Genthin l Veränderungen gibt es im Genthiner Chemiepark. Im jüngst in der Volksstimme veröffentlichten Handelsregisterauszug sind einige Leser auf den Namen Thurn Contract Service GmbH aufmerksam geworden. Viele fragen sich, wer sich hinter dem Unternehmen verbirgt. Anders als in einige sozialen Netzwerken spekuliert handelt es sich nicht um eine Computerfirma. Auf Anfrage teilt die Pressestelle des Unternehmens mit: „Auf diesem Wege können wir Ihnen bestätigen, dass die Thurn Contract Services eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Thurn Germany GmbH ist.“

Hinter dieser verbirgt sich ein in Neunkirchen-Seelscheid (Nordrhein-Westfalen) ansässiges Unternehmen, das 1977 von Adolf Günther Thurn gegründet wurde. An seinem Hauptsitz sowie in der Niederlassung Kerkrade in den Niederlanden beschäftigt sich das Unternehmen mit Forschung und Entwicklung sowie der Herstellung von Waschmittel- und Geschirr-Reiniger-Pulver.

Noch Verhandlungen

Wie der neue Standort Genthin in das Unternehmensgefüge eingegliedert werden soll, wird derzeit seitens der Firma nicht erläutert. „Über unsere konkreten Pläne und deren Umsetzung können wir zum jetzigen Zeitpunkt aus Gründen der Vertraulichkeit keine weiteren Aussagen treffen, da dies noch Bestandteil laufender Gespräche ist.“ Letztlich gibt es als Auskunft nur so viel: „Die Thurn Contract Services wurde in Erwartung erfolgreicher Abschlüsse der Gespräche gegründet, um unsere Handlungsfähigkeit und zügige Umsetzung zu ermöglichen.“

Seitens der Firma wird in Aussicht gestellt, bei Vorliegen von Ergebnissen die Öffentlichkeit zu informieren. Der Standort des neuen Unternehmens hatte im vergangenen Jahrzehnt eine wechselvolle Geschichte. 2009 verließ die Firma Henkel nach mehr als 80 Jahren Genthin. Danach betrieb die Hansa Group das Waschmittelwerk als Putzmittelhersteller weiter. Doch die Hansa Group schlitterte 2014 in die Insolvenz. Im November 2014 kauften die Unternehmerbrüder Alambeigi mit der Gemini Holding das Werk.

Insolvenz und neue Firmen

Im Mai 2015 meldete dann auch diese Firma Insolvenz an. Als neuer Player kam 2017 die Chemie Contract Service (CCS) hinzu, wo ähnlich wie bei Thurn große Handelsketten mit Wasch- und Reinigungsmitteln sowie Eigenmarken im Auftrag hergestellt wurden. Im Frühjahr 2019 ging das Unternehmen in die Insolvenz. Dabei war die Auftragslage an und für sich gut, allein fehlte es am notwendigen Kapital für den Fortbestand. Stadt, Unternehmen, Wirtschaftsministerium sowie die Landesregierung hatten gemeinsam mit den vor Ort ansässigen Unternehmen daran gearbeitet, den Indus-triepark neu aufzustellen.

Ende  2018 hatten sich im Chemiepark, das das ehemalige Henkel-Gelände umfasst, elf Unternehmen angesiedelt, die größtenteils erheblich in den Standort investierten. Mit mehr als 400 Fachkräften wurden die Beschäftigtenzahlen von Henkel erreicht.

CCS hatte Anfang 2019 allein 70 Mitarbeiter. Auch Waschmittelhersteller Thurn hatte in den vergangenen Jahren mit Zahlungsschwierigkeiten zu kämpfen und bekamen neue Eigner. Seitdem führt Peter Heinrich Schoof die Geschäfte. Schoof ist auch als Geschäftsführer der Genthiner Tochter eingetragen.