Halberstadt l Die Corona-Pandemie sorgt für deutlich weniger Fahrgäste in Halberstadts Straßenbahnen und Bussen. Das Wegbrechen wichtiger Beförderungsaufgaben im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wie dem Schülerverkehr sowie die durch den Lockdown bedingten Schließungen im Einzelhandel habe sich im öffentlichen Nahverkehr der Kreisstadt negativ niedergeschlagen, berichtet Claudia Stein, Geschäftsführerin der Halberstädter Verkehrgesellschaft (HVG). Es seien aufgrund der Geschäftsschließungen einfach weniger Leute in der Stadt unterwegs.

„Das Jahr 2020 lief eigentlich ganz gut an. Die Fahrgastzahlen in Straßenbahn und Bussen waren im Januar und Februar sogar im positiven Bereich“, berichtet Claudia Stein. Im Januar 2020 verzeichnete die HVG bei den Fahrgästen einen Anstieg um sechs und im Februar sogar um 10,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Mit dem Pandemieausbruch im März 2020 begann der Absturz. Der absolute Horrormonat war bislang der April. Der Kartenverkauf knickte damals um 49 Prozent ein. Das entsprach einem Minus von etwa 55.000 Fahrgästen, informierte die HVG-Geschäftsführung im Juli 2020 auf Volksstimme-Anfrage.

Bilder

Verluste im sechsstelligen Bereich?

„Ganz so schlecht wie im April während der ersten Corona-Welle sieht es zurzeit nicht aus“, so aktuell die HVG-Geschäftsführerin. Insgesamt habe das Unternehmen aber im Jahr 2020 etwa ein Minus von 20 Prozent bei den Fahrgastzahlen im Vergleich zum Vorjahr im Linienverkehr zu verzeichnen. Wie hoch der Verlust über alle Geschäftsfelder hinweg insgesamt sei, könne man derzeit noch nicht sagen. Bis die HVG absolute Gewissheit habe, würden noch Monate ins Land ziehen. Ein Fragezeichen stehe bislang noch hinter den tatsächlichen finanziellen Verlusten des Unternehmens. Im Sommer ging die HVG in einer ersten vorsichtigen Schätzung von einer sechsstelligen Summe aus.

Wobei alle Zahlen noch mit Vorsicht zu genießen seien, betont Claudia Stein. Bislang liege der offizielle Geschäftsbericht für 2020 noch nicht vor. Fast eine Nullnummer sei 2020 der Gelegenheitsverkehr gewesen, ergänzt die Geschäftsführerin. Dazu gehören unter anderem die Stadtrundfahrten. Dort seien fast gar keine Fahrgäste registriert worden.

ÖPNV-Rettungsschirm zahlt Teil des Verlustes

Gut sei, dass die finanziellen Verluste im Linienverkehr durch das Land Sachsen-Anhalt und durch den Bund ausgeglichen werden. „Erste Abschlagszahlungen haben wir bereits erhalten. Verluste im Gelegenheits- und Schülerverkehr werden hingegen nicht ausgeglichen“, bedauert Claudia Stein.

Die Geschäftsführerin ist froh, dass hinter der Halberstädter Verkehrsgesellschaft die städtische Holding Nosa steht, zu der die Halberstadtwerke, die HaWoGe, die Abwassergesellschaft und das Freizeit- und Sportzentrum Halberstadt gehören. Denn von der Antragsstellung für die Ausgleichszahlung aus dem ÖPNV-Rettungsschirm bis zur Überweisung des ersten Geldes seien Monate ins Land gegangen. Zeit, die für andere Unternehmen ohne starken finanziellen Hintergrund an die Substanz gehe und existenzbedrohend sei. Zumal Bund beziehungsweise Land auch nur die finanziellen Schäden aus dem Linienverkehr erstatten, andere Aufgaben des öffentlichen Personennahverkehrs jedoch nicht.

„Durch den angepassten Corona-Fahrplan im April/Mai und im Dezember haben wir etwa neun Prozent weniger Fahrplan-Leistung erbracht. Bedeutet, der Takt der Straßenbahn ist von 15 Minuten auf 30 Minuten gesenkt worden. Ab 11. Januar kehren wir wieder zum 15-Minuten-Takt zurück. An die Verkehrsunternehmen wurde ganz klar der Auftrag herangetragen, die Daseinsvorsorge aufrechtzuerhalten. Daran haben wir uns gehalten“, betont Claudia Stein.

Keine Auswirkungen auf Invest-Plan

Größere Probleme mit dem Einhalten der Maskenpflicht in den Straßenbahnen und Bussen habe es in Halberstadt bislang nicht gegeben, berichtet die Geschäftsführerin. „Fast alle Fahrgäste halten sich daran.“

Keine Folgen habe die Corona-Pandemie für den Investitionsplan der Halberstädter Verkehrsgesellschaft im zurückliegenden Jahr gehabt. Vergleichbares sei auch für 2021 nicht zu befürchten.

„Wir bekommen unter anderem für unsere Busflotte ein neues Fahrzeug“, kündigt Claudia Stein an. Dabei handele es sich um einen Mild-Hybrid-Bus, der vor allem beim Startvorgang viel Diesel einsparen könne. Das Fahrzeug würde Bremsenergie rekuperieren und mit der dabei entstehenden Elektroenergie eine Batterie speisen. Der Kauf eines neuen Werkstattwagens sei ebenfalls vorgesehen. Dafür stehen insgesamt etwa 370.000 Euro aus dem eigenen Etat zur Verfügung. Außerