Das steckt hinter den vier Buchstaben DKMS:

● Die DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) ist eine internationale gemeinnützige Organisation. Sie wurde 1991 in Deutschland gegründet.

● In diesem Jahr starb Mechtild Harf, die Ehefrau des Mitgründers Peter Harf, an den Folgen ihrer Leukämieerkrankung. Harf versprach seiner Frau, sich dafür einzusetzen, für jeden Blutkrebspatienten einen passenden Stammzellspender zu finden.

● Zu diesem Zeitpunkt waren in Deutschland 3000 Menschen als potenzielle Stammzellspender erfasst. Aktuell sind es allein bei der DKMS weltweit etwa neun Millionen. Seit 1991 konnten mehr als 76 000 Lebenschancen dank DKMS-Spendern ermöglicht werden.

● Die DKMS wird finanziert über Geldspenden von Privatpersonen und Unternehmen sowie über Kostenerstattungen der Gesundheitssysteme für die Spenderdateipflege und für die erfolgreiche Vermittlung eines Stammzellspenders an einen Blutkrebspatienten.

● Die DKMS ist in Deutschland, den USA, Polen, Großbrittanien, Chile und Indien aktiv sowie als wissenschaftliche Forschungsorganisation engagiert.

● Nicht nur die DKMS unterstützt die Suche von Stammzellspendern, so gibt es in Deutschland zum Beispiel auch das ZKRD (Zentrales Knochenmarkspender-Register für die Bundesrepublik Deutschland gemeinnützige GmbH) und die DSSD (Deutsche Stammzellspenderdatei).(sr)

Quellen: DKMS, www.zkrd.de,

www.stammzellspenderdatei.de

Halberstadt l Jamie liegt gerade im Krankenhaus in Halle. Es ist bereits das sechste Mal, dass die Siebenjährige aus Halberstadt in die Klinik muss – innerhalb nur weniger Wochen. „Man merkt den Fortschritt der Krankheit“, berichtet Michéle Eckardt, die Mutter des Mädchens. „Jamie wird jetzt schnell müde, braucht häufiger Pausen.“ Woran sie erkrankt ist, verstehe das Kind noch nicht – und wolle es auch noch nicht wahrhaben, sagt die Mutter. Jamie hat Blutkrebs.

Anfang Juli beginnt ihre Krankheitsgeschichte, zunächst schleichend, beinahe unauffällig. „An Jamies Verhalten haben wir keine Veränderung bemerkt“, so Michéle Eckardt. „Sie war wie immer, ein quirliges, aktives Kind.“ Schon im Kindergarten sei so gewesen. „Sie wollte nie wie andere Kinder schlafen, wenn sie aus der Kita kam. Sie steckte dann immer noch voller Energie.“

Übersät mit blauen Flecken

Dennoch war etwas anders als gewohnt, als für die Grundschülerin nach der Corona-Pause wieder der Unterricht begann. „Sie kam jeden Tag mit blauen Flecken von der Schule nach Hause“, sagt die Mutter. Sie habe geschimpft, dass Jamie besser aufpassen soll. „Ich hatte schon Angst, dass das irgendwann auf uns zurückfällt und das Amt vor der Tür steht.“

Dass etwas nicht stimmen kann, sei der Mutter erst am 5. Juli so richtig bewusst geworden. „Sie hat sich in einem Türrahmen gestoßen und die gesamte Schulter lief blau an“, berichtet Michéle Eckardt. Daraufhin habe sie beschlossen, am nächsten Tag einen Arzt mit ihrer Tochter aufzusuchen. „Das fand sie gar nicht gut. Sie wollte nicht in der Schule fehlen.“ Wütend sei das Kind in sein Zimmer gestampft.

Starkes Nasenbluten

Noch am selben Tag bekam Jamie starkes Nasenbluten. „Ich bin gleich mit ihr zur Notfallsprechstunde in Blankenburg gefahren.“ Die Symptome haben die dortige Ärztin hellhörig werden lassen, sie schickte Mutter und Tochter sofort ins Krankenhaus.

