Krone am Westendorf bricht auseinander / Passantin informiert Verwaltung / Notsicherung erfolgt

Böse Überraschung an Halberstädter Stadtmauer

Von Dennis Lotzmann

Halberstadt l Eine sprichwörtlich böse Überraschung hat es kurz vor dem Weihnachtsfest für die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung Halberstadt gegeben. Im Westendorf offenbarten sich massive Schäden an der früheren Stadtmauer, die eine sofortige Notsicherung erforderlich machten.

Ein schwerer Stahlträger, der in die Erde gerammt und mit Beton vergossen ist. Und eine massive Holzkonstruktion, die sich an jenem Stahlträger abstützt. Keine Frage: In der Plantage am Westendorf in Halberstadt ist kurz vor dem Weihnachtsfest nicht gekleckert, sondern geklotzt worden. Lieber auf Nummer sicher gehen, um jegliches Risiko zu minimieren. Schließlich drücken im Zweifelsfall zig Tonnen Gewicht auf diese Notkonstruktion, denn die Krone der jahrhundertealten Stadtmauer bricht auseinander und droht in die öffentliche Grünanlage zu stürzen.

"Da gibt es nichts zu deuteln - die Gefahr war akut", sagt Jens Klaus, seines Zeichens Fachbereichsleiter Stadtentwicklung im städtischen Rathaus. Und: Die Gefahr sei wenige Tage vor Weihnachten schlagartig deutlich geworden. "Die Mauer war von der Plantage aus völlig mit Efeu zugewachsen. Das Grünzeug war so dicht, dass der desolate Zustand der Krone einfach nicht zu sehen war und völlig kaschiert wurde."

Allein einer aufmerksamen Spaziergängerin fiel schließlich auf, dass irgendwas nicht stimmt mit der schätzungsweise sechs bis sieben Meter hohen Steinkonstruktion. Oben an der Krone eine Ausbuchtung, unten am Fuß bereits ein Haufen Steine, die hinabgestürzt sind. "Unser Glück war, dass die Frau das nicht einfach registrierte, sondern uns informiert hat", sagt Jens Klaus und dankt ihr ausdrücklich. Ihr sei es zu verdanken, dass nichts passiert und niemand zu Schaden gekommen ist. "Dank des Hinweises haben wir das rechtzeitig bemerkt und konnten rasch handeln. Andernfalls wäre die hohe Mauer womöglich überraschend und unkontrolliert weggerutscht."

Mit der hölzernen Stützkonstruktion ist die historische Mauer zunächst abgesichert. Für die hoch verschuldete Verwaltung ergeben sich daraus aber nun neue Fragen: Woher soll das nötige Geld kommen, um die Mauer zu sanieren? Die notorische Ebbe im Haushalt lasse kaum Spielräume, stellt Klaus klar. "Wir müssen schauen, welche Förderprogramme wir nutzen können." Alles in allem rechne er mit einem sechsstelligen Betrag, um die alte Stadtmauer in diesem Abschnitt zu sanieren. "Erste vorsichtige Schätzungen gehen von 150 000 bis 180 000 Euro aus", so der Ressortchef Stadtentwicklung.

"Fest steht: Die erhaltenen Reste der aus dem Mittelalter stammenden Stadtmauer sind teilweise saniert worden. Ein Teilstück im Bereich Heinrich-Julius-Straße/Plantage wurde in den 1980er Jahren ausgebessert. Beim nun betroffenen Abschnitt im Westendorf handelt es sich aber um einen unsanierten Bereich", erklärt Klaus.

"Da gibt es nichts zu deuteln - die Gefahr war akut." - Jens Klaus, Chef-Stadtentwickler im Rathaus der Kreisstadt

Für Jens Klaus liegen die Gründe für die nun schlagartig offenbar gewordenen Schäden auf der Hand: Der Stadtmauer fehle die klassische Überdachung, so dass Regen und Feuchtigkeit permanent ins Mauerwerk eindringen können. Hinzu dürften der Pflanzenbewuchs und die einwachsenden Wurzeln kommen. Diese schädigen die Mauerkrone zusätzlich und drücken das Mauerwerk förmlich auseinander.