Halberstadt/Wernigerode l Die positiven Botschaften, die die Verantwortlichen für den geförderten Ausbau der Datennetze im Harzkreis aktuell verkünden können, sind eher spärlich: Allein in den vier Gewerbegebieten in Halberstadt, Quedlinburg sowie Harzgerode und Wernigerode sind die Glasfaserleitungen mittlerweile bis zu den Endkunden verlegt und angeschlossen. Allein in Wernigerode dauert es nach Informationen der Volksstimme wohl punktuell noch bis April, bis auch hier die Netze in Betrieb gehen. Dann haben zumindest in den genannten Bereichen alle Nutzer via Datenautobahnen der neuesten Generation maximales Tempo von bis zu einem Gigabit pro Sekunde im Download.

Lange Leitung für Otto Normalbürger

Ganz anders gestaltet sich die Entwicklung im Bereich des Netzausbaus für Otto Normalbürger. Verzögerungen gibt es bei beiden gebundenen Firmen – der Telekom ebenso wie der Magdeburger Firma MDDSL. Beide Firmen teilen sich den Netzausbau in den aktuell noch unterversorgten Bereichen des Harzkreises.

Als unterversorgt gelten Regionen mit weniger als 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s.). Übertragungsraten von minimal 50 Mbit/s. hatte die Bundesregierung allen Nutzern bereits bis 2018 versprochen. Laut vertraglichem Ausbauprogramm sollte diese Ziellinie im Harz Anfang 2020 oder zumindest bis zum zweiten Quartal – also mit zwei Jahren Verzug – erreicht werden.

Zeitverzögerung

Termine, die definitiv nicht zu halten sind. Nunmehr gehen die Verantwortlichen davon aus, dass die Bereiche, in den die Telekom agiert – beispielsweise im Vorharz – bis zum Spätsommer ausgebaut sind. Bei MDDSL, die aktuell im Nordharz unterwegs sind und ihre Glasfasertrassen via Blankenburg, Timmenrode und Gernrode noch bis nach Ballenstedt ziehen müssen, ist der Zeithorizont länger: Ende des Jahres, wahrscheinlich eher Anfang kommenden Jahres. Die ersten konkreten Ergebnisse will das Unternehmen laut Geschäftsführer Andreas Riedel im Harzkreis im zweiten Quartal dieses Jahres im Raum Osterwieck präsentieren.

Wobei diese absehbaren zeitlichen Verzögerungen mit Blick auf die Gesamtsituation im Harzkreis durchaus noch als positiv durchgehen könnten. Denn es gibt hier zwei weitaus größere Baustellen.

Rückgabe

Baustelle Nummer eins: MDDSL hat sich bei der Ausschreibung übernommen und will nun zwei Ausbaulose – für Ilsenburg sowie die Wernigeröder und Harzgeröder Ortsteile – unrealisiert zurückgeben. Firmenchef Riedel hat in der Vergangenheit unverblühmt auf das „Team magenta“ – also die Telekom – verwiesen. Die könne doch einspringen.

Die aber hat nach Angaben von Theo Struhkamp, dem Manager des geförderten Breitband-Ausbaus im Landes-Wirtschaftsministerium, bislang noch keine Angebote unterbreitet. Weil auch die Telekom aufgrund des bundesweiten Netzausbaus aktuell kaum noch freie Kapazitäten hat.

Düstere Aussichten für Harzer Regionen

„Wir sind in Verhandlungen“, so Unternehmens-Sprecher Georg von Wagner mit Blick auf die Situation im Harzkreis und das Hoffen der Verantwortlichen, dass die Telekom doch noch zum Retter in der Not wird. Doch auf konkrete Angebote warten Verantwortliche wie Struhkamp seit Wochen. Daher kann auch er nur immer Zweckoptimismus verbreiten: „Ich bin optimistisch, dass noch Angebote kommen.“

Ob die tatsächlich kommen und wie sie dann inhaltlich – finanziell und zeitlich – aussehen, bleibt abzuwarten. Mehr noch: Wirft MDDSL in den genannten Bereichen hin – woran Riedel gegenüber der Volksstimme keine Zweifel ließ, hätte man mit Blick auf die Verträge kaum Chancen, die Realisierung der Leistungen trotzdem einzufordern.

Neue Ausschreibung

Im schlimmsten Fall könnte die Perspektive so aussehen: Die Förderverfahren für die Lose müssen komplett neu gestartet und ausgeschrieben werden. Das könnte – erstens – Monate dauern. Kommt dann die Telekom zum Zuge, würde sie – zweitens – den Ausbauzeitraum wegen der Vielzahl von Aufträgen wohl deutlich länger abstecken. Soll heißen: Die Perspektiven für besagte Bereiche sind aktuell eher düster.

Baustelle Nummer zwei: Noch immer ist unklar, wie viele Adresspunkte, also Haushalte und damit verbunden Anschlüsse, bei der Ausschreibung des geförderten Breitbandausbaus vergessen wurden. Seit Monaten sitzen die Verantwortlichen über Listen, um jene weißen Flecken ausfindig zu machen. Ergebnisse sollten schon Ende 2019 vorliegen – jetzt, Anfang März 2020, stehen diese noch immer aus.

Wie viele Adresspunkte wurden vergessen?

Klar ist nur: Offenbar wurden Anschlüsse in Größenordnungen übersehen. Bislang hüllen sich die Verantwortlichen aber in Schweigen. Sie wollen jene Auswertung, die sich aufgrund der Vielzahl von Listen, Netzen und Netzbetreibern sowie bislang erfolgten Ausbauphasen extrem kompliziert gestaltet, abwarten.

Fakt ist: Obwohl eine Fachfirma ins Boot geholt worden war, um seinerzeit die Ausschreibung federführend zu begleiten, kam es zu fatalen Fehlern. So wurde der Huy-Ortsteil Huy-Neinstedt mit gut 60 Haushalten komplett vergessen. Und er scheint nur die Spitze des Eisbergs zu markieren.

Die Volksstimme interessiert: Sind Sie in den genannten Problemregionen im Harzkreis vom stockenden Netzausbau direkt betroffen – insbesondere beruflich? Dann melden Sie sich bitte unter Angabe ihrer Adresse per E-Mail (redaktion.wernigerode@volksstimme.de) in der Redaktion. Für die Kontaktaufnahme bitte unbedingt eine Telefonnummer angeben.