Genthin l Mit einem von allen Mitgliedern des Köppen-Freundeskreises unterzeichneten Papier haben dessen Mitglieder der Stadtverwaltung den offiziellen Vorschlag unterbreitet, eine Straße nach dem berühmten Sohn Edlef Köppen (1893 - 1939) zu benennen. „Wir bitten um Prüfung, für welche Straße in unserer Stadt eine Um- oder Neubenennung möglich ist“, heißt es in dem Papier. Der Freundeskreis bringe sich gern in die Öffentlichkeitsarbeit für diese Aktion ein. Denn, so die Mitglieder, zur 825-Jahr-Feier der Stadt habe die Bibliothek den Namen Köppens erhalten. „Die Benennung einer Straße in Genthin würde dieses Bekenntnis der Geburtsstadt zu ihrem Sohn erneuern.“

Auch sei es eine über die Stadt hinaus wirkende Geste. Aktuell hat sich die Stadt zu diesem Vorschlag noch nicht geäußert. Bei ähnlichen Diskussionen in der Vergangenheit, hatte Bürgermeister Matthias Günther verdeutlicht: „Ich nehme den Vorschlag mit in eine wohlwollende Prüfung“ und hinzugefügt, dass es nicht möglich sei, etwa die Mühlenstraße, wo Köppen geboren wurde, oder eine andere große Straße umzubenennen, da der Aufwand und die Kosten zu groß seien.

Edlef-Köppen-Weg in Gießen

Der Freundeskreis hat sich zweierlei zum Beispiel genommen. Zum einen die Stadt Gießen in Hessen, wo Köppen 1939 starb. Dort gibt es einen Edlef-Köppen-Weg, zwar eine kleine Nebenstraße, aber immerhin ist der Name des Schriftstellers im Stadtbild vorhanden. Zum anderen verweisen die Freundeskreismitglieder auf die Würdigung der Schriftstellerin Brigitte Reimann, durch deren Geburtsstadt Burg.

„Die Stadt würdigt ihre große Tochter Brigitte Reimann mit einer Promenade, da sollten wir nicht nachstehen“, fand Christa Jukiel vom Freundeskreis in einer Diskussion. Denn so wie die Schriftstellerin für die Kreisstadt von besonderer Bedeutung sei, sei es Köppen in Genthin. Er wurde Ende des 19. Jahrhunderts in eine bekannte Genthiner Familie hineingeboren und wurde als Dichter und Schriftsteller nach dem Ersten Weltkrieg bekannt. „Dass wir uns umfangreich mit dem Leben und Werk des Schriftstellers beschäftigen, steht außer Frage“, findet Gabriele Herrmann, die viele Aktivitäten im Freundeskreis koordiniert. So habe man in den vergangenen Jahren zahlreiche Materialien aus dem Nachlass Köppens für die wissenschaftliche Forschung aufbereitet und im sogenannten Köppen-Archiv in der Bibliothek zur Verfügung gestellt. Mehr als 7000 Dokumente sind archiviert und transkribiert worden. Genutzt werden die Unterlagen mittlerweile für wissenschaftliche Arbeiten, schulische Aufsätze und redaktionelle Texte in Print und Hörfunk.

„Aktuell arbeiten wir an einem Hörbuch mit Köppen-Texten.“ Dabei handelt es sich Erzählungen, die einer breiteren Öffentlichkeit nicht ganz so bekannt sind und auf diese Weise zugänglich gemacht werden sollen. Denn die Öffentlichkeit solle über den Stand der Benennung regelmäßig informiert werden. „Es muss dafür einen allgemeinen Konsens geben, die Bevölkerung muss ein solches Vorhaben mit Wohlwollen begleitet“, findet Gabriele Herrmann.