Osterwieck l Die Mutter, die mutmaßlich ihr Neugeborenes in der Nacht zum 9. Juli in Osterwieck ausgesetzt hatte (die Volksstimme berichtete) , ist am Mittwoch wegen des Verdachts des versuchten Totschlags vorläufig festgenommen worden, informiert Siawash Ebadi, Sprecher der Polizeiinspektion Magdeburg. Die 30-Jährige sei dem Ermittlungsrichter vorgeführt worden. Dieser erließ einen Unterbringungsbefehl, woraufhin die Frau in ein Fachklinikum für Psychiatrie gebracht wurde.

Es sei zu früh, mehr zu dem Fall zu sagen, heißt es von der Staatsanwaltschaft in Halberstadt. „Es handelt sich um laufende Ermittlungen. Die dauern an“, teilt eine Sprecherin mit. Antworten auf Fragen nach der Schuldfähigkeit der Frau und darauf, wie lange sie in der Klinik bleiben muss, lägen im Bereich der Spekulationen. Zunächst müsse die Frau forensisch begutachtet werden – was einige Zeit in Anspruch nehme. Ende September rechne die Staatsanwaltschaft mit einem schriftlichen Gutachten. „Erst danach kann man den Fall bewerten.“

Junge in Obhut des Jugendamtes

Die Frau war laut Polizei bereits bis zum Mittwoch, aufgrund eines Beschlusses des Betreuungsgerichts, in einem psychiatrischen Fachkrankenhaus untergebracht. Dank Zeugenhinweisen konnte die 30-Jährige noch am selben Tag, an dem das Baby ausgesetzt wurde, ermittelt und dort eingeliefert werden.

Nach Volksstimme-Informationen handelt es sich um eine Osterwieckerin, die in einer Werkstatt für Menschen mit geistigen Behinderungen betreut worden sei. Weder die Staatsanwaltschaft noch die Polizei wollen sich zu diesen Gerüchten äußern.

Für das Kind – ein Junge – hat mittlerweile das Jugendamt offiziell die Amtsvormundschaft, wie Landkreissprecherin Franziska Banse informiert. „Und damit alle Rechte und Pflichten, wie sie Eltern hätten.“

Noch werde der Säugling  im Krankenhaus betreut, so die Landkreissprecherin. Wieso und wie es dem Kind geht, könne sie nicht beantworten. Auch vom Harzklinikum Wernigerode gibt es dazu keinerlei Auskünfte zum Gesundheitszustand, „da für jeden Patienten die ärztliche Schweigepflicht und der Datenschutz gelten“, teilt ein Sprecher mit.

Anwohner findet Baby

Wie es für das Kind weitergeht, sobald es aus der Klinik entlassen wird – ob es zum Beispiel zu Pflegeeltern kommt oder zur Adoption freigegeben wird – könne noch nicht mitgeteilt werden, sagt Franziska Banse vom Landkreis.

Hintergrund: In der Nacht zum 9. Juli ist der neugeborene Junge unbekleidet und ohne jeden Wärmschutz vor einem Mehrfamilienhaus im Kälberbachsweg in Osterwieck abgelegt worden. Ein Anwohner entdeckte das fast leblose Kind gegen 0.15 Uhr zwischen Fahrrädern am Hauseingang. Der Säugling ist offensichtlich unmittelbar zuvor geborene worden. Wie der Zeuge am nächsten Tag der Volksstimme berichtete und mit einem Foto belegte, war der Junge noch mit Käseschmiere und Blut bedeckt, die Nabelschnur war noch nicht abgeschnürt. Der Mann nahm das Kind mit in seine Wohnung, rief den Notruf und wärmte das Baby bis zum Eintreffen der Rettungskräfte. Zu diesem Zeitpunkt betrug die Körpertemperatur des Jungen nur noch 29 Grad Celsius.

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