Halberstadt l Am Ende ist – zumindest indirekt – die Grabenfräse schuld. Weil der Einsatz dieser vergleichsweise modernen Form der Kabelverlegung im Harzkreis von Behörden kritisch gesehen werde, schaffe sein Unternehmen das ursprünglich veranschlagte Tempo beim Ausbau des Breitbandnetzes nicht. So zumindest begründet Andreas Riedel, seines Zeichens Geschäftsführer der Magdeburger Kommunikationsfirma MDDSL, die Verzögerungen beim Netzausbau im Harz. Und die münden nun sehr wahrscheinlich in handfeste Konsequenzen: MDDSL, bestätigt Riedel entsprechende Informationen der Volksstimme, wolle die beiden Ausbaulose für die Stadtgebiete Ilsenburg, Harzgerode und Wernigerode zurückgeben. Nunmehr ruhen alle Hoffnungen auf der Deutschen Telekom, die einspringen soll.

Das dürfte ein Paukenschlag bei der heutigen Ämterkonferenz sein, bei der der weitere Breitbandausbau und die damit verbundenen Anträge, Absprachen und Genehmigungen zentral diskutiert werden. Anlass sind unter anderem Erfahrungen aus dem Jahr 2019, als MDDSL im Raum Osterwieck einen Baustopp kassiert hatte, weil laut Verwaltung keine Genehmigungen vorgelegen hatten.

Damit es beim weiteren Ausbau reibungsloser voran geht, kommen nun alle tangierten Ämter an einen Tisch. Schließlich hat MDDSL, die neben der Deutschen Telekom im Harzkreis die Breitbandnetze ertüchtigen soll, auch ohne Ilsenburg, Wernigerode und Harzgerode reichlich zu tun. In MDDSL-Regie wird aktuell im Nordharz ausgebaut, 2020 sollen noch Blankenburg/Timmenrode sowie Gernrode und Ballenstedt folgen.

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Ursprüngliches Ausbauziel wird weit verfehlt

Im Osterwiecker Ortsteil Hessen ist MDDSL nach Riedels Worten am weitesten, das dortige Netz werde voraussichtlich im zweiten Quartal 2020 in Betrieb gehen. In den übrigen genannten Regionen solle der MDDSL-Ausbau spätestens bis zum ersten Quartal 2021 abgeschlossen sein, steckt der Geschäftsführer den zeitlichen Horizont ab. Danach seien aber immer noch Abstimmungen mit der Deutschen Telekom nötig, weil in aller Regel weiterhin deren Kupfer-Leitungen bis zum Endkunden – Stichwort: letzte Meile – genutzt würden.

Soll heißen: Das ursprüngliche Ziel der Bundesregierung, bis Ende 2018 allen Haushalten mindestens Download-Raten von 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) zu garantieren, wird im Harzkreis weit verfehlt. Die Kreisverwaltung und das Wirtschaftsministerium, die den Breitbandausbau Hand in Hand koordinieren, hatten Mitte November 2019 auf Anfrage der Volksstimme einen Abschluss des geförderten Ausbaus bis „voraussichtlich Ende 2020“ in Aussicht gestellt, „wenn alle ausbauenden Firmen ihre vertraglichen Verpflichtungen erfüllen“.

Pikant an dieser behördlichen Aussage: Nach Recherchen der Volksstimme hat MDDSL bereits Ende 2018 gegenüber Kreisverwaltung und Wirtschaftsministerium signalisiert, dass es die Lose Ilsenburg, Wernigerode und Harzgerode zurückgeben will. Offenbar aus Kapazitätsgründen, weil der Ausbau im Harzkreis schleppender vorankommt als geplant. Riedel geht davon aus, dass die Kollegen vom magentafarbenen Team – sprich die Telekom – übernehmen und plant nach eigenen Worten seither in diesen Bereichen nicht mehr, sondern konzentriert sich auf die übrigen MDDSL-Ausbaubereiche.

Landrat und Ministerium liefern diffuse Antwo

Seit Monaten um die Tatsache wissend, dass MDDSL die beiden Lose zurückgeben will, haben sich Landrat Martin Skiebe (CDU) und Theo Struhkamp, zuständiger Referatschef für den geförderten Breitbandausbau im Wirtschaftsministerium, Mitte November 2019 auf Anfrage der Volksstimme um klare Fakten herumgemogelt.

Statt auf die Frage zum aktuellen Stand des Breitbandausbaus klar unmissverständlich zu antworten, dass ein beauftragtes Unternehmen zumindest punktuell-regional aufgeben will und noch keine Alternative steht, gab es lediglich besagte Relativierung „wenn alle ausbauenden Firmen ihre vertraglichen Pflichten erfüllen“.

Ob MDDSL in Harzgerode – hier geht es um die Netze in acht Ortsteilen – sowie in den Bereichen Ilsenburg und Wernigerode letztlich wie vertraglich vereinbart liefern muss oder man sich im gegenseitigen Einvernehmen auf eine Vertragsaufhebung einigt, scheint aktuell offen.

Warten auf Telekom-Angebot

Nach Recherchen der Volksstimme wird sowohl in Magdeburg als auch im Landratsamt in Halberstadt seit Monaten auf ein Angebot der Telekom für die drei vakanten Bereiche gewartet. Die Hoffnung der Verantwortlichen: Die Telekom könnte, wenn sie mit dem Ausbau in den übrigen Harzer Regionen durch ist, sofort Harzgerode, Ilsenburg und Wernigerode folgen lassen. Nur dann – sprich wenn eine Ersatzlösung steht – will man MDDSL aus dem Vertrag lassen. Ob diese Hoffnung realistisch ist, bleibt abzuwarten. Auch eine entsprechende Anfrage der Volksstimme an die Telekom blieb unbeantwortet.

Soll heißen: Ob die Telekom tatsächlich direkt und zeitnah die drei regionalen Bereiche von MDDSL übernehmen würde, ist offen. Fakt ist: Da der Breitbandausbau sowohl landes- als auch bundesweit überall auf Hochtouren läuft, sind auch die Baukapazitäten der Telekom auf Monate gebunden. Deshalb muss – realistisch gesehen – mit Verzögerungen oder gar einer Neuausschreibung der drei Bereiche zumindest gerechnet werden. Eine Neuausschreibung mit dann noch längeren Ausbauzeiten wollen wiederum die Verantwortlichen um jeden Preis verhindern.

Schadet Kabelfräse Baumwurzeln?

Dass MDDSL zeitlich so ins Trudeln gekommen ist, hängt nach Riedels Worten auch mit den baulichen Vorgaben im Harzkreis zusammen. Anders als beispielsweise im Jerichower Land, würden die Verantwortlichen im Harz den Einsatz der Kabelfräse kritisch sehen.

Mit der Fräse wird ein fünf Zentimeter breiter und 60 Zentimeter tiefer Graben gefräst, das Glasfaser-Leerrohr eingelegt und der Graben sofort verschlossen. Mit dieser Technologie sind nach Riedels Worten täglich bis zu 800 Meter zu schaffen. Seitens der Verantwortlichen im Harz gebe es aber die Befürchtung, so Baumwurzeln zu schädigen. Was unbegründet sei, so Riedel. Bei Schachtarbeiten mittels Bagger könnten Wurzeln ebenso tangiert und beschädigt werden. Zudem seien, und das sei entscheidend, Kabelverlegearbeiten mittels Bagger zeitlich gesehen sehr viel langwieriger.