Altenbrak/Halberstadt l Nein, er jodle nicht am Telefon, antwortet Andreas Knopf lachend. Dafür sei das, was er aktuell tut, viel zu ernst. Er hilft im Gesundheitsamt des Landkreises. Für den Altenbraker eine Selbstverständlichkeit.

Schon vor Wochen hatte der Gastwirt in einem Gespräch mit Landrat Thomas Balcerowski (CDU) angeboten, zu helfen, wenn Unterstützung gebraucht wird. 14 Tage später meldete sich die Personalabteilung der Kreisverwaltung, bat um einen Lebenslauf und kündigte an, sich bei Bedarf zu melden. Weil er eine Weile nichts hörte, dachte Andreas Knopf, die Sache sei im Sande verlaufen.

War sie nicht, Anfang Detember klingelte um kurz nach acht Uhr morgens sein Telefon. Man würde sein Angebot gerne nutzen. „Ich fragte, ob ich gleich kommen soll oder morgen, aber ganz so schnell ging es dann doch nicht“, erinnert sich der 46-Jährige. Er füllte einen Fragebogen aus, drei Tage später unterschrieb er einen befristeten Arbeitsvertrag.

Verwaiste Räume überm Bodetal

Eine Vollzeitstelle, bis Ende März. „Ich habe diese Frist angegeben, weil ich nicht denke, dass wir eher wieder hier starten können.“ Mit hier meint Knopf sein kleines Hotel und Restaurant im Bodetal, wo sonst um diese Jahreszeiten jeden Tag Gruppen einkehren, um seiner Musik zu lauschen oder Gäste gleich mehrere Tage logieren, um in geselliger Runde die Festtage zu verbringen.

Jetzt sind Zimmer und Tische verwaist, der Speiseraum ist frisch gemalert. „Wir nutzen die Zeit so gut es geht, aber es ist schon ein seltsames Gefühl“, sagt Knopf. Er hält engen Kontakt zu seinen Mitarbeitern, Stammgäste erkundigen sich, wie es ihm geht. Das freut den Gastwirt, der neben dem Trubel in den Gasträumen auch die Konzerte vermisst. Nicht nur die mit den Hasselfelder Schulkindern, die sonst fest in die Vorweihnachtszeit gehören. Jetzt ist der Terminkalender leer.

Mit seiner Gesangspartnerin Martina Weber und seinem Tonstudio hat er einen musikalischen Adventskalender online gestellt, um den Konktakt zu seinem Publikum nicht ganz zu verlieren. Er koordiniert die Umbuchungen, auch wenn er nicht genau weiß, wann denn die Hotellerie wieder an den Start gehen darf. Alle hoffen, im Frühjahr wieder Besucher begrüßen zu können. Doch dass es nach dem 10. Januar wieder losgeht mit Tourismus im Bodetal, da ist er eher skeptisch.

Geben 40 Prozent der Gastwirte auf?

„Einige Kollegen werden es wohl nicht schaffen“, sagt Knopf. Nicht nur, weil zwar ein Abschlag auf die Novemberhilfe relativ schnell kam, die Restzahlung aber immer noch nicht eingegangen ist. Wie lange es mit der Dezemberhilfe der Bundesregierung dauern wird, das könne niemand seriös abschätzen. „Viele von uns befürchten, das rund 40 Prozent der Gastwirte nach diesen zweiten Beschränkungen nicht wieder aufmachen werden. Die Lage ist bei vielen ernst.“

Während der ersten Zwangspause im Frühjahr musste er lernen, mit der plötzlich verfügbaren Zeit umzugehen, berichtet der Altenbraker. Er begann, jeden Tag zwei Stunden zu wandern. „Ich musste mir eine neue Tagesstruktur schaffen.“ Dabei entstanden ein paar Ideen für seine Gäste, die im Sommer auch gut ankamen. Doch jetzt herrscht wieder Stille im Haus.

Knopf ist froh, dass er sich als Helfer für das Gesundheitsamt gemeldet hat. „Es ist ein gutes Gefühl, helfen zu können“, sagt der Gastwirt, der zwar sein Hotel managt, aber sonst keine Verwaltungserfahrung besitzt. „Aber die brauche ich auch nicht, ich bin gut auf meine Aufgabe im Amt vorbereitet worden.“

Respekt vor Kollegen im Gesundheitsamt

Die Mitarbeiter seien wirklich sehr motiviert. „Was die leisten, das ist der Wahnsinn“, sagt Knopf. „Wenn man sieht, was da an Bewegung drin ist gerade, unglaublich. Die Kollegen machen ihren Job mit großem Engagement. Was da an Arbeit dran hängt, das versteht man erst, wenn man es selbst sieht.“

Knopf ist in der Quarantäneabteilung des Gesundheitsamtes eingesetzt. Er ruft also Menschen an, die positiv auf das Corona-Virus getestet wurden oder die als Kontaktperson für zwei Wochen in Quarantäne müssen. „Das ist eine Herausforderung für jeden, den das betrifft, vor allem für die Kinder ist da nicht einfach.“ Die Betroffenen reagierten sehr unterschiedlich, manche durchaus aggressiv. Knopf kann das verstehen, 14 Tage die Wohnung nicht verlassen zu dürfen, sei schwer.

Aber nicht jeder reagiere ablehnend, viele Betroffene sind froh, dass sie auf Unterstützungsmöglichkeiten hingewiesen werden. Das täten meist schon die Ermittler, also diejenigen, die versuchen, die Infektionsketten nachzuverfolgen.

Freiwillige werden überall gebraucht

Manche der Menschen, bei denen Andreas Knopf in amtlichem Auftrag anruft, hätten einfach Redebedarf, manche stellten erst etwas später fest, dass sie doch die eine oder andere Unterstützung benötigten. Seien es Helfer, die den Einkauf für die Betroffenen erledigen, Gassi gehen mit dem Hund oder ein Rezept zur Apotheke bringen. Freiwillige würden überall gebraucht.

40 bis 50 Anrufe am Tag, das sei das Pensum, das jeder Kollege zu schaffen versuche. „Wenn es um Quarantäne-Anordnungen für Schüler geht, schafft man das auch meistens. Bei anderen wird es manchmal schwieriger, da braucht es etwas mehr Zeit.“

Knopf ist einer von aktuell insgesamt 137 Mitarbeitern im Gesundheitsamt, die in Halberstadt mit der Bewältigung der Aufgaben im Zusammenhang mit der Pandemie beschäftigt sind. 44 Mitarbeiter sind fest angestellt, 64 befristet. „Es gibt interne und externe Abordnungen und Hilfe von der Bundeswehr. Dazu kommen 29 Helfer, die an den Wochenenden unterstützen.“

Umzug in Zweigstelle noch nicht erfolgt

An den Feiertagen wird Andreas Knopf wieder im Gesundheitsamt in der Schwanebecker Straße Halberstadts sitzen, der Umzug in die extra vom Kreis angemietete Immobilie in der Nikolaus-Otto-Straße verzögert sich noch. Im Moment kann die Technik noch nicht in Betrieb genommen werden, teilte ein Sprecher der Harzer Kreisverwaltung auf Nachfrage mit. Aber wo sein Telefon und Computer steht, ist zweitrangig, sagt Knopf.

Froh ist er, dass im Vergleich zum Frühjahr sehr viel mehr digital gemacht werden kann, wie ihm seine Kollegen im Amt berichteten. „Da lassen sich die Checklisten schneller abarbeiten“, sagt Knopf. Angesichts der immer noch sehr hohen Fallzahlen jeden Tag eine hilfreiche Entwicklung.