Genthin l Torsten Brumme von der Seraplant GmbH wurde bei der Einweihung des neuen Wahlkreisbüros des CDU-Bundestagsabgeordneten Manfred Behrens in Genthin bereits als sicherer Investor vorgestellt. Doch eine Mehrheit des Stadtrats bremste kurze Zeit später überraschend zumindest vorübergehend die Bemühungen des Unternehmens.

Es hatte sich rumgesprochen, dass der Investor aus Haldensleben das Projekt in der CDU-Fraktion bereits vorgestellt hatte - andere im Stadtrat vertretene Fraktionen fühlten sich nun benachteiligt. Das Ansinnen des Investors war bereits im Bauausschuss vorberaten worden, jetzt erhielt Torsten Brumme die Gelegenheit, vor dem Wirtschafts- und Umweltausschuss und vor dem Bau- und Vergabeausschuss das das Projekt persönlich vorzustellen. Brumme ging dabei nur kurz auf die Irritationen im Stadtrat ein: „Ich hätte gern auch schon im Stadtrat vorgesprochen“, bemerkte er eher beiläufig.

20 Arbeitsplätze entstehen

Für ein Gesamtinvestitionsvolumen von 20 Millionen Euro beabsichtigt die Haldensleber Firma, das Henkel-Regionallager zu erwerben und auf dem Gelände eine Produktionsstätte zur Düngemittelherstellung aus Klärschlammasche zu errichten. Die Jahresleistung soll bei 16 000 Tonnen liegen.

20 Arbeitsplätze stellt der Investor in Aussicht. Dafür muss zunächst erst der Bebauungsplan geändert und der bisher als Gewerbefläche ausgewiesene Bereich in ein Industriegebiet umgewandelt werden. Dieser Schritt scheiterte im Stadtrat in einem ersten Anlauf. Die Umwandlung ist notwendig, weil es sich bei der geplanten Produktionsstätte um eine genehmigungspflichtiges Vorhaben nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz handelt. Erst wenn die Umwandlung erfolgt ist, kann das eigentliche Genehmigungsverfahren in Gang gesetzt und Bauanträge gestellt werden.

Kanal als Verkehrsweg

Neben der von ihm erwarteten ausführlichen Darstellung der technologischen Prozesse zur Düngemittelherstellung versuchte Brumme sehr deutlich, den Stadträten die Vorteile des Standortes Genthin gegenüber den zunächst favorisierten Standort in Haldensleben/Südhafen zu vermitteln. In Genthin finde man eine „tolle Infrastruktur“ und verfüge mit der Halle über das „interessante Potential“, den abgefüllten Dünger einzulagern, führte er an. Der Geschäftsführer schloss nicht aus, das die Firma perspektivisch den Kanal als Verkehrsweg zu nutzen werde. Dafür gebe es aber noch keine Lösung. „Wir rechnen uns in Genthin langfristig Vorteile aus“, sagte der Geschäftsführer.

Einen Seitenhieb auf den Stadtrat teilte Brumme dennoch aus. Es sei ein Rückschlag für das Vorhaben gewesen, dass man im Stadtrat Bedenken geäußert habe. Brumme ließ mehrfach durchblicken, dass der Investor jetzt unter Zeitdruck stünde.

Auf seine Darstellung, dass in der avisierten Anlage eine innovative, umweltfreundliche Technologie, ein geschlossener Kreislauf ohne Emissionen, zum Tragen kommt, ließen es die Stadträte allerdings nicht beruhen.

Fragen der Stadträte

Horst Leiste, SPD-Fraktionschef, wurde grundsätzlich: „Als Stadtrat unterstützen wir die Schaffung von Arbeitsplätzen. Wir sind aber auch dafür da, Beeinträchtigungen von den Genthinern abzuwenden. Wie groß wird die Lärmbelästigung sein, die von der Anlage ausgeht? Verkraftet die Brettiner Chaussee die anfallenden Transporte? Solche Dinge müssen wir berücksichtigen.“

Auf Nachfrage von Andy Martius (CDU-Fraktion) , ob die Produktionsstätte mit Mehraufwendungen des bautechnischen Brandschutzes verbunden sei, sagte Brumme, dass es sich um keinen Störfallbetrieb handele. Er versicherte zudem, dass die Silos, die gebaut werden, in der Nacht nicht abgepumpt werden, so dass die Nachtruhe nicht gestört werde.

Lutz Nitz (Grüne) trieb unter anderem die Frage um, woher Seraplant die Klärschlammasche bezieht, woraufhin ihm der Geschäftsführer versicherte, dass es sich ausschließlich um Asche aus kommunalem Klärschlamm handele, die von fremden Firmen hergestellt wird. Torsten Brumme bot sich an, per Email weitere Fragen zu beantworten.