Halberstadt l Stinksauer sind Rolf Winkler und Frederik Schröter, dass die 1890 erbaute Goldbachbrücke auf der Alten Blankenburger Heerstraße ersatzlos abgerissen werden soll. Zu diesem Schritt sieht sich die Stadt Halberstadt gezwungen, weil das bis vor Kurzem unter Denkmalschutz stehende Bauwerk einsturzgefährdet sei, argumentieren die Fachleute der Verwaltung. Außerdem kritisieren Winkler und Schröter, dass die bereits vor Jahren für den Verkehr gesperrte Brücke nun auch von Fußgängern nicht mehr betreten werden darf. „Das Bauwerk nutzen viele Spaziergänger, um in die Spiegels- und Thekenberge zu gelangen. Das scheint im Rathaus niemanden zu jucken“, ist Rolf Winkler verärgert.

Nach Rolf Winklers Meinung sei die Bogenbrücke noch zu retten, wenn man es denn wolle. Aber das spricht er den Verantwortlichen in der Stadtverwaltung ab. „Für das Geld, was der Abbruch und die geplante Fußgänger-Ersatzbrücke kosten, kann man die wunderschöne alte Brücke sanieren, ist sich Rolf Winkler sicher. „Ich verstehe nicht, warum die Stadt über 25 Jahre beim Verfall der Goldbachbrücke tatenlos zugeschaut hat.“

Wütend ist auch Frederik Schröter, der in Halberstadt und Langenstein eine Schäferei betreibt. „Ich brauche die Brücke, um mit meinen Tieren auf die Weiden zu kommen. Für mich bedeutet die Sperrung weite und teure Umwege“, schimpft der Halberstädter. Schröter schlägt vor, die alte Brücke zu sanieren und Halbschranken davor zu setzen. „Dann könnten Landwirtschaftsfahrzeuge oder auch die Feuerwehr die Brücke befahren, die die Schranken mit einem Schlüssel öffnen können. Als es im Sommer in den Bergen brannte, mussten die Löschfahrzeuge der Feuerwehr weite Wege fahren, um an den Brandherd zu gelangen.“

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„Die Brücken werden alle drei Jahre einer Prüfung unterzogen (alle 3 Jahre eine einfache und 3 Jahre später die Hauptuntersuchung). Bei der letzten Untersuchung hat das Ingenieurbüro festgestellt, dass bei beiden Brücken die Schädigung des Baukörpers so weit vorangeschritten ist, dass diese voll zu sperren sind“, informiert auf Volksstimme-Nachfrage Rathaus-Sprecherin Ute Huch. Die Gewölbebrücke weise eindeutig konstruktive und materialtechnische Schäden auf. So brechen unter anderem Steine aus der westlichen Wange, desolate Steine befinden sich im Gewölbebereich, teilweise Unterspülung der Widerlager, Zersetzung des organischen Materials der eingewachsenen Wurzeln. „Aus den genannten Schäden resultiert ein so hoher Sanierungsaufwand, den die Kommune in den letzten Jahren nicht leisten konnte. Der fortschreitende Verfall hat inzwischen zu irreparablen Schäden geführt“, so Ute Huch.

Die Obere Denkmalschutzbehörde habe unter Bedingungen und Auflagen dem Abrissantrag im Wesentlichen zugestimmt. Laut Ausführungsbeschluss wird derzeit am Bau eines Provisoriums über die kleine Brücke gearbeitet (Planung Ausschreibung Baugrund). „Der genannte Vorschlag mit den Halbschranken kann aus den genannten Gründen nicht umgesetzt werden. Eine kostengünstige Sanierung ist nicht möglich. Dies wurde im Zuge der Bearbeitung auch von einem Prüfingenieur bestätigt.“

Über die ebenfalls marode Fußgängerbrücken neben der Goldbachbrücke plant die Stadt eine Aluminium-Fußgängerbrücke zu legen, ohne dass Lasten auf die alte Brücken wirken. Das sei mit einer Investition von etwa 35 000 Euro die kostengünstigste Lösung, argumentierte kürzlich Tiefbauamtsleiter Manfred Wegener. Der Überbau könnte je nach Bedarf demontiert und an anderer Stelle genutzt werden oder dauerhaft die ­Fußgängerquerung über den Goldbach ermöglichen.

Ein vollwertiger Ersatzbau für die Abriss-Brücke, der auch wieder von Fahrzeugen genutzt werden kann, sei derzeit angesichts der Haushaltslage der Stadt nicht zu finanzieren. Die Kosten dafür seien vor etwa acht Jahren auf etwa 123 000 Euro ­geschätzt worden. Heute sei ein Viel­faches der Summe ­erforderlich, erklärte Manfred Wegener auf Volksstimme-Nachfrage.