Ehrenamt

Begleitung sein in schweren Stunden

Fünf neue Hospizbegleiterinnen nehmen ihren Dienst auf. Dafür gab es eine Einsegnung.

Von Renate Petrahn 04.07.2021, 18:35 • Aktualisiert: 05.07.2021, 05:28

Halberstadt - „Gott segne und beschütze dich. Er schenke dir Mut und Kraft sowie Weisheit für deinen Weg“. Mit diesen Worten spendete Diakon Volker Leutritz unter Handauflegung fünf neuen ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen den Segen Gottes. Ein Engagement, das Volker Leutritz aus eigener Erfahrung durch seine 20-jährige Tätigkeit als Helfer im Halberstädter Hospizverein Regenbogen kennt.

Der Einsegnungsgottesdienst in der Taufkapelle der Liebfrauenkirche setzte den Schlusspunkt unter einen einjährigen Vorbereitungskurs, der erforderlich ist, um dieses besondere Ehrenamt ausüben zu können und der sich als eine Stärkung versteht, um die selbstgewählte Aufgabe – die eigene Kraft und Kompetenz schwerstkranken und sterbenden Menschen und ihren Angehörigen zur Verfügung zu stellen - ausüben zu können.

Ausgewählt für den Gottesdienst hatte der Diakon das

Kirchenlied von Matthias Claudius vom Pflügen und Streuen, Danken und Bewahren. Wie es Volker Leutritz es sieht, symbolisiere dieses Lied die Botschaft des Abends: des Dienstes am Nächsten.

In ihrer Festansprache rief Kordula Schippan, die leitende Koordinatorin des Hospizvereins, wesentliche Momente

der Ausbildung in die Erinnerung zurück, geprägt von der Freude an der anspruchsvollen Aufgabe, aber auch von Zweifeln, ihr entsprechen zu können.

Schlüsselworte, musikalisch untermalt, wie sich auf den Weg machen, wahrnehmen mit allen Sinnen, zuhören, bleiben zu können auch in komplexen Situationen bis hin zum Abschiednehmen und der Hoffnung, „dass der Himmel keine Tränen kennt“, kennzeichnen den facettenreichen Befähigungskurs.

Persönliche Erfahrungen

Die fünf Frauen im Alter von 49 bis 65 Jahren haben sich nicht nur theoretisch mit der Sterbebegleitung auseinandergesetzt. Während eines Praktikums im stationären Hospiz in Quedlinburg und in Pflegeeinrichtungen haben sie erfahren, was das von ihnen angestrebte Ehrenamt an Schmerzlichem als auch an Kostbarem mit sich bringt. Sie haben eingewilligt, mit an der Last für Sterbende und deren Angehörigen zu tragen, aber auch Dank und Freude für ihr Wirken entgegenzunehmen sowohl in der Hospizarbeit für Erwachsene als auch im ambulanten Kinderhospiz.

„Die Menschen, die sich bei uns bewerben“, sagt Kordula Schippan, „sind Menschen, die durch das Leben geprägt wurden, selbst Trauerarbeit leisten und Verluste hinnehmen mussten oder im beruflichen Kontext Erfahrungen mit Grenzsituationen gesammelt haben. Diese persönlichen Erfahrungen tragen dazu bei, anderen Menschen Beistand und Hilfe zu sein“.

Die neuen ehrenamtlichen Hospizmitarbeiterinnen bestätigen die Worte der leitenden Koordinatorin.

Kerstin Brisch ist im Alten- und Pflegeheim St. Stephanus in Osterwieck ehrenamtlich tätig und ist bereits erfahren in der Begleitung von Heimbewohnern. Und Doreen Lehmann aus dem Thalenser Ortsteil Altenbrak, fühlt sich aufgerufen, den Menschen, die von der Gesellschaft wenig beachtet werden, Hilfe und Unterstützung zuteil werden zu lassen.

Für Sabine Schröder aus Klein Quenstedt bedeutet ihre neue Aufgabe, etwas von der Hilfe und Unterstützung zurückzugeben, die sie selbst erfahren hat. Carola Stosch aus Halberstadt haben persönliche Gründe motiviert, sich als ehrenamtliche Hospizbegleiterin ausbilden zu lassen.

Die Klein Quenstedterin Bärbel Strümpel möchte als ehemalige Krankenschwester auch im Ruhestand für andere Menschen, die ihre Hilfe brauchen, da sein.

Kostbare Momente

Wie sehr die eingesegneten Hospizbegleiterinnen bereits im Hospizverein Regenbogen integriert sind, zeigte nicht nur die Teilnahme von Heinke Sierig und Helga Hirte, Vorstandsvorsitzende und stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Vereins, am Einsegnungsgottesdienst. Viele langjährig im Hospizverein ehrenamtlich Tätige waren gekommen, um diesen kostbaren Moment mit den neu gewonnenen Begleiterinnen zu teilen.

Um im Bild von Matthias Claudius vom Säen und Ernten zu bleiben, sagte Heinke Sierig: „Ich freue mich, dass unsere ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen den Boden vorbereitet haben, damit die Saat aufgehen kann. Dank ihrer Arbeit haben wir mehr Menschen für unsere Aufgaben gewinnen können. Das macht mich glücklich.“

Ausgerüstet für diese neue Lebensetappe sind die Teilnehmerinnen des abgeschlossenen Befähigungskurses nicht nur mit einem Zertifikat. Kordula Schippan überreichte ihnen auch eine (Arbeits-)Tasche, die neben dem medizinisch Notwendigen, wie neben der Corona-Atemschutzmaske oder Desinfektionsmitteln, auch ein kleines Buch enthält. Darin hat Silke Kuwatsch Sinnsprüche, Gebete und Psalmen für den letzten Weg zusammengestellt.

Mit einem besonderen Geschenk an alle endete der bewegende Einsegnungsgottesdienst, mit einem Säckchen getrockneter Bohnen und der dazugehörigen Geschichte. Der Geschichte eines Mannes, der die Glücksmomente eines Tages zu zählen wusste, indem er nicht nur die großen Augenblicke bewusst erlebt, sondern seine Augen auch offen hielt für die kleinen, vorgeblich unscheinbaren Momente im Leben, wie ein gutes Gespräch, eine Blume, ein singender Vogel oder ein Glas Wein. Und stets steht eine kleine Bohne für diesen einmaligen Moment.

Sie wandert von einer Jackentasche in die andere. Und am Ende des Tages aus der Tasche genommen, zählte der Mann seine glücklichen Momente.