Genthin l Glanzlos, bis auf die festliche Musik des Bläserensembles der Evangelischen Trinitatisgemeinde und die Verleihung des Bürgerpreises, ging am Donnerstagabend eine Veranstaltung über die Bühne, die sonst den Anspruch erhebt, ein Höhepunkt im gesellschaftlichen Leben der Stadt zu sein. Das war vor allem dem Umstand geschuldet, das eine weitestgehend von Empathie freie Festrede von Bürgermeister Matthias Günther die Gäste des Abends nicht erreichte. Günther gelang es nicht, die Gäste des Abends für eine lebenswerte und lebendige „Heimatstadt Genthin“ einzunehmen. “

Der Bürgermeister rief vielmehr die Genthiner kommunalpolitische Tagesordnung ab, auf deren erster Stelle er die medizinische Unterversorgung der Region setzte und die perspektivische Entwicklung des Stadtkulturhauses folgen ließ. Sein Ausblick auf das Jahr beschränkte sich auf die Aufzählung der größeren Investitionen wie die Wasserturmsanierung, Neubauten für die Feuerwehr in Parchen und Gladau sowie die Sanierung der Sporthalle Uhlandschule. Einen zuversichtlichen und vorausschauenden Blick, angereichert mit der einen oder anderen Vision für die Entwicklung der Stadt Genthin und ihrer Ortsteile, wie bei solchen Empfängen üblich, gelang ihm damit nicht überzeugend. Die zahlreichen Ehrenamtler, die unter den geladenen Gästen weilten, blieben diesmal ohne ein Wort des Dankes und der Anerkennung für ihr Engagement zum Wohle der Stadt. Überraschenderweise gingen auch Vertreter von Genthiner Unternehmen bei dem sonst wirtschafts-affinen Bürgermeister in der Festansprache leer aus. Das alles irritierte.

Lokalkolorit ließ auch Michael Weber, SWG-Geschäftsführer und Mitveranstalter des Neujahrsempfanges, in seiner Festrede vermissen. Er wandte sich rhetorisch durchaus geschickt der großen Weltpolitik zu, blieb den Gästen aber einen erwarteten Ausblick auf das Jahr 2019 aus der Sicht des kommunalen Wohnungsbauunternehmens schuldig.

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Mehr Optimismus

Landrat Steffen Burchhardt (SPD) bemühte sich nach diesen beiden Reden, so etwas wie Neujahrsstimmung aufkommen zu lassen. Er werde sich bemühen, leitete er sein Grußwort ein, „etwas mehr Optimismus als seine Vorredner zu verbreiten“. In Genthin, sagte er, sei man beispielsweise mit dem Breitbandausbau gut vorangekommen. Anknüpfend an Neujahrsempfänge der Vorjahre, ging er auf den bevorstehenden Neubau des Hauses II des Gymnasiums ein.

„Ich habe hier ein Versprechen abgegeben, das nun eingelöst wird.“ Auch kündigte er mit mehr als 20 Millionen Euro die größte Investition des Landkreises aller Zeiten an. Steffen Buchhardt versuchte zumindest, einen persönlich-emotionalen Draht zu den Gästen zu finden, indem er sie aufforderte, Stress und Druck aus dem Alltag zu nehmen und das Leben „ein Stück weit zu genießen“. Den offiziellen Teil rettete dann doch noch die traditionelle Verleihung des Bürgerpreises, diesmal an die Trainerlegende Wolfgang Fischbach vom Genthiner Radsportclub 66.

Überraschende Ehrung

Christian Granitzki verhalf dem Neujahrsempfang als Laudator durch eine geschliffene, humorig-hintersinnige Rede auf den Bürgerpreisträger doch noch – neben dem Auftritt der Musiker – zu einer angemessenen Würde. Das tat der gesamten Veranstaltung gut. Granitzki transportierte die Begeisterung, als Laudator auftreten zu dürfen. Fischbach hatte von seiner bevorstehenden Ehrung bis kurz für der Ehrung keinen Schimmer.

„Ich habe mich gewundert über die Einladung und haben mich gefragt, was ich da überhaupt soll“, sagte der Geehrte nach seiner Auszeichnung und dem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Genthin. Als Überraschungsgast hatte die Stadt zur Bürgerpreisverleihung Hannah Steffen, eines der Aushängeschilder des GRC 66 und Schützling Fischbachs, eingeladen. Das Kommen der Studentin hatte sich erst in den Mittagsstunden entschieden, weil auch sie nicht wusste, was mit der Einladung bezweckt war. „Für den Bürgerpreis ist der absolut Richtige ausgewählt worden“, sagte die erfolgreiche Radsportlerin, die auf nationaler und internationaler Ebene mitmischt. Zu den ersten Gratulanten gehörte unter anderem auch die Bürgerpreisträgerin des Vorjahres, Schwester Dorothea Graumann, die ihm als Geehrten „viel Kraft“ wünschte.