Wernigerode l Schon seit Jahren ohne Beschäftigung, erwerbsfähig, leistungsberechtigt über 35 Jahre alt und ohne Berufsausbildung: Das sind die Voraussetzungen, um durch das 2015 gestartete Modellprojekt zur Integration Langzeitarbeitsloser (MILA) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) doch noch einen Job zu finden.

40 Stellen möglich

Im Frühjahr hatte die Kommunale Beschäftigungsagentur (KoBa) den Zuschlag zur Teilnahme an MILA erhalten, erläutert Anita Hauswald. Maximal 40 Stellen können laut der Fachbereichsleiterin für Integration im Harzkreis besetzt werden.

Dafür verantwortlich ist Susanne Fischer. Seit Juli spreche sie Unternehmer an, um dort Helfertätigkeiten für Betroffene einzuwerben, die mindestens 24 Monate ohne Job waren. Diese könnten bis zu zwei Jahren aus den Töpfen des BMAS und des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert werden, erläutert die MILA-Betriebsakquisiteurin. Voraussetzung sei eine Stelle mit mindestens 20 Wochenstunden und tariflicher Bezahlung. Bisher sei es ihr gelungen, acht ihrer Kunden zu vermitteln. Unbefristet und in Vollzeit. Auch dank der intensiven Kooperation mit den Kollegen vom Arbeitgeberservice.

„Ich trete erst in Erscheinung, wenn Frau Fischer ihre Tätigkeit abgeschlossen hat“, sagt Anja Jürgens. Sie fungiert als Coach für die Teilnehmer an MILA. Ziel sei es, sie dauerhaft in der Beschäftigung zu halten. Es gehe darum, „Kompetenzen und Konfliktfähigkeiten auszubauen“. Die Betroffenen hätten schließlich Probleme der verschiedensten Art. So unter anderem Schulden und daraus resultierende Insolvenzverfahren, die durchlaufen werden müssen, gesundheitliche Hemminsse, fehlende Mobilität.

Coach ist kein Tröster

Sie helfe, Dokumente zu sichten und Anträge zu stellen. Aber, so Anja Jürgens: „Ein Coach ist kein Lehrer, Prediger oder Tröster.“ Stattdessen werde mit Aufgaben gearbeitet, die von Woche zu Woche zu erledigen seien. Die KoBa-Bedienstete: „Das geht so weit, das ich einmal einer alleinerziehenden Mutter geholfen habe, die Zuckertüte für ihr Kind zu packen.“

Drei Stunden pro Woche begleite sie die Frauen und Männer in den ersten sechs Monaten ihres Neustarts. Bei zwei Fällen sogar fünf Stunden als Intensivförderung. Der erste Kunde sei zum 31. Dezember ein halbes Jahr in Betreuung.

Erfolgsfaktor Zeit

„Der Faktor Zeit ist das Erfolgskriterium“, sagt Anita Hauswald. Natürlich könne dies nicht flächendeckend für alle Langzeitarbeitslosen geleistet werden. Zudem seien die Anforderungen an die Arbeitgeber durch die Europäische Union sehr hoch gesteckt und der Verwaltungsaufwand dadurch erheblich.

Dennoch hätten bisher Unternehmer in Quedlinburg und Halberstadt sowie zwei „ortsnah im Huy“ von der Idee überzeugt werden können. Und, so die Fachbereichsleiterin: „Wir haben einen Fall, wo durch einen Teilnehmer über das Projekt derzeit der Führerschein erworben wird.“