Ferchland l Die belgische Schäferhündin, die im März neun Jahre alt wird, zieht das verletzte Bein beim Gassi gehen nach. Sie trägt eine Gipsschiene. Und das wohl noch ein paar Wochen lang. Die treuen Hundeaugen verraten nichts von den Schmerzen, die Lara erlitten hat.

Schrecklicher Abend

Noch immer denkt Madlen Schmidt, Frauchen von Lara, mit Schrecken an den Abend des 9. Januar zurück. Sie ging mit Kind und den Hunden Lara und Bella entlang der Elbe spazieren. Als Lara verschwunden war, dachte sie sich zunächst nichts dabei. Vielleicht war Lara ja schon Richtung nach Hause unterwegs. Als die Hündin jedoch um 20 Uhr noch immer nicht aufgetaucht war, ging Madlen Schmidt erneut auf die Suche. Sie fand die Hündin innerhalb von zehn Minuten in der Nähe der Elbfähre. „Sie stand unter Schock. Erst als ich zwei Meter vor ihr stand, machte sie sich bemerkbar“, erzählt Madlen Schmidt. Im Ort wurde sie später öfter gefragt, warum sie den Hund nicht gehört habe. Der muss doch gebellt haben. „Lara war so verängstigt, dass sei keinen Laut von sich gegeben hat. Dazu kam der Lärm von der Straße und von der Fähre.“

Die Hündin lag ganz in der Nähe ihres Zuhauses. Madlen Schmidt: „Ihr linke Vorderpfote war in einem Fangeisen eingeklemmt. Ihr Hinterteil war in die Öffnung eines umgestürzten Baumes gerutscht.“ Die Falle hat einen Durchmesser von etwa 40 Zentimetern.

Befreiung mit Trennschleifer

Die Falle zu öffnen misslang. Der Bügel ließ sich nicht lösen. So musste ein Trennschleifer her, um das Tier endlich zu erlösen. In die Falle hätte auch, so Madlen Schmidt, ein dort spielendes Kind oder ein Erwachsener treten können. „Wenn wir Lara nicht gefunden hätten, wäre sie erfroren. In der Nacht war es kalt.“

Zunächst wurde der Tiernotdienst in Burg angerufen. Aus Krankheitsgründen kam von dort keine Hilfe. Die Erstversorgung vor Ort hatte Tierarzt Holger Heppert aus Parey übernommen. Dann wurde Lara in die Tierklinik nach Potsdam gebracht. „Das war die einzige Möglichkeit, weil die Klinik rund um die Uhr geöffnet hat“, erzählt die junge Frau. In der Tierklinik stellten die Tierärzte eine gebrochene Elle und Speiche, eine Trümmerfraktur, im linken Vorderfuß fest. Madlen Schmidt: „An der Seite hat der Knochen rausgeschaut. Im schlimmsten Fall hätte die Pfote amputiert werden müssen.“ Bei der Operation wurden Lara Schrauben und Platten ins Bein eingesetzt. Nach der Entlassung aus der Tierklinik nach vier Tagen hat die Gemeinschaftspraxis Kühnel in Genthin die Weiterbetreuung übernommen.

Schmerzmittel und Antibiotika

Zunächst musste Madlen Schmidt vier Tage lang täglich zum Tierarzt. Jetzt alle zwei Tage, um den Verband zu wechseln. Zu Beginn geschah das nur unter Narkose, weil Lara sich wehrte. Jetzt geht es auch ohne. Der Verbandswechsel dauert etwa eine halbe Stunde. „Der Arzt hat gesagt, dass die Wunde gut aussieht und gut verheilt. Aber es wird noch einige Monate dauern, bis Lara wieder genesen ist“, so Madlen Schmidt. Vier Wochen nach der Operation steht noch eine Röntgenkontrolle an. Lara bekommt Schmerzmittel und Antibiotika. Ein Halskragen verhindert, dass sich die Hündin an dem Verband zu schaffen macht.

Die Kosten für die Behandlung des Hundes muss die Familie derzeit noch selbst tragen. Madlen Schmidt: „Sie belaufen sich im mittleren vierstelligen Bereich.“ Die Familie hat zwar eine Hundehaftpflicht, aber die reicht in diesem Fall nicht aus. Eine Rechtsschutzversicherung wäre besser. So bleiben alle Wege, Telefonate und Kosten bei der Familie hängen. „Wir hoffen aber, dass wir eine Entschädigung bekommen.“

Eigentlich ist die Hündin sehr lebhaft. Aber mit der Gipsschiene fällt das Laufen etwas schwerer. Aufgrund des Wetters darf Lara zur Zeit nicht viel an die frische Luft. Madlen Schmidt: Wenn es trocken ist und die Sonne scheint, legen wir sie auf ein Fließ, damit sie mal raus kommt. Ansonsten geht es nur zum Gassi gehen.“ Als Schutz für den Fuß hilft eine abgeschnittene Plasteflasche. Sie muss alle zwei Tage erneuert werden.

Der zweite Hund der Familie, Bella, ist derzeit bei Verwandten untergebracht. „Es würde Bella verrückt machen, wenn sie im Zwinger bleiben muss und Lara draußen rumläuft“, erzählt Madlen Schmidt. Bella stammt aus einem Wurf, bei dem Lara vor fünf Jahren elf Welpen zur Welt gebracht hatte. Von dem Wurf hatten neun Welpen überlebt.

Das Aufstellen von Fallen ist verboten und deshalb als Straftat zu bewerten. Der Polizei war es am 9. Januar gelungen, den Verursacher noch am gleichen Tag in Ferchland zu stellen.

Gegen den Tatverdächtigen wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Beim Finden des Strafmaßes, so hatte Falko Grabowski, Sprecher des Polizeirevieres Jerichower Landes in Burg, erklärt, wird berücksichtigt werden, dass der Täter die schweren Verletzungen in Kauf genommen hat.