Halberstadt l Für viele Bedürftige, die mit jedem Euro rechnen müssen, ist es ein harter Schlag, dass die Kleiderkammer des Diakonischen Werkes Halberstadt 2020 ahr bereits zum zweiten Mal schließen muss. Die Coronapandemie beschert der wohltätigen Einrichtung kurz vor Weihnachten die erneute Zwangspause. Vorerst bis zum 10. Januar 2021. „Ich hoffe, dass wir dann wieder für unsere Gäste da sein dürfen. Wir müssen eben abwarten, wie sich alles entwickelt“, sagt Kleiderkammerchefin Christina Schäfer.

Es sprach sich in der Stadt schnell herum, dass die Kleiderkammer vor dem Fest schließt. „In den Tagen vor dem letzten Öffnungstag am Dienstag dieser Woche war bei uns viel los. Viele Menschen nutzten noch die Gelegenheit, sich mit Kleidung und anderen Dingen zu versorgen“, sagt Christina Schäfer. Dabei handelt es sich zum überwiegenden Teil um Menschen, denen auch das Onlineshoppen nicht möglich ist.

„In den Tagen vor dem letzten Öffnungstag am Dienstag dieser Woche war bei uns viel los. Viele Menschen nutzten noch die Gelegenheit, sich mit Kleidung und anderen Dingen zu versorgen.“

Mehr als 60 Nutzer jede Woche

Auch zu normalen Zeiten hat das Team um Christina Schäfer an den vier Öffnungstagen in der Woche (Montag bis Donnerstag) alle Hände voll zu tun. Über 60 Besucher greifen wöchentlich auf das bunte Angebot der Kleiderkammer zurück. „Dabei handelt es sich um Frauen und Männer im Alter ab 30 bis 70 Jahre. Vor allem Rentner mit kleinem Budget nutzen unser Angebot. Gefragt sind aber auch Kindersachen“, berichtet Christina Schäfer. „Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht, Gebrauchtes wiederzuverwenden und somit nachhaltig zu handeln. Mit diesem Grundgedanken können gebrauchte Sachen einem guten Zweck zuführt werden. Die Kleiderkammer bringt Helfende und Hilfesuchende zusammen.“

In den Räumen findet man neben Kleidung auch Bettwäsche, Geschirr, Handtücher, Spielzeug, Schuhe, Kinderwagen und anderes mehr. „Dabei handelt es sich um Spenden, die wir von Bürgern, Kirchengemeinden und von Betrieben erhalten. Zum Beispiel aus Inventuren oder Geschäftsschließungen von Einzelhandelsunternehmen“, so Christina Schäfer.

Seit Anfang der 1990er Jahre ist die Kleiderkammer des Diakonischen Werkes Halberstadt am Johannesbrunnen 35 verlässlicher Anlaufpunkt für Menschen mit wenig Geld. Was jedoch nicht bedeutet, dass die Kleidung weniger schick als teils die Neuware in den Einkaufstempeln ist. Am Johannesbrunnen 35 wird nicht nur Gebrauchtes, sondern auch Neues angeboten. Oft hochwertige Kleidung von sehr guter Qualität. Alle Sachen werden, bevor sie angeboten werden, gründlich gereinigt.

Kleiderkammer darf keinen Umsatz machen

„Es kommt immer wieder vor, dass uns Spender nagelneue Sachen bringen, die ein Preisschild tragen“, informiert Christina Schäfer. Das wird natürlich entfernt. Ein neues, das den Preis der Kammer auszeichnet, gibt es allerdings nicht. „Es handelt sich schließlich um Spenden, die wir erhalten. Spenden dürfen wir nicht einfach weiterverkaufen. Die Kleiderkammer spendet sie den Bedürftigen gegen eine Spende.“ So wechselt ein T-Shirt zum Beispiel schon mal für einen Euro den Besitzer. Umsatz darf die Einrichtung nicht machen. Das würde dem Sinn der Kammer widersprechen.

Die Spendeneinnahmen seien notwendig, um die Kleiderkammer am Leben zu erhalten. „Wir müssen für unsere Räume Miete zahlen sowie Heiz- und Energiekosten tragen. Dafür verwenden wir die Erlöse, auf die wir dringend angewiesen sind“, betont die Chefin. Darum freue man sich auch über finanzielle Zuwendungen. Jetzt erst habe die Einrichtung vom Landkreis Harz einen Zuwendungsbescheid über 1000 Euro erhalten. „Über jeden einzelnen Euro sind wir froh“, sagt Christina Schäfer. Ideal sei, wenn man unter dem Strich eine Null schreibt.

Aus diesem Grund gibt es im Team der Einrichtung keine Hauptberufler, für die Löhne anfallen. Ausnahme ist die Chefin. Ehrenamtler engagieren sich in ihrer Freizeit. Außerdem gehören sogenannte Ein-Euro-Jober dazu.

Kein Nachweis der Bedürftigkeit nötig

Wer sich in der Kleiderkammer bedienen möchte, muss nicht nachweisen, dass er auf Grund seiner sozialen Lage dazu gezwungen ist. „Wer Sachen benötigt, kann einfach kommen. Sein Status interessiert uns nicht“, unterstreicht Christina Schäfer.

Die Mitarbeiter der Kleiderkammer haben allerdings mit einem großen Problem zu kämpfen. „Es gibt Leute, die meinen, bei uns ihre Lumpen entsorgen zu können. Sie schmeißen Säcke voller Lumpen, die keiner mehr tragen kann, über den Zaun oder stellen sie anonym vor der Haustür ab“, berichtet die Chefin. Ein großes Ärgernis.

Etwa 50 Prozent der Sachen betrifft das, die illegal bei der Kleiderkammer abgelagert werden. „Wir sind mit den Entsorgungskosten total überfordert“, ist Christina Schäfer verärgert. Ein Fakt, der bereits zu Überlegungen geführt habe, die Einrichtung zu schließen.