Heimatgeschichte

Wo einst die Werft in Altenplathow war, sind heute Sportler und Bootsbesitzer

Von Mike Fleske
Die historische Aufnahme stammt aus dem Archiv des Kreismuseums.
Die historische Aufnahme stammt aus dem Archiv des Kreismuseums. Foto: Kreismuseum Genthin

Altenplathow

Das Heimatfotorätsel hat in dieser Woche bei den Anrufern viele Erinnerungen geweckt. Es ist aber auch ergiebig, über die wechselvolle Geschichte des Geländes am Seedorfer Weg zu erzählen. Schiffbaumeister Otto Habedank gründete hier 1894 eine Werft.

Zu dieser Werftgeschichte hat Klaus-Dieter Habedank eine ganz besondere Verbindung. Denn, so berichtet er der Volksstimme, sein Großvaters sei eben jener Carl Habedank.

Herr auf dem Fahrrad ist der Großvater eines Lesers

Und der ist wohl auch auf dem Foto zu sehen - als Herr mit dem Fahrrad. „Es war die Schiffswerft, die auch später unter dem Namen 'Habedank & Gropler' firmierte, Gropler war der Mädchenname meiner Großmutter, also die Frau von Carl.“

Die Werft baute damals Binnenschiffe bis zu 1000 Tonnen Tragfähigkeit (Plauer Maß). Leider sei die Schiffswerft während der Weltwirtschaftskrise in Konkurs gegangen. „Mein Opa Carl Habedank ging dann als Schiffbauingenieur nach Brandenburg zur Schiffswerft Wiemann, später Ernst Thälmann Werft.“

Dort habe der Großvater bis zur Rente gearbeitet. „Mein Vater Karl-Heinz Habedank  ging als Schiffbauer, er sollte ursprünglich das Schiffbauerhandwerk auf der eigenen Werft von der Pike auf lernen, mit ihm zur Wiemann Werft.“ Er meldete sich später aber zur Marine. „Ich bin dann am 8. April 1944 in Brandenburg geboren.“

Notquartier im Eisenbahnwagen

Nach dem Zweiten Weltkrieg habe es noch etwas besonderes gegeben, erinnert sich Anrufer Wieland Schmidt.

„Damals hat auf der dreieckigen Fläche zwischen Seedorfer Weg und Nielebocker Chaussee ein Eisenbahnwagen als Notquartier gestanden und wir waren als Kinder immer sehr bewegt, wenn dort Wäsche zum Trocknen aufgehängt war oder ein Hund gebellt hat.“ Ein Personenwagen als Wohnung war schon exotisch, aber Wohnraum war zu dieser Zeit überall knapp.

GST – diese drei Buchstaben fielen beim aktuellen Heimatfotorätsel immer wieder. Viele Anrufer konnten sich noch gut daran erinnern, dass das Gelände zu DDR-Zeiten Stützpunkt der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) war.

Dahinter verbirgt sich eine Organisation, die Sportarten wie etwa Motorsport, Marine- und Seesport, Tauchen, Segelfliegen oder Sportschießen betrieb. Häufig wird der Verein auch mit paramilitärischer Ausbildung in Verbindung gebracht, auch weil nur hier die Möglichkeit für den Schießsport bestand.

Mopedführerschein auf dem Gelände gemacht

„Es gab am Seedorfer Weg eine Schießanlage und eine Waffenkammer“, erinnert sich Peter Wienecke. Auch habe man dort Seesport betrieben. „Dort war das Wassersportzentrum“, wusste etwa  Hans Joachim Fuchs aus Roßdorf.

Die GST nutzte das Gelände auch für den Kraftfahrzeugsport. „Ich habe dort meinen Mopedführerschein gemacht“, berichtete etwa  Joachim Gorgas aus Altenplathow und erinnerte an ein Aushängeschild des Vereins.

Denn viele junge Leute traten dem Verein seinerzeit genau aus diesem Grund bei, um nämlich einen Führerschein zu machen. Heidrun Anders hat noch eine ganz besondere Verbindung zu dem Gelände: „Bei der GST habe ich meinen späteren Mann kennengelernt.“

Sommerfeste sind noch in guter Erinnerung

In dem auf dem Foto abgebildeten Haus habe sie ab den 1970er Jahren bis nach der Jahrtausendwende gewohnt. „Die Wohnung gibt es noch und auch heute wird diese genutzt.“

„Dieses Gebäude und das Umfeld kenne ich  als die GST noch aktiv war und auch danach eine Fahrschule, Jugend, Kultur und Bildung Besitz von diesem Gelände im Seedorfer Weg genommen haben“, beschreibt Alfred Jansky.

Die Sommerfeste des Carneval Club Genthin gemeinsam mit dem Genthiner Amateurtheater und der Gesangsgruppe LOMA  in diesem Objekt seien ihm noch heute in Erinnerung. „Vor allem traditionell das gegrillte Schwein.“ Lecker sei es gewesen.

Kresisportbund ist seit 20 Jahren auf dem Gelände

Seit Mai 2001 betreibt der Kreissportbund Jerichower Land hier das Sportjugendzentrum, das allen Sportvereinen des Landkreises offen steht. „Der SV Chemie hat mit seiner Sektion Kanu schon kleine Wettkämpfe veranstaltet“, berichtet Helga Doms. Und es sei ein ideales Gelände: „Ausfahrt aus dem Einstich zum alten Kanal und keine Schifffahrt.“

Auf eine weitere Besonderheit weist Klaus-Dieter Kizinski hin: „Auf dem Gelände vorn links befindet sich heute die Wassersportgemeinschaft, die dieses Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiert.“

Grillplantz, Bänke und Stühle für kleine Feiern

Der Genthiner Günter Müller berichtet, dass diese Gemeinschaft heute mehr als 30 Mitglieder habe, deren Boote dort liegen. Auch für Ausflüge zu Wasser, sei der Bereich wie geschaffen.

Und noch mehr: „Für kleine Feiern ist alles da, man hat einen Grillplatz, Bänke, Tische“, sagt Wieland Schmidt. „Wir haben dort den 50. Geburtstag meines Sohnes gefeiert. Es sei ein schöner Flecken Natur direkt am Wasser.“

Sportjugendzentrum Kreissportbund Jerichower Land Seedorfer Weg Genthin
Sportjugendzentrum Kreissportbund Jerichower Land Seedorfer Weg Genthin
Foto: Mike Fleske