Dort, in Quedlinburg, wurde dem Kind Blut abgenommen. „Ich wollte gerade Sachen für Jamie holen, als der Arzt sagte, dass sie noch einmal Blut abnehmen müssen und, falls sich das Ergebnis bestätigt, wir nach Halle müssen.“ Dorthin wurde Jamie auch umgehend gebracht, als die Ergebnisse des Tests eintrafen. „Das kam mir alles vor wie ein schlechter Scherz“, sagt Michéle Eckardt. Erst am nächsten Tag, nach der Knochenmarkstanze, stand die Diagnose fest: MDS (Myelodysplastisches Syndrom). „Das war ein absoluter Schock für mich und die ganze Familie“, sagt die Mutter.

Laut Ärzteblatt handelt es sich bei MDS um Stammzellerkrankungen, bei den etwa 25 Prozent der Patienten eine akute Leukämie entwickeln. Die mediane (mittlere) Überlebenswahrscheinlichkeit liege bei circa 30 Monaten. MDS trete meist im höheren Lebensalter auf.

Eines von 30 Kindern

Das hat auch Michéle Eckardt mittlerweile in Erfahrung gebracht. „Ich hatte von der Krankheit vorher noch nie gehört“, sagt die 28-Jährige. „Mir wurde gesagt, dass nur 30 Kinder deutschlandweit im Jahr die gleiche Krankheit haben wie Jamie.“ MDS sei eine Form von Blutkrebs.

Wie die DKMS informiert, erhält alle 15 Minuten ein Patient in Deutschland die Diagnose, an einer Form von Blutkrebs erkrankt zu sein. 18.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen der Erkrankung. Für zahlreiche Patienten, so betont die DKMS, ist die Übertragung gesunder Stammzellen die einzige Überlebenschance. Jedoch finde nur ein Drittel aller Blutkrebspatienten innerhalb der Familie einen passenden Spender.

Welle der Unterstützung

Auch in Jamies Fall kann niemand von den Angehörigen spenden. Die Hoffnung der Familie liegt nun darauf, dass über eine Stammzelldatei ein genetischer Zwilling für die Siebenjährige, deren größtes Hobby das Tanzen ist, gefunden wird. Die Mutter wünscht sich, dass sich viele Menschen testen lassen – auch ohne große öffentliche Typiesierungsaktionen. „Es macht Mut, dass uns so viele Leute unterstützen“, berichtet sie. So teilen Vereine wie Privatpersonen in den sozialen Netzwerken den Aufruf zur Typisierung. Jamies Freunde melden sich via Handy bei dem Mädchen, Klassenkameraden haben ihm vor den Ferien Briefe, Bilder und sogar Kuscheltiere geschickt. „Der Direktor der Miriam-Lundner-Schule hilft uns auch total“, berichtet Michéle Eckardt.

Die junge Frau selbst findet in dieser schweren Zeit Halt bei ihrem Partner. „Er hält mir den Rücken frei, wenn ich bei Jamie im Krankenhaus bin. Wir haben schließlich noch zwei Töchter zu Hause.“ Wie haben die Sechs- und die Dreizehnjährige die Erkrankung der Schwester aufgenommen? „Die Große hat es anfangs nicht wahrhaben wollen, die Kleine ist traurig, auch dass Mama so oft nicht zu Hause ist“, berichtet Michéle Eckardt.

Traurig sei auch Jamie. „Sie ist so gerne draußen in der Natur und darf das jetzt nicht“, berichtet die Mutter. Die Schülerin wolle nicht in Watte gepackt werden. „Sie ist eben erst ein Siebenjähriges Mädchen“, sagt Michéle Eckardt. „Es liegt doch noch alles vor ihr, sie soll noch so viel erleben.“