Genthin l Genthins Tourismusfachfrau Marina Conradi und Kartoffelkönigin Nicole Dittler brauchen schon lange keine Koffer mehr packen, um die Stadt Genthin bei der weltgrößten Tourismusbörse ITB in Berlin zu präsentieren. Sparzwänge führten dazu, dass sich Genthin schon vor mehr als fünf Jahren von der ITB verabschiedete.

Als verlässlicher ITB-Stammkunde des Landkreises erwies sich hingegen das Kloster Jerichow. Zumindest bis Corona kam. Im vergangenen Jahr fiel die Internationale Tourismusbörse aufgrund der Pandemie gänzlich aus, in diesem Jahr wird sie vom 10. bis 14 März ausschließlich digital und gänzlich ohne eine Beteiligung aus dem Jerichower Land über die Bühne gehen. Allein der Tourismusverband Elbe-Börde-Heide, dessen Mitglied der Landkreis ist, wird sich an der Internationalen Tourismusbörse beteiligen.

Warum das Jerichower Land in diesem Jahr in Berlin nicht dabei sein wird, erklärt Claudia Hopf-Koßmann, Pressesprecherin des Landkreises Jerichower Land.

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Keine Werbefläche für Landkreise

Eine Teilnahme an der ITB unterscheide sich nicht nur inhaltlich, sondern grundsätzlich von anderen Messen, schickt Hopf-Koßmann voraus. Anders als bei der Grünen Woche fungiere der Landkreis bei der ITB nicht als Aussteller und biete somit auch nicht einzelnen Unterausstellern eine Werbefläche an. So präsentierten sich für Deutschland die einzelnen Bundesländer, wobei die Organisation für Sachsen-Anhalt von der Investitions- und Marketingsgesellschaft Sachsen-Anhalt übernommen werde. Im Fokus stünden dabei die touristische Landesthemen wie der Elberadweg, Gartenträume, die Straße der Romanik und Bauhaus als auch die Tourismusregionen, bei denen das Jerichower Land nicht gerade an vorderster Linie steht.

Die Superlative, mit denen die Tourismusbörse versehen wird, bewertet Claudia Hopf-Koßmann mit dem Blick auf die vergangenen Jahre aus der Sicht des Landkreises allerdings eher differenziert. Sie zieht dabei in Betracht, dass gewöhnlicherweise die ersten drei Tage der Messe ausschließlich Fachbesuchern vorbehalten ist. Erst an den beiden Tagen am Wochenende öffnet die Börse dann auch für Besucher. „Aufgrund dieser geringen Besuchertage und dem sehr großen internationalen Angebot war das Interesse der Landkreis-Touristiker als auch der Kreisverwaltung, unabhängig von der Corona-Pandemie, immer eher verhalten“, resümiert sie.

Kloster bedauert, nicht dabei sein zu können

Bernd Witt, Geschäftsführer des Kloster Jerichow, teilt nicht unbedingt die Meinung der Pressesprecherin. An Gemeinschaftsständen zur Straße der Romanik wurde Witt und seinen Mitarbeitern in den vergangenen Jahren die Möglichkeit eingeräumt, Messebesucher mit dem Kloster Jerichow, die älteste Station an der Nordrute der Straße der Romanik und zugleich der älteste romanische Backsteinbau Norddeutschlands, vertraut zu machen. Vor zwei Jahren, bei der vorläufig letzten Präsenzmesse, konnten Touristen aus aller Welt das Kloster Jerichow auf einer interaktiven Karte mit verschiedenen anderen Stationen entlang der Straße der Romanik mit Hilfe eines QR-Codes in 360-Grad-Ansichten auf dem Tablet oder auf dem Handy besichtigen. „Wir haben viele Interessenten ansprechen und für einen Besuch in Jerichow gewinnen können. Wir sind einfach auf solches Publikum angewiesen, um unser Kloster weiter bekannt zu machen“, bekennt sich Witt zu der ITB.

Dennoch ist er nicht frei von Zweifeln: „Die Messe in diesem Jahr allein digital auszutragen, bringt sehr wahrscheinlich nicht sehr viel.“ Aufgrund der Corona-Situation, in der der Betrieb auf das aller Notwendigste auch personell runtergefahren sei, wäre dem Kloster ohnehin eine digitale Beteiligung an der ITB nicht möglich gewesen. „Schade, wir haben von der ITB stets profitieren können“, resümiert er.

Touristische Landesthemen, wie sie von der Investitions- und Marketingsgesellschaft Sachsen-Anhalt für die aktuelle ITB aufbereitet werden, sind für den Landkreis, auch wenn er digital nicht dabei sein wird, freilich nicht passé. Die Zugkraft solcher Landesthemen, versichert Hopf-Koßmann, nutze das Jerichower Land ohnehin für die eigene Bewerbung.

Ein Beispiel sei dafür der Elberadweg, der mit zirka 100 Kilometern durch das Jerichower Land führe. In der aktuellen Ausgabe des jährlich erscheinenden Handbuchs habe der Landkreis in diesem Jahr eine Werbeanzeige mit einer gemeinsamen Botschaft für die gesamte Region geschaltet. Mit einer Auflage von 160 000 Exemplaren werde das Heft deutschlandweit verteilt.

Grüne Woche mit Win-Win-Effekt

Wenn es um die touristische Präsentation des Jerichower Landes gehe, bliebe Claudia Hopf-Koßmann zufolge, zukünftig weiterhin die Teilnahme an der Grünen Woche gesetzt. Denn die Ernährungsmesse bringe für den Landkreis eine echte Win-Win-Situation. „Unsere regionalen Produzenten können ihre Produkte einem breiten Publikum präsentieren und gleichzeitig steigern wir die Bekanntheit für den gesamten Landkreis.“

Einer Präsentation unter der Regie des Landkreises bei der Grünen Woche geben mittlerweile Erzeuger und Produzenten gegenüber einer eigenständigen Messeteilnehmern den Vorzug. Das hatte eine, allerdings nicht repräsentative Volksstimme-Umfrage ergeben.

Zusammenarbeit soll ausgebaut werden

Dieses Feedback kam beim Landkreis gut an. Landrat Steffen Burchhardt (SPD) erklärte daraufhin, bei der Grünen Woche zukünftig die Zusammenarbeit des Landkreises mit Produzenten und Touristikern weiter ausbauen zu wollen.

Auf seinen Messeplan für das kommende Jahr hat der Landkreis den Brandenburger Reisemarkt, den Elberadeltag, die Messe Braunschweig und das Landeserntedankfest in Magdeburg gesetzt.

Zudem informiert Hopf-Koßmann darüber, dass gegenwärtig die Online-Präsentation des Landkreises überarbeitet werde. Hier sollen zukünftig neben Sehenswürdigkeiten und Ausflugstipps auch regionale Produkte aufgeführt werden.