Hohenseeden l Er komme sehr gerne zu solchen Runden, um über die Stiftung Kloster Jerichow zu berichten und Fragen zu beantworten, betonte Bernd Witt und machte mit einer kurzen Vorstellung erstmal deutlich, dass er „einer von hier“ ist: Seine Vorfahren kommen aus Genthin, er selbst wohnt in Schönhausen und war dort bis zum vorigen Jahr Bürgermeister der Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land. Seit Februar ist der 60-Jährige nun Geschäftsführer der Stiftung Kloster Jerichow. Bis jetzt, also ein halbes Jahr lang, hat er diese Aufgabe ehrenamtlich übernommen – zum einen, um zu schauen, ob dieses „Neuland“ etwas für ihn ist, zum anderen, um die Stiftung, die in eine finanzielle Schieflage geraten war, zu unterstützen.

Schnell entdeckte er seine Begeisterung für dieses Objekt und diese Arbeit. Es sei jeden Morgen wieder eine Freude, dorthin zu kommen, betonte Bernd Witt. Ab August erst hat er nun einen Arbeitsvertrag.

1144 gegründet

Nur kurz ging Witt auf die Geschichte des 1144 gegründeten Klosters ein. Er hob die Bedeutung dieses ältesten Backsteinbauwerks Norddeutschlands hervor, das jährlich über 30.000 Besucher anlockt. Und er berichtete davon, was sich hier in den letzten Jahrzehnten getan hat, aber auch, dass noch viel zu tun ist.

Bilder

Einige Bilder hatte er auch mitgebracht, darunter Luftbilder, die einerseits erst kürzlich beim Klostergartenfest entstanden, aber auch einige von 2013 während des Hochwassers, das bis an die Klostermauer stand und auch in den Garten gedrückt hat.

Zahlreiche Fragen kamen aus der Runde, die das Interesse der Hohenseedener für die Klosteranlage unterstrichen. Nach der Landwirtschaft zum Beispiel wurde gefragt, die ja früher direkt im Kloster angesiedelt war mit Stallanlagen, Scheunen, Büros, Lehrlingswohnheim, und nun zwar ausgelagert ist, aber trotzdem Teil der Stiftung und lediglich verpachtet.

Stabiles Bauwerk

Für die Qualität des Bauwerks, dessen älteste Teile nun schon 870 Jahre alt sind, spricht, dass Messungen nach dem Hochwasser ergeben haben, dass es sich um keinen Millimeter bewegt habe, betonte Bernd Witt. Viele weitaus jüngere Häuser dagegen mussten damals abgerissen werden, weil im nassen Untergrund die Fundamente wegsackten, erinnerte er.

Besonderes Interesse wurde auch für den Klostergarten bekundet. Vereinsvorsitzende Ute Braune schwärmte den Mitgliedern etwas vor von der tollen Anlage und den vielen Pflanzen und daraus hergestellten Produkten, die es dort gibt. Sie könne sich gut vorstellen, einmal mit allen hinzufahren, etwas über die Kräuter und ihre Verwendung zu erfahren, selbst etwas auszuprobieren und natürlich zu verkosten. Sie bedauerte nur, dass es wegen der überwiegend älteren Mitglieder mit der Fahrt etwas schwierig sei. Inzwischen ist aber die Neugier so weit geweckt, dass nicht nur sie zuversichtlich ist, dieses Problem zu lösen. Und Bernd Witt lud die „Lindenblüte“ natürlich herzlich ein, sich alles selbst einmal anzuschauen.