoren gerne Wald kaufen. Damit ist alles erklärt.“