Genthin l Einen Begeistungssturm löste der Bündnisgrüne Lutz Nitz nicht gerade aus, als er zum Ende der Sitzung des Umweltausschusses mit einer Anfrage den Volkspark ins Gespräch brachte.

Tragfähiges Konzept gefordert

Während einige Ausschussmitglieder zurückhaltend mit den Augen rollten, forderte Nitz die Fraktionen zu einer „grundlegenden Beschäftigung mit dem Thema Park“ auf, die letztlich in der Vorlage eines tragfähigen Konzeptes zur Gestaltung und Nutzung münden solle. Aber, schränkte Nitz mit Nachdruck ein, dieses Konzept müsse zuvor Mehrheiten finden. Ihm müssten Diskussionen vorausgehen, ähnlich wie bei der Ideenwerkstatt, die jetzt für „Genthins Perle“ auf den Weg gebracht wird. Anders könne ein mögliches Konzept nicht zum Tragen gebracht werden.

Eine erneute Debatte um den Volkspark dürfe nicht so ablaufen wie in der Vergangenheit, als sie ergebnislos versandete. Für den Volkspark bestünde derzeit großer Handlungsbedarf, sagte Nitz. Denn es sei in der Vergangenheit nicht abzusehen gewesen, dass mit dem Verkauf des Geländes des Stadtkulturhauses durch die QSG auch die Festwiese eines Tages für die Stadt wegfallen würde. „Dann bliebe für Genthin nur der Volkspark als größerer Veranstaltungsort“, stellte Nitz in den Raum.

Stadtrat nach Meinung befragen

Nach dem Dafürhalten des Grünen ginge es darum, entweder den Park für alles und jeden zu öffnen. Oder geschützte Bereiche, etwa einen Erholungsbereich, einen Bereich für Feste oder naturrechtlich geschützte Bereiche einzurichten und damit voneinander abzugrenzen. „Wenn die Mehrheit meint, wir öffnen den Park für alles, dann brauchen wir allerdings auch kein Konzept.“ Doch für alle Varianten, so Nitz, müsse man Meinungen hören und sammeln. „Wir müssen wissen, was der Stadtrat will.

Nitz‘ Plädoyer für den Park verfehlte allerdings doch nicht ganz seine Wirkung, wenn die Ausschussmitglieder auch nicht in Jubel ausbrachen. „Ich sage Ja zu Festen im Volkspark, bin aber der Meinung, dass beispielsweise zweimal Zirkus im Jahr im Volkspark eine andere Hausnummer sind, die hier nicht stattfinden sollte“, hakte unter anderem Sebastian Hahn von der Fraktion Pro Genthin ein.

Lennés Mitwirkung ist nicht gesichert

Kommentar von Gerhard Koschnitzke, sachkundiger Bürger mit SPD-Parteibuch: „Zirkus, Zoo und Motocross können wir für den Volkspark zukünftig streichen.“ Der Volkspark war vor einigen Jahren Gegenstand einer Masterarbeit, die eine angehende Kunsthistorikerin an der TU Berlin verteidigte. Ausschussvorsitzender Harry Czeke (Die Linke) berief sich auf eine Auskunft von Bürgermeister Thomas Barz, dass diese Arbeit der Stadt bisher noch nicht vorliege.

Der Altenplathower Volkspark, in dem heute das Kartoffelfeste, Frühlingsfeste und mittlerweile Läufe etabliert sind, blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück.

Wechselvolle Geschichte

Der Magdeburger Kaufmann Carl Pieschel hatte Anfang des 19. Jahrhunderts das Grundstück erworben und unter anderem ein Gutshaus, eine Holländermühle und einen Schrotturm darauf errichtet. Sein Unternehmen „Kolbach, Pieschel & Co“ war so erfolgreich, dass Carl Pieschel auf einer Gewerbemesse in London im Jahre 1827 eine Auszeichnung für die Qualität seines Schrotes erhielt. Gut ein Jahrzehnt später wurde er durch König Friedrich Wilhelm III. für seine Verdienste in Industrie und Landwirtschaft in den Adelsstand erhoben.

Um 1840 sollte der Park umgestaltet werden. Vermutlich wurde der Entwurf von dem berühmten Gartenarchitekten Lenné (1789 bis 1866) angefertigt. Aber: Es fehlt die Signierung auf dem Stück in der Plansammlung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Von 1844 bis 1883 trieb jedenfalls Friedrich August Carl von Pieschel den Aus- und Umbau des Schlossparkes voran. 1906 ließ Friedrich August Max von Pieschel ein Hirschgehege, Fasanerie und Orangerie, einen Rosengarten und Haselnussplantage anlegen.

Mit der Bodenreform 1946 erhielt der Park den Namen „Volkspark“, das Mausoleum wurde 1946 geräumt. Zu DDR-Zeiten wurde in den Park eine Radrennbahn gebaut.