Halberstadt l Der Blick geht ins Dunkle, über leere Sitzreihen in Richtung Bühne. Drei Männer säubern mit großen Besen den Bühnenboden, spannen den Ballettteppich darüber. „Damit sich die Tänzer nicht an den Bühnenbrettern die Füßen verletzten. Morgen früh ist Nussknacker ist dran“, sagt Adolf Dörre. Der junge Mann sitzt in der Tonregie, fürs Foto ist er ans Mischpult gerückt. Von hier aus sorgen die Tontechniker für passende Mikrofonabstimmung und Lautstärke, für Musik-Einspielungen und vieles mehr. Eine Tür weiter haben die Beleuchtungstechniker das Sagen, setzten Tänzer, Schauspieler, Musiker ins rechte Licht.

In beiden Räumen ist Adolf Dörre seit zwei Jahren regelmäßig anzutreffen. Der in Jena geborene und in Naumburg aufgewachsene Rotschopf absolviert am Nordharzer Städtebundtheater eine Lehre als Veranstaltungstechniker. „Im Mai nächsten Jahres ist Abschlussprüfung“, sagt er. Angst davor hat er nicht, ein bisschen Respekt schon. Aber er weiß, dass er eine Menge gelernt hat seit Sommer 2013, als er seine Lehre in Halberstadt begann.

Entspannte Arbeit

Beworben hatte sich der Abiturient damals in Weimar, Kassel und Halberstadt. Bei Firmen, die Veranstaltungen managen, und hier im Theater. „Im nachherein bin ich froh, an einem Theater gelandet zu sein“, erzählt der Musikbegeisterte. Auch, weil er von Lehrlingskollegen aus der freien Wirtschaft erfahren hat, wie oft dort Nachtarbeit selbstverständlich ist, wie hoch der Druck für die Auszubildenden ist. Da ist das Arbeiten am Theater entspannter. Zwar sind die Arbeitszeiten sehr unterschiedlich, aber es gibt klare Stundenregelungen. Gerade auch für die Azubis.

Jetzt vor Weihnachten, wenn die Kindervorstellungen laufen, beginnt der Dienst schon mal um 6 Uhr morgens. Schließlich muss vor jeder Aufführung die Checkliste abgearbeitet, die Technik kontrolliert werden. Wann welcher Scheinwerfer wo mit welchem Licht strahlen soll, das haben Regisseur und Beleuchtungsmeister während der Probenphase abgestimmt, dabei entsteht die Checkliste. „Die Stücke wechseln hier ständig, da muss man aufpassen, dass das Licht wirklich so eingerichtet ist, wie es für die jeweilige Inszenierung verabredet wurde.“ Inzwischen ist Adolf Dörre so erfahren, dass er beim Faust in Quedlinburg das Licht allein „fahren“ darf, wie es im Fachjargon heißt. Wobei, allein sitzt er nicht in der Lichtregie. Schon aus Arbeitsschutzgründen müssen mindestens zwei Techniker im Einsatz sein.

Selten auf der Bühne

Auf der Bühne steht der junge Mann, der in der neunten Klasse das Trompetenspiel lernte und inzwischen auch Bassgitarre und klassische Gitarre spielt, eher selten. „Nur wenn im Bühnenbild Scheinwerfer oder Boxen integriert sind, bauen wir dort auch mit auf, kümmern uns um die Verkabelung“. Bei Musicals kommen Mikroports zum Einsatz, da muss an den Mischpulten mehr geregelt werden als bei Schauspiel oder Oper, in denen die Künstler meist ohne elektronische Verstärkung sprechen und singen. Dafür ist dort die Lichteinrichtung meist umfangreicher.

Seine Berufswahl hat der Naumburger, der in Halberstadt in einer Studenten-WG lebt, nicht bereut. Video-Einspielungen, Pyrotechnik, Licht- und Tontechnik, Lasereinsatz, Brandschutzvorschriften, was wo für Veranstaltungen im öffentlichen Raum beantragt werden muss, und vieles mehr lernt er beim Theorieunterricht alle zwei Wochen in Halle und im praktischen Einsatz in Halberstadt und Quedlinburg.

Nach Abschluss seiner dreijährigen Ausbildung wird er erstmal im Harz bleiben. Nicht nur, weil die Landschaft hier schön ist. Er wird vom Städtebundtheater in ein Anstellungsverhältnis übernommen.