Zwei Osterwiecker Solarstromanlagen sind Gegenstand für eine finanzielle Bürgerbeteiligung

Bürgersparbrief als Test für die Zukunft

Von Mario Heinicke 23.02.2013, 02:16

Es ist ein Test für die Zukunft: Harzsparkasse und Halberstadtwerke legen gemeinsam in Osterwieck einen Bürgersparbrief auf. Am Freitag ist er der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

Osterwieck l Es geht nicht um Rekordrenditen und auch nicht um Kundenwerbung, unterstreichen Werner Reinhardt und Bodo Himpel, die Chefs der Harzsparkasse bzw. der Halberstadtwerke. Mit diesem Sparbrief soll getestet werden, inwieweit die Bürger bereit sind, in erneuerbare Energien zu investieren. "Aber nicht in ein Projekt in der Nordsee", wie Landrat Michael Ermrich anmerkt, sondern ein Vorhaben vor Ort.

Beim Osterwiecker Bürgersparbrief handelt es sich um zwei Solarstromanlagen, die Ende vergangenen Jahres von den Halberstadtwerken in der Ilsestadt auf dem Altenpflegeheim Am Langenkamp und der Begegnungsstätte Am Kälberbachsweg installiert worden sind. 50 000 Euro wurden dafür investiert. Dieser Betrag soll nun in Form von Sparbriefen an die Bürger gebracht werden. Wobei die Spareinlage im Wert zwischen 500 und 2000 Euro liegen kann und über fünf Jahre läuft. Nur bis zum 28. März werden die Sparbriefe herausgegeben und auch nur in der Sparkassenfiliale von Osterwieck.

Energiewende ein Schwerpunkt der "ZukunftsWerkStadt"

Der Sparbrief wurde innerhalb des Projekts "ZukunftsWerkStadt" entwickelt. Landrat Michael Ermrich, der auch Vorsitzender des Verwaltungsrates der Harzsparkasse ist, sieht darin eine neue Dimension. "In all den Jahren habe ich das noch nicht erlebt. Das ist Neuland. Aber was momentan durch die ¿ZukunftsWerkStadt\' in Osterwieck läuft, ist sowieso alles Neuland." Neben dem demografischen Wandel sei gerade die Energiewende ein Schwerpunkt des Projekts. "Ob wir es wollen oder nicht, die Energiepreise werden weiter steigen", sagt er.

Ein Sparbriefzins von 1,3 Prozent hört sich zunächst nicht viel an. Sparkassenchef Reinhardt relativiert das aber. Am Freitag gab es auf dem Kapitalmarkt für fünfjährige Anlagen 1,07 Prozent Zinsen. "Zurzeit gibt der Geld- und Kapitalmarkt nicht mehr her", bekräftigt auch Haiko Elschner von der Harzsparkasse, der den Sparbrief mit entwickelt hat. Als "Naturalbonus" soll es deshalb für Stromkunden der Halberstadtwerke 100 Kilowattstunden obendrauf geben. Was nach einer Musterrechnung bei aktuellen Strompreisen die Rendite auf 2,72 Prozent erhöht. "Mit steigenden Strompreisen wird es noch etwas mehr", fügt Bodo Himpel hinzu, aber ohne das Lächeln eines Energieversorgers. "51 Prozent des Strompreises bestehen aus Umlagen und Steuern. Nur 25 Prozent sind über den Energiehandel realisierbar." Dass dieser Sparbrief überhaupt zustande gekommen ist, sei schon ein Erfolg, betont er.

19,4 Kilowatt Leistung auf den Dächern installiert

Mit im Boot sind auch die Wohnungsgesellschaft Osterwieck und das Diakonische Werk im Kirchenkreis Halberstadt, die die Eigentümer der Gebäude sind, auf denen die beiden Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 19,4 Kilowatt installiert sind. Deren Geschäftsführerinnen Marita Krelle-Schmidt und Gabriele Schwentek äußern sich ebenfalls begeistert von der Sparbrief-Idee. "Der Bürger möchte beteiligt sein und mitgestalten", sagt Schwentek.

Verschiedene Varianten der Beteiligung geprüft

Betont wird, dass der Sparbrief für den Bürger risikolos sei. Andererseits gebe es keine Gewinnbeteiligung bei möglicherweise höheren Erträgen. "Es ist ein Sparbrief und kein Fondsmodell", klärt Ermrich auf.

"Wir haben verschiedene Rechtsformen untersucht, bei denen Bürger Anteile zeichnen können", erläutert Haiko Elschner. "Mit dem Sparbrief haben wir eine pragmatische und nicht kostenintensive Lösung geschaffen."

Anerkennung gibt es für das Projekt "ZukunftsWerkStadt", aus dem das Bürgersparbrief-Modell resultiert. "Das Projekt hat solch eine Eigendynamik, mit der Entwicklung hatte ich nicht gerechnet", bekennt Bodo Himpel.