Landtagswahl Sachsen-Anhalt

Corona-Impfungen sorgen Wahlhelfer-Ansturm im Harz

Das große Corona-Impfen für Wahlhelfer im Landkreis Harz startet. Mit Blick auf die Landtagswahlen werden sie bei der Verteilung der begehrten Spritzen vorgezogen.

Von Sandra Reulecke und Sabine Scholz
Einer Frau wird im Impfzentrum Quedlinburg die erste Dosis Moderna verabreicht. In dieser Woche erhalten die Helfer zur Landtagswahl im Harzkreis  ihren ersten Corona-Schutz-Piks.
Einer Frau wird im Impfzentrum Quedlinburg die erste Dosis Moderna verabreicht. In dieser Woche erhalten die Helfer zur Landtagswahl im Harzkreis ihren ersten Corona-Schutz-Piks. Foto: Sandra Reulecke

Landkreis Harz

Wahlhelfer im Harzkreis: Für diesen Posten interessierten sich aktuell Leute aus dem ganzen Bundesgebiet. Etwa aus Berlin, Hamburg, Magdeburg oder Schleswig-Holstein, berichtet Wernigerodes Hauptamtsleiter Roy Radünzel. „Es konnte in Wernigerode eine deutliche Steigerung der Bereitschaft bezüglich freiwilliger Wahlhelfer festgestellt werden. Das Wahlbüro der Stadtverwaltung hat eine Vielzahl von Anfragen per Telefon und E-Mail erhalten“, berichtet er weiter. Der Grund für den sprunghaften Anstieg des Interesses für das Ehrenamt: Dank ihm können sich die Freiwilligen schon in dieser Woche gegen Corona impfen lassen.

Mit Blick auf die Landtagswahl am 6. Juni haben sich das Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration und die Landeswahlleiterin Christa Dieckmann Mitte April auf diese Priorisierung verständigt. Der Schutz der Personen, die dieses wichtige Ehrenamt für die Demokratie ausüben, habe Priorität, begründete Dieckmann diesen Schritt. Mehr als 20.000 Helfer werden bei der Wahl landesweit im Einsatz sein.

Nicht jeder Wahlhelfer wird geimpft

Doch nicht jeder, der für die Wahl tätig ist, wird deshalb auch geimpft. „Hilfspersonen und Personal der Gemeinden und Landkreise sind nach Mitteilung der Landeswahlleiterin von der vorzeitigen Priorisierung in Gruppe 3 nicht umfasst“, erläutert Manuel Slawig, Sprecher der Kreisverwaltung Harz. Aber: „Allen bestellten Wahlhelfern, die als ehrenamtliche Wahlvorstände tätig sind, wird auf Initiative der Landeswahlleiterin ein Impfangebot unterbreitet.“

In den vier Wahlkreisen 14, 15, 16 und 17, die den Landkreis Harz tangieren, würden rund 1800 Wahlhelfer gebraucht, informiert Slawig auf Anfrage der Volksstimme. Für die Briefwahlvorstände auf Kreisebene seien bisher insgesamt 166 Personen als Wahlhelfer berufen worden. Die Berufung der Helfer für die Urnenwahllokale liege in Eigenverantwortung der Kommunen.

Herumtelefonieren bis zum letzten Tag

Für die sieben Ilsenburger Wahllokale – jeweils mit neun Personen besetzt – ist seit 2012 Henry Fischer zuständig. Häufig telefoniere er noch am Tag vor der Wahl, um genügend Helfer zusammenzubekommen, berichtet der Ordnungsamtsleiter und stellvertretende Bürgermeister. Doch dieses Mal sehe das ganz anders aus. „Seit drei, vier Wochen sind wir voll“, informiert er. Anrufe und E-Mails seien bei ihm, im Bürgerbüro und sogar bei Bürgermeister Denis Loeffke (CDU) persönlich eingegangen. Es stünden nun nicht nur genug Freiwillige, sondern auch Ersatzpersonen, falls jemand ausfällt, zur Verfügung. 15 bis 20 Personen habe er sogar absagen müssen, berichtet Fischer.

Daran, dass die hohe Bereitschaft mit dem Impfangebot zusammenhängt, stehe für ihn außer Zweifel. Dafür sprächen auch die Reaktionen, sobald er die neuen Freiwilligen frage, ob sie sich auch für die Bundestagswahl im September zur Verfügung stellen würden. Die Antworten fielen ausweichend bis ablehnend aus, berichtet Fischer.

Dabei könne er nur jedem empfehlen, das Ehrenamt mal auszuprobieren – das Unterstützen einer Wahl sei spannend und auch unterhaltsam. „Es sind viele immer wieder bei uns dabei, weil es ihnen Spaß macht und sie sich freuen, unter Leute zu kommen.“ Ein Aspekt der gerade in Zeiten einer Pandemie nicht zu unterschätzen sei – auch wenn selbstverständlich bei der Wahl am 6. Juni Maskenpflicht, Abstandsregeln und Co. gelten.

Erst spritzen lassen, dann Rückzieher machen?

Er habe Verständnis, so Fischer, dass die Leute hoffen, dank des Ehrenamtes schneller an eine Impfung zu kommen, und nur deshalb Wahlhelfer werden wollen. „Jeder hofft doch im Moment auf die Spritze.“ Es bestehe aber deshalb auch die Gefahr, dass Freiwillige, sobald sie geimpft wurden, von dem Amt zurücktreten. Ganz so einfach sei das allerdings nicht. „Das geht eigentlich nur mit einem Krankenschein vom Arzt“, erläutert der Ordnungsamtsleiter.

Vor Rückziehern der Wahlhelfer nach der Impfung braucht Wernigerodes Hauptamtsleiter Roy Radünzel kaum Sorge zu haben. „Die Bediensteten der Stadt Wernigerode stellten bei allen bisherigen Wahlen und stellen auch bei der kommenden Landtagswahl freiwillig das überwiegende Gros der Wahlhelfer“, erläutert er. Unterstützt würden sie von bewährten Bürgern, die seit vielen Jahren freiwillig helfen. 180 Personen würden etwa benötigt.

„Da die Wahlhelferlisten mit Dienstkräften der Verwaltung und Bürgerinnen und Bürgern aus Wernigerode bereits gefüllt waren – auch entsprechende Reservelisten waren bereits belegt – wurden Anfragen aus dem ganzen Bundesgebiet mit dem Hinweis beantwortet, dass man diese Bürger gerne auf weitere Wartelisten setzt, aber keine Garantie übernehmen kann, dass eine Berücksichtigung als Wahlhelfer und eine vorzeitige Impfung erfolgt“, berichtet Radünzel. „Dies wurde jedoch nicht in Anspruch genommen.“

220 Wahlhelfer für Halberstadt schnell gefunden

Auch bei den Wahlen zuvor sei es in Halberstadt bisher stets möglich gewesen, „die Wahllokale immer in der vorgesehenen Stärke zu besetzen“, sagt der Stadtwahlleiter und Fachbereichsleiter für Recht und Kommunale Angelegenheiten, Timo Günther. „Allerdings hat dies in den Vorjahren deutlich mehr Zeit beansprucht.“

Rund 220 Personen sollen bei der Landtagswahl im Juni in der Kreisstadt tätig sein. Im Zuge des frühen Impftermins für Wahlhelfer konnten alle Posten deutlich schneller als sonst besetzt werden, so Günther.

Die Wahlhelfer stehen also bereits jetzt, einen Monat vor dem Votum fest. Doch wie kommen diese Personen nun schnell an die ersehnten Spritzen? Das zu organisieren liegt bei zwei Einrichtungen – beim Kreiswahlbüro und beim Harzer Impfzentrum.

Ohne Berufungsurkunde keine Spritze

„Auch wenn bei uns die Verantwortung liegt, geimpft wird zumeist in den lokalen Impfzentren“, sagt Karsten Fischer, Leiter des Harzer Impfzentrums. „Nur die Briefwahlvorstände werden zum Impfen zu uns hierher nach Quedlinburg geschickt.“ Auch er weiß: „Es gab noch nie so viele Bewerber als Wahlhelfer wie in diesem Jahr.“ Aber: Zwischenmogeln könne sich niemand. Denn nur wer seine Berufungsurkunde mitbringe und so nachweise, dass er tatsächlich als Wahlhelfer am 6. Juni tätig wird, könne mit einer Spritze rechnen.

Die Erstimpfungen für die ehrenamtlichen Helfer beginnen am Montag. 10. mai und werden am Dienstag sowie Mittwoch, 11. und 12. Mai, fortgesetzt. „Alle Kommunen konnten sich auf diese drei Tage einigen“, berichtet Fischer. Und wenn noch Termine frei waren, um in den dezentralen Impfzentren einen sinnvollen Arbeitsaufwand zu haben, hätten Einwohner der Altersgruppe zwischen 70 und 80 Jahren einen Termin für einen dieser drei Tage bekommen.

Bis zu 300 Wahlhelfer-Impfungen pro Tag

Fischer plant mit 150 bis 300 Impfungen pro Tag, je nachdem, wie groß die Einzugsbereiche der 13 dezentralen Impfzentren im Landkreis sind. Diese Mengen würden auch an den anderen Tagen in etwa verimpft.

Denn die mobilen Einsatzteams und der Stab im Kreis-Impfzentrum arbeiten auch am Himmelfahrtstag und dem von vielen als Brückentag genutzten Freitag. Allerdings werde an beiden Tagen nur bis Mittag geimpft, damit ein bisschen Zeit für die Familien bleibe.

Angekündigt sind seitens des Sozialministeriums für den Harz für diese und die nächste Woche insgesamt 11?595 Impfdosen. „Die Menge wird ja nach Einwohnerzahl zugewiesen“, sagt Fischer. Der Landkreis Harz sei der drittgrößte in Sachsen-Anhalt. Von daher hofft Fischer auf ähnlich hohe und höhere Liefermengen für die Zeit nach Pfingsten.Kommentar