Halberstadt l Die gesperrten Goldbachbrücken in der Alten Blankenburger Heerstraße in Halberstadt und die damit gekappte Verbindung in die Halberstädter Berge sind ein Dauerbrenner. Von der Stadtverwaltung Halberstadt sind die Brücken im vergangenen Jahr wegen Baufälligkeit komplett gesperrt worden, ein Ersatzbau für Fußgänger soll in diesem Jahr errichtet werden. Der Fakt, dass die einst unter Denkmalschutz stehende Bogenbrücke abgerissen werden soll, empört viele Halberstädter (Volksstimme berichtete). Zu ihnen gehört Frank Brüggemann, der einst für die SPD im Stadtrat Halberstadt gesessen hat.

Stadt hält Versprechen nicht ein

„Zu der jüngeren Geschichte der Brücke über den Goldbach an der Alten Blankenburger Heerstraße gibt es noch einiges zu sagen“, schreibt der ­Halberstädter in einem Leserbrief an die Volksstimme-Redaktion. Bereits im Jahr 2006 habe es einen Objektbeschluss zur Sanierung der Brücke gegeben. In der Sitzung des Finanzausschusses am 4. Juli 2006 wurde eine Vorlage diskutiert, die sich mit der Sanierung der Goldbachbrücke befasste. Die Verwaltung informierte damals, dass unter anderem diese Maßnahme bereits im Haushaltsplan 2006 eingestellt ist, so Frank Brüggemann. Da der Etat von der Kommunalaufsicht beanstandet wurde, musste jedes neue Vorhaben nochmals als Einzelbeschluss durch den Stadtrat gefasst werden. „In dieser Sitzung informierte die Verwaltung, dass alle Projekte, also auch die Sanierung der Goldbachbrücke, finanziell abgesichert sind. Es passierte aber nichts“, erinnert Frank Brüggemann.

Auf eine schriftliche Anfrage des damaligen Stadtrates Ulrich Kasten (Linke), wie es mit der Sanierung der Brücke weitergeht, habe Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke) schriftlich am 27. Februar 2007 geantwortet. Dort bestätigte er, dass die Stadt die Erneuerung der Brücke nicht aufgegeben habe. „Er bestätigte weiter, dass die Tiefbauabteilung ein Ausschreibungsverfahren zur Sanierung der Brücke ­eingeleitet habe, so der ehemalige SPD-Stadtrat. Das Ergebnis dieser Ausschreibung habe die Kostenberechnung des Tiefbauamtes allerdings überschritten, sodass sie ­aufgehoben werden musste. Die Ausschreibung sollte 2007 wiederholt werden. Der OB schrieb in seinem Antwortbrief weiter, dass es Ziel sei, die Brücke 2007 wieder nutzbar zu machen.

„Passiert ist bis heute nichts, außer, dass die ­Brücke nun nicht mehr überquert werden kann. Man muss sich schon fragen, warum es in über zehn Jahren nicht gelungen ist, den vom damaligen Stadtrat gefassten Objektbeschluss, die alte denkmalgeschützte Brücke zu sanieren, umzusetzen. Wollte man die Angelegenheit aussitzen bis nur noch ein Abriss in Frage kam?“, kritisiert der Halberstädter.

Missverständliche Angaben

„Die damalige Aussage über die Bestätigung, dass die Stadt die Erneuerung der Brücke nicht aufgegeben hat, ist richtig. Die genannte Ausschreibung bezog sich auf die im Jahr 2006 erfolgte Ausschreibung und ist möglicherweise missverständlich aufgefasst worden“, informiert auf Volksstimme-Nachfrage Rathaus-Sprecherin Ute Huch. Weiter stand in dem Schreiben, dass das Ausschreibungsergebnis über der Kostenberechnung lag und den Haushaltsansatz beziehungsweise den genehmigten Haushaltsrest überstieg, sodass die Ausschreibung aufgehoben werden musste. Die avisierte erneute Ausschreibung sei nicht erfolgt, weil sich die Haushaltssituation der Stadt nicht entspannte. Zudem erhielt die Brücke 2008 Denkmalstatus. Aber auch die Sanierungsbestrebungen über Gelder aus Denkmalschutzprogrammen waren erfolglos, so Ute Huch. „Gefahr im Verzug bestand zum damaligen Zeitpunkt für Fußgänger nicht.“

Es gibt aber auch Halberstädter, die reagieren auf die Brücken-Sperrung und den geplanten Abriss nicht mit dem Schreiben von Leserbriefen, sondern wesentlich radikaler – sie wollen per Trennschleifer Tatsachen schaffen. Unbekannte haben bereits zum Jahreswechsel aus Protest die Sperrschilder abgeflext.

Trennschleifer im Einsatz

Ein Trennschleifer kam am 23. Januar erneut zum Einsatz. Plötzlich war die Metallsperre auf der kleineren Goldbach­brücke demontiert. Unklar war jedoch, ob die Stadtverwaltung dem Bürgerprotest plötzlich nachgegeben hat oder erneut Unbekannte zugeschlagen haben.

„Von uns ist die Sperre nicht entfernt worden. Sie ist intakt, wie eine Kontrolle ergeben hat“, informierte auf Volksstimme-Nachfrage Ute Huch. Das Verwirrspiel war komplett, weil ein Leserfoto bewies, dass die Absperrung demontiert war. Ein Anruf beim Stadt- und Landschaftspflegebetrieb Stala brachte schließlich die Aufklärung. Mitarbeiter hatten die Zeit zwischen den Kontrollen genutzt, um die Metallstangen wieder zu befestigen. Davon wusste wiederum die Stadtverwaltung nichts.