Dardesheims Ortsbürgermeister Rolf-Dieter Künne feiert heute Geburtstag / Seit 40 Jahren in der Kommunalpolitik

Auch mit 75 Jahren täglich zum Dienst ins Rathaus

Von Mario Heinicke

Rolf-Dieter Künne ist - nach Helmut Hoppe aus Stiege - der zweitälteste Ortsbürgermeister im Harzkreis. Heute wird der Dardesheimer 75 Jahre alt.

Dardesheim l Jeden Morgen um neun schnappt sich Rolf-Dieter Künne die Aktentasche und geht rüber ins Rathaus. Bis um zwölf, wenn zu Hause bei Ehefrau Helga die Kartoffeln auf dem Tisch stehen. Für einen Ortsbürgermeister ist das ein außergewöhnlich großes Arbeitspensum, zumal freitags nachmittags noch die Bürgersprechstunde dazu kommt und auch sonst manch Termin den Kalender zusätzlich füllt. Rolf-Dieter Künne muss diesen Aufwand nicht betreiben, zumal für ein Salär, das nur gut die Hälfte eines Minijobs ausmacht. "Ich habe große Freude daran, für Dardesheim und seine Bürger zu arbeiten", betont er. Freude, etwas bewegen zu können und auch mit 75 Jahren noch nicht zum alten Eisen zu gehören.

Dardesheim ist kein gewöhnlicher Ort. Das war er schon früher nicht als Stadt mit weniger als 1000 Einwohnern, der drittkleinsten in Sachsen-Anhalt. Mit den jüngsten Gebietsreformen ist das Stadtrecht verloren gegangen. "Das wurmt mich", gibt der Ortschef unumwunden zu. Doch trotzdem ist er stolz, wie sich Dardesheim nach der Wende weiterentwickelt hat. Allen voran natürlich mit dem Ziel, "Stadt der erneuerbaren Energien" zu werden.

"Vor 20 Jahren hätte keiner daran gedacht", sagt Künne. Windrad um Windrad entstand, heute sind es über 30 auf dem Druiberg. Dazu Solaranlagen, Stromtankstelle - und mit ihnen kamen mittlerweile mehrere tausend Besucher aus allen Erdteilen (außer der Antarktis) nach Dardesheim. Wenn die Gruppen hier eintreffen, ist der Ortschef oft dabei und spricht aus tiefster Überzeugung seinen Standardsatz: "Die Sonne und der Wind stellen uns keine Rechnung." Vor zwei Wochen erst war eine Regierungsdelegation aus Taiwan in Dardesheim. Immer öfter kommen - nach der Fukushima-Katastrophe - Japaner. "Auf meine Frage, wo Japan seinen Atommüll entsorgt, habe ich bisher immer nur Schweigen als Antwort bekommen."

Zu seiner "grünen" Überzeugung ist der parteilose Rolf-Dieter Künne erst schrittweise gekommen. Dabei ist er in Sachen Energie vom Fach. Vor 61 Jahren hat er bei Karl Bosse eine Elektriker-Lehre begonnen. "Das Werkzeug passte in meinen alten Schulranzen. Mit dem Fahrrad bin ich dann zu den Kunden in Dardesheim und Rohrsheim gefahren." Vor 40 Jahren schloss Künne die Meisterschule ab, arbeitete zu der Zeit schon im Dardesheimer Betriebsteil des Osterwiecker Gleitlagerwerkes. 1991 gründete er seine eigene Firma und engagiert sich seitdem auch in der Kreishandwerkerschaft. 1997 bis 2011 war er Obermeister der Elektroinnung, heute ist er Ehrenobermeister.

Auch in der Kommunalpolitik ist Rolf-Dieter Künne ein alter Hase. 1973 wurde er erstmals in den Dardesheimer Stadtrat gewählt und blieb es bis heute. 20 Jahre davon als stellvertretender Bürgermeister, bis er 2004 - nun schon als Rentner - Ortschef von Dardesheim wurde. Mit der Gründung der Einheitsgemeinde Aue-Fallstein gab es in den Ortsteilen keine Bürgermeister mehr wie früher, sondern nur noch Ortsbürgermeister.

Als böte die Kommunalpolitik nicht genug der Freizeitbeschäftigung im Rentenalter, ist Künne nach wie vor Vorsitzender des Männerchores "Liedertafel" Dardesheim (seit 1976) und des Fördervereins Stadt Dardesheim (seit 2004), dienstältestes Mitglied der Feuerwehr (seit 1956) im Range eines Oberbrandmeisters sowie einer der größten Fans des Stadtorchesters Dardesheims, das immerhin schon fünf Mal Deutscher Meister geworden ist.

Bei soviel Enthusiasmus für Dardesheim überrascht es, dass Rolf-Dieter Künne nicht hier geboren wurde. Er stammt aus Wellen in der Magdeburger Börde, wo der Vater Gärtner war. Als dieser in Wellen kein Grundstück zum Hausbau fand, kehrte er 1951 - mit der Familie - zurück in sein Elternhaus nach Dardesheim. Die familiären Beziehungen zu Wellen haben aber auch ihr Gutes. Dort war Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) lange Bürgermeister. Und so konnte Künne ihn vor zwei Jahren gewinnen, den Dardesheimer Neujahrsempfang zu besuchen.

Im Osterwiecker Stadtrat hat die Stimme von Rolf-Dieter Künne ebenso Gewicht. Er ist der Ratsälteste. Von den Sponsorengeldern, die der Windpark jährlich nach Dardesheim gibt, profitiert indirekt auch die Einheitsgemeinde, indem viele Bauvorhaben aus diesem Fonds bezahlt werden und so nicht die Stadtkasse belasten. So wurden der Saal im "Adler", das Gemeinschaftshaus und die Kita modernisiert. Überhaupt stellt Rolf-Dieter Künne fest, dass es in Dardesheim noch alles gibt, "was man zum Leben braucht". Von Lebensmittelläden und Ärzten bis zur Tankstelle. "Ich bin auch ein bisschen stolz auf unseren Ort, vor allem dass der Ortschaftsrat und die Bürger so mitziehen."

Mitgezogen hat all die Jahre auch die Familie. Mit seiner Frau steht er vor der goldenen Hochzeit. Zwei Söhne haben sie, vier Enkelkinder - und alle wohnen in Dardesheim.

Bis 2014 läuft noch die Wahlperiode für Rolf-Dieter Künne im Orts- und Stadtrat. Ob er sich dann zur Ruhe setzt? Die Antwort verwundert nicht: "Ich möchte mich noch nicht festlegen."