Genthin l Mit der Firma Seraplant aus Haldensleben will sich ein Düngemittelhersteller im ehemaligen Regiolager im Chemiepark ansiedeln. Geplant sind Investitionen in Höhe von 20 Millionen Euro und die Schaffung von 20 Arbeitsplätzen.

Industrielle Nutzung

„Wir hatten für das Regiolager mehrere Interessenten“, erläuterte Bürgermeister Thomas Barz (CDU) im jüngsten Bauausschuss. Unter anderem sei man im Gespräch mit einem Lebensmittelproduzenten und einem Hersteller von Bekleidung gewesen. Die Halle habe aber ein Problem: „Sie hat den Geruch von Waschmittel angenommen.“ Dieser würde auch auf dort gelagerte oder hergestellte Produkte übergehen. Für den jetzigen Interessenten sei dieser Umstand allerdings unproblematisch.

Allerdings gibt es ein anderes Problem: Damit es zur Ansiedlung kommen kann, muss in diesem Bereich der Bebauungsplan geändert werden. „Derzeit ist dort die gewerbliche Nutzung vorgesehen“, erläuterte Bau-Fachbereichleiterin Dagmar Turian.

Bürgermeister ermächtigen

Der Stadtrat muss heute Abend beschließen, dass der Bebauungsplan eine industrielle Nutzung ermöglicht. Dieses Vorgehen ist notwendig, damit die Ansiedlung nach dem Bundesimmisionsschutzgesetz (BimSCH) durchgeführt werden kann. Zudem muss der Stadtrat den Bürgermeister ermächtigen, den Vertrag für die Stadt Genthin mit der Firma Seraplant abzuschließen. In dieses Verfahren ist die Firma Henkel eingebunden. Die Firma verkauft der Seraplant die Halle und übernimmt die kommenden Verfahrens- und Planungskosten.

Die Firma Seraplant plant eine Düngemittelherstellung aus sogenannten Sekundärrohstoffen. Dabei wird aus Asche, Phosphorsäure und weiterer Nährstoffkomponenten eine sogenannte Suspension erzeugt. Dieser wird ein Sprühgranulat zugeführt, wodurch sich die Düngemittelgranulate bilden. Laut Seraplant entstünden in dem Prozess keine Abfälle oder Gerüche, da die Produktion in einem geschlossenen System stattfinden. Auch das fertige Düngemittel sei geruchlos und nicht brennbar. Im Bauausschuss ergab sich eine kontroverse Sichtweise.

Investor soll sich vorstellen

„Ich würde gern mehr über das Verfahren erfahren“, äußerte sich Lutz Nitz (Die Grünen). Er kritisierte, dass die Fraktionen im Vorfeld nicht über die Produktionsweise der Firma informiert wurden. „Der Investor steht dafür zur Verfügung“, machte der Bürgermeister deutlich und bat die Ausschussmitglieder, das weitere Verfahren kritisch und konstruktiv zu begleiten.

Zustimmend äußerte sich Klaus Voth (CDU): „Der Ansiedlung stehe ich positiv gegenüber.“ Er ginge davon aus, dass die Öffentlichkeit in das Verfahren einbezogen werde. „Wenn wir nicht zustimmen, hätte es sich für einen Investor erübrigt, einen Antrag zu stellen“, stellte Gerd Mangelsdorf mit Blick auf die aufeinander aufbauenden Beschlussvorlagen fest. Beide wurden durch den Bauausschuss zur Annahme empfohlen. Der Stadtrat muss nun endgültig über die Beschlüsse befinden.