Genthin l Nicht Himbeereis zum Frühstück wie in dem Lied des Duos Hoffmann & Hoffmann gab es am Freitag für Staatssekretärin Beate Bröcker, sondern Vanille. Die SPD-Politikerin machte am Vormittag im Rahmen ihrer Tour zu Unternehmen mit Beschäftigten, die über das Budget für Arbeit angestellt sind, Halt im Eiscafé am Markt von Nico Stuckert. Dort arbeitet Markus Borchers, der von manchen den Spitznamen „Eismann“ bekommen hat. Denn die Hauptaufgabe des 42-Jährigen ist die Eisproduktion. Und die hat sich die Staatssekretärin ganz genau angesehen. Ganz genau erklärte er ihr, wie Vanilleeis entsteht, goss Milch, Schlagsahne, Zucker, Vanillepaste zusammen. Dann ging es in die Eismaschine, die nach 20 Minuten die fertige Eiscreme ausspuckte.

Ehrensache, dass die Besucherin eine Kostprobe angeboten bekam. „Das ist ja sehr cremig“, lobte sie und erkundigte sich sogleich nach den Eissorten, die das Café im Angebot hat. Fünf Sorten seien ständig im Angebot – Vanille, Erdbeer, Schokolade, Stracciatella und Haselnuss. Insgesamt könnten 80 verschiedene Geschmacksrichtungen produziert werden, zählte Stuckert auf. „Haben Sie auch gesalzenes Caramel, das habe ich in Frankreich für mich entdeckt“, fragte sie nach, doch da musste der Eiscaféchef passen.

Erkrankung schädigte Sprachzentrum

Doch in erster Linie war Bröcker ja auch nicht nach Genthin gekommen, um Eis zu schlecken, sondern um das Projekt „Budget für Arbeit“ zu bewerben. „Es soll Behinderten die Möglichkeit geben, die Werkstätten zu verlassen und auf den ersten Arbeitsmarkt zu kommen“, erklärte sie im Gespräch mit der Volksstimme. Vor ihrem Besuch in Genthin hatte sie in den vergangenen Tagen schon einen Supermarkt in Halle besucht, in dem sich ein Behinderter im Getränkebereich um Leergut und das Befüllen der Regale kümmert, war in einem Ilsenburger Altenheim gewesen, in dem über das Projekt ein Hausmeister gefördert wird.

Markus Borchers ist gelernter Maler und Lackierer, arbeitete auch in diesem Beruf. Vor mehr als drei Jahren zog er sich eine Erkrankung zu, als deren Folge er eine körperliche Behinderung und eine Lähmung des Sprachzentrums zurückbehielt. Im Februar 2017 begann er über eine Maßnahme der Agentur für Arbeit seine Tätigkeit im Genthiner Eiscafé. „Seine Mutter hatte mich gefragt, ob er bei mir arbeiten könnte“, erzählte Inhaber Stuckert. Und da er immer offen für Neues sei, probierte er es einfach aus – und ist begeistert, nicht nur vom beruflichen Auftreten seines Mitarbeiters. „Er ist einfach super, bei der Arbeit, wo er akribisch jede Zutat grammgenau abwiegt, aber auch von der menschlichen Seite“, schwärmte er. Schlechte Laune, die gebe es bei Markus Borchers nicht.

31 Beschäftigte in Sachsen-Anhalt

Seit fast zwei Jahren ist der nun über das Budget für Arbeit im Eiscafé beschäftigt, übernimmt neben der Eisproduktion auch die Hilfe beim Abwasch im Cafébereich, räumt ab und zu auch die Tische ab. „Er ist da eine große Hilfe“, lobte Stuckert.

Borchers ist einer von drei Menschen mit Behinderung, die im Jerichower Land über das im Januar 2018 eingeführte Programm beschäftigt sind. „Die anderen beiden arbeiten im Burger Café Rotfuchs“, sagte Marina Waterstradt, Sachbearbeiterin im Sozialamt des Landkreises. Im ganzen Bundesland Sachsen-Anhalt sind 31 Menschen über das Budget beschäftigt.