Genthin l Die Stadt will einen Fahrplan für die bevorstehende Wasserturm-Sanierung aufstellen. Nach den Aufgeregtheiten um deren Finanzierung wird es nun konkret. Geht es nach dem mehrheitlichen Willen des Bau- und Vergabeausschusses wird zeitnah in diesem Jahr die öffentliche Ausschreibung der Bauleistungen in Angriff genommen, an die sich unverzüglich die Sanierung anschließen soll.

Alternativ hatte die Verwaltung die Variante ins Spiel gebracht, die Ausschreibung und die Auftragserteilung in diesem Jahr vorzunehmen und den Baubeginn in das folgenden Jahr zu schieben. Die stieß allerdings bei den Ausschussmitgliedern auf wenig Gegenliebe.

Königsweg gibt es nicht

Zuvor hatten Fachbereichsleiterin Dagmar Turian versucht, das Für und Wider der beiden Optionen abzuwägen. Allerdings räumte sie ein, dass die Pro und Kontra beider Varianten größtenteils auf Annahmen beruhten. Kurz gesagt: Einen Königsweg für die zeitliche Abfolge der Sanierungsarbeiten gibt es nicht.

Dagmar Turian gab bei der „durchgehenden Variante“ zu bedenken, dass bei einer Ausschreibung in diesem Jahr aufgrund der derzeit guten Auftragslage der Firmen entweder gar keine beziehungsweise Angebote mit sehr hohen Baupreisen zu erwarten seien. Zudem sei mit einer winterbedingten Unterbrechung zu rechnen, die wiederum zusätzliche Kosten verursachen würde. Auf solche Bedenken ließen sich die Ausschussmitglieder allerdings nicht ein. Zu lange steht die Sanierung des Wasserturms, eines der wenigen markanten Denkmale Genthins, bereits auf der Agenda der Stadt. Die Geduld der Stadträte ist erschöpft.

Zeit, dass in Genthin endlich etwas passiert

Insbesondere Gerd Mangelsdorf (CDU) und Ausschussvorsitzender Marc Eickhoff (Grüne/Wählergemeinschaft Fiener) plädierten für eine „durchgängige Sanierung“. „Wir sollten endlich mit der Sanierung anfangen. Es ist Zeit, dass in Genthin endlich etwas passiert“, sagte der Stadtratsvorsitzende. Marc Eickhoff setzte nach: „Der Wasserturm ist ein leidiges Thema, wir müssen jetzt so schnell wie möglich handeln.“ Seine Sanierung sei ein Zeichen für Genthin, dass etwas geschehe.

Das letzte und entscheidende Wort, wie bei der Sanierung verfahren wird, hat allerdings der Stadtrat. Zurzeit ist es sehr wahrscheinlich, dass der durchgehende Bauablauf dort eine Mehrheit finden wird.

Griff in andere Fördertöpfe

Finanziell steht das Sanierungsvorhaben auf sicheren Füßen. Dafür haben die Stadträte in der vergangenen Woche mit der Bestätigung des Haushalts für 2021 gesorgt. Der Haushalt bedarf allerdings noch der Bestätigung durch die Kommunalaufsicht. Trifft die ein, wäre der Weg für die Verwaltung frei, zunächst die Ausschreibungen und Auftragserteilungen in Angriff zu nehmen.

Dabei war der Wirbel um den Wasserturm in den vergangenen vier Jahren groß.

Der Stadt Genthin wurde im Jahr 2017 zunächst eine 100-prozentige Förderung aus dem Programm „Stadtumbau“ von Bund und Land zugesagt. Die Kosten waren damals mit 1,22 Millionen Euro veranschlagt worden. Im Zuge der Ausschreibungen erhöhte sich der Finanzbedarf auf 2,1 Millionen Euro. Die fehlende Summe beantragte die Stadt daraufhin zusätzlich. Durch das Landesverwaltungsamt gab es Anfang vergangenen Jahres eine baufachliche Prüfung, in deren Ergebnis für die Sicherung und Sanierung des Wasserturms etwa 1,6 Millionen Euro als angemessen erachtet wurden. Dieser Betrag wird voll gefördert.

Allein 880 000 Euro Sicherungskosten

Die Neuberechnung erfolgte auch im Zuge einer Neuausrichtung der sachsen-anhaltischen Fördertöpfe. Die Stadt Genthin wurde so in das Programm „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ überführt. Der Knackpunkt daran: Aus dem Förderprogramm werden zu 100 Prozent aber nur Sicherungsmaßnahmen an der Gebäudehülle finanziert, nicht aber eventuelle Maßnahmen im Innenbereich. Bei den Sanierungsarbeiten müssen jedoch unter anderem Wände abgeschlagen oder Fußböden entfernt werden, um Teile der Außenhülle sanieren zu können. Die Kosten für diese Arbeiten müssen über eine weitere Förderung, die zu je einem Drittel von Bund, Land und Kommune getragen wird, finanziert werden. Mit 880 000 Euro sind die Kosten allein für Sicherungsmaßnahmen für den Wasserturm veranschlagt. Für die Stadt bedeutet dies, dass sie einen Eigenanteil von knapp 177 000 Euro aufbringen muss.

Der Wasserturm wird seit Anfang des Jahres von der Öffentlichkeit nicht mehr genutzt. Auf Nachfrage von Udo Krause (SPD) informierte die Fachbereichsleiterin, dass der Kunstverein, der vor der Coroan-Pandemie einen Aufstieg zur Aussichtsplattform ermöglichte und ganzjährig Veranstaltungen im Turm organisierte, das Mietverhältnis mit der Stadt aufgelöst habe.