Zabakuck l Die Umstände des Todes eines Mufflonbocks Anfang März im Gehege des Zabakucker Tierparkes sind gegenwärtig Gegenstand öffentlicher Spekulationen.

Zaun überwunden

In den sozialen Netzwerken, aber auch in Jägerkreisen macht das Gerücht die Runde, dass ein Wolf, den als wolfssicher eingestuften, etwa zwei Meter hohen Zaun überwunden habe und dann über den Mufflonbock hergefallen sei.

Gesichert ist bisher, dass Andreas Berbig vom Wolfskompetenzzentrum Iden von der Tierparkleitung zu Rate gezogen wurde, ob der Mufflonbock möglicherweise durch Isegrim zu Tode gekommen sein könnte. Berbig fand vor Ort bei seiner Begutachtung nur noch das Haupt und das Skelett des verendeten Tieres vor.

Tier vielleicht einfach verstorben

Er schließe aus seiner Erfahrung heraus nach einer Inaugenscheinnahme mit hoher Wahrscheinlichkeit die Beteiligung eines Wolfes aus, sagte Andreas Berbig gegenüber der Volksstimme. Er widersprach damit in den sozialen Netzwerken kursierenden Darstellungen, wonach er es für möglich halte, dass ein Fuchs über den Mufflonbock hergefallen sei.

Er halte es hingegen auch für möglich, dass das Tier eines natürlichen Todes gestorben sein könnte. Kleinere Löcher im Zaun deuteten auf das Eindringen sogenannten Raubzeuges in das Mufflon-Gehege hin.

Wolf wohl nicht beteiligt

Bei Raubzeug handelt es sich nach dem Bundesjagdgesetz um Tiere wie den Fuchs, den Marder, den Waschbären oder den Dachs, die zwar dem Wild zugeordnet werden, aber Nutzwild töten oder beeinträchtigen. Ein Wolf hätte sich unter den Zaun durchgewühlt und damit sichtbaren Spuren hinterlassen.

Da das Mufflon anderthalb Tage im Freien lag, ist es aus der Sicht von Berbig durchaus möglich, dass kleineres Raubzeug das Mufflon nach und nach skelettiert haben.

Keine Bisse am Kadaver

Einen eindeutigen Beweis, ob im Zabakucker Tierpark Isegrim tatsächlich sein Unwesen getrieben hat, wird es jedoch nicht geben. Denn es habe am Kadaver keinerlei nachweisbare Bisse gegeben.

Er habe ihn zwar für eine DNA-Probe abgetupft, glaube aber nicht, dass das sichergestellte Material überhaupt für eine Analyse verwertbar sei, gab der Chef des Wolfkomptenzzentrums zu bedenken. Die Probe hat Berbig deshalb nicht zur wissenschaftlichen Untersuchung in ein dafür ausgewiesenes Institut eingeschickt. „Ich glaube, das wäre rausgeworfenes Geld“. Die Kosten für ein zunächst einfaches Verfahren liegen bei 100 Euro.

Andreas Berbig sagte am Dienstagvormittag gegenüber der Volksstimme, dass er im Laufe des Tages die Elbe-Havel-Werkstätten als Träger des Tierparkes über den Stand der Dinge informieren und dabei den Verdacht auf einen Wolfsriss ausräumen werde.

Großes Areal

Auf die Ergebnisse der DNA-Untersuchung hatten die Elbe-Havel-Werkstätten und die Tierpark-Leiterin Juliane Reimann allerdings gesetzt, um nicht Gerüchte und Vermutungen ins Kraut schießen zu lassen. „Wir wollten sowohl die Lobby „Pro Wolf“ als auch die Lobby „Contra Wolf“ nicht bedienen, solange keine konkreten Ergebnisse vorliegen“, erklärte Reimann.

Sie bestätigte, dass in dem 6800 Quadratmeter großen Areal bereits in der Vergangenheit Spuren beispielsweise vom Fuchs oder vom Waschbär, die des Nachts unterwegs waren, gesichtet wurden. Welches Tier auch immer das Mufflon zu Tode gebracht habe, das steht für Juliane Reimann fest, sei kein kleines Tier gewesen. „Wir werden es nicht mehr erfahren. Als Biologin lehne ich mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass Wölfe durchaus klettern können“, sagte die Tierparkleiterin in Anspielung auf den zwei Meter hohen Zaun.

Juliane Reimann wehrte sich gegen die in den sozialen Netzwerken erhobenen Vorwürfe an die Tierpark-Mitarbeiter, dass das tote Tier tagelang unentdeckt geblieben sei. Es handele sich um ein leicht hügeliges Gelände mit großem Baumbestand und sei deshalb schwer einsehbar. In dem Gehege lebten Wildtiere, die man bei einer Fütterung nicht einfach auf Vollständigkeit abzählen könne, sagte sie.

Aufregung in Brandenburg

Wolfsrisse hat es in sachsen-anhaltischen Wildgattern oder Gehegen durchaus gegeben. Das bestätigte auch Andreas Berbig.

Aus dem Nachbarland Brandenburg, aus Krangen (Neuruppin), sorgte im Januar die Nachricht für Aufregung, dass Wölfe innerhalb einer Woche bei drei Einbrüchen 14 Tiere, darunter Rehe, Hirsche und Mufflons gerissen hatten.

Vor fast genau zwei Jahren rissen Wölfe im Jagdbezirk Demsin drei Mufflon-Schafe, die kurz vor dem Setzen ihrer Lämmer waren. Der Wolfsbeauftragte des Jerichower Landes bestätigte seinerzeit, dass unzweifelhaft Isegrim die Tiere getötet hatte.

Aktuell werden beim Wolfskompetenzzentrum in Iden elf Rudel im Land Sachsen-Anhalt sowie ein Rudel und zwei Wolfspaare grenzübergreifend zu Brandenburg, Sachsen beziehungsweise Niedersachsen gezählt.

Die Existenz eines Rudels ist südöstlich von Genthin bei Parchen nachgewiesen.