Genthin l Während in Genthin Plattenbauten abgerissen werden, wird in die Silva-Siedlung in Altenplathow mit Wohnungen aus den 1930er Jahren kräftig investiert. Die Valorhaus Grundbesitz GmbH aus Berlin, Tochterunternehmen eines Schweizer Unternehmens, hatte vor knapp zwei Jahren 220 teilsanierte Wohnungen der Silva-Wohnungen erworben und wird insgesamt rund drei Millionen Euro in die weitere Sanierung und Modernisierung der überwiegend Zwei- und Dreiraum-Wohnungen investieren.

35 Wohnungen sind inzwischen fertiggestellt, 60 weitere werden in den nächsten Monaten einer Modernisierung unterzogen. Fünf bis zehn Wohnungen werden im Rotationsprinzip in den nächsten Wochen auf dem Markt sein. „Wir haben versucht, möglichst viele heimische Firmen in das Projekt einzubinden“, sagte Geschäftsführer Thomas Ulsamer in einem Pressegespräch. Das sei mitunter schwierig, weil die Auftragsbücher der Handwerker gut gefüllt seien. Das Berliner Unternehmen geht jetzt mit Optimismus mit dem Immobilienverwalter Frank Müller in die Vermarktung der fertiggestellten Wohnungen.

Kein Mangel an Wohnungssuchenden

Es mangele in Genthin nicht an Wohnungssuchenden, sagte Frank Müller. Er beobachte den Trend, dass Genthiner, die nach einem Berufsleben in den alten Bundesländern in die Heimat zurückkehren. Vor allem aber vor dem Hintergrund, dass ortsansässige Firmen händeringend nach Fachkräften suchen, sollte man den Wohnungsstandort anders angehen. „Wir sind für alles Vernünftige offen“, bekräftigte auch Thomas Ulsamer.

Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) sieht nicht nur die Valorhaus Grundbesitz GmbH, sondern die gesamte Genthiner Wohnungswirtschaft vor neuen Herausforderungen. Im November sei deshalb unter der Regie der Stadt ein Gespräch von Vertretern der Top-Unternehmen und von Wohnungsbauunternehmen geplant, um gemeinsam ein, wie er sagte, „Sorglospaket“ für den Zuzug von Fachkräften zu stricken.

Interessanter Wohnungsmarkt

Nicht zufällig geht der Blick der Valorhaus Grundbesitz GmbH bei der Vermietung auch in Richtung Berlin. Sie wirbt deutschlandweit unter anderem auch mit einem besonderen Interesse am Berliner Wohnungsmarkt. Steigende Mieten und mangelnder Wohnraum im Großraum Berlin und Potsdam, lässt nun auch den Wohnungsmarkt im kleinen Genthin, das über eine sehr gute Bahnanbindung in Richtung Hauptstadt verfügt, interessant werden.

Was die Angaben über die Höhe der Mieten in der Silva-Siedlung betrifft, bleibt der Geschäftsführer allerdings eher zurückhaltend. Man müsse sich den Markt anschauen und im Kontext mit dem Investitionsrahmen sehen, welche Mieten in Genthin für Menschen mit durchschnittlichem Einkommen bezahlbar seien. „Wir werden bei der Vermietung mit Augenmaß vorgehen und werden dabei insbesondere die langjährigen und zumeist älteren Mieter berücksichtigen.“ Das Ziel liege etwa bei etwa sechs Euro Kaltmiete pro Quadratmeter.

Kein Mietspiegel

Einen aussagefähigen Vergleich mit anderen Vermietern mit einem Mietspiegel gibt es für Genthin allerdings nicht. Laut dem Internetportal immowelt.de sind in Genthin in den vergangenen zwei Wochen bei Neuvermietungen Mieten in Höhe von 4,03 Euro bis 6,62 Euro erhoben worden, wobei hier keinerlei Angaben zu Ausstattungsgrad oder Modernisierung der Wohnungen vorliegen. Anders in Brandenburg. Ein zum Stichtag 1. Februar dieses Jahres vorliegender Mietspiegel belegt für einen Neubau oder Wohnraum nach einer Komplettsanierung in einer Größe von 40 bis 80 Quadtratmetern eine Miete in einem Minimum von 5,97 Euro und einem Maximum von zehn Euro.

Die Silva-Siedlung erlebte in den Jahren nach ihrer Privatisierung Anfang der 90er Jahre häufige Besitzerwechsel, die die Mieter zunehmend verunsicherten. Damit soll nun Schluss sein, so Geschäftsführer Thomas Ulsamer. Die jetzige Eigentümerin, die Valorhaus Grundbesitz GmbH verwaltet deutschland- und europaweit ausschließlich Immobilien-Eigenbestand und keine Fremdobjekte.

Geschichte der Siedlung

Die Silva-Siedlung (Silva-lat.: Wald) steht für einen wirtschaftlichen Aufschwung, den Genthin in den 1930er Jahren erlebte. Vor dem Hintergrund dringend benötigen Wohnraums für die Arbeitskräfte in der Munitionsindustrie – in Genthin waren die Silva-Metallwerke beheimatet – wurde die Siedlung 1934 geplant und 1935 fertiggestellt. Seinerzeit wiesen sie mit elektrischem Strom und einem Anschluss an das Trink- und Abwassernetz einen großen Komfort auf. Noch in den 60er, 70er und 80er Jahren bot die Silva-Siedlung gefragten Wohnraum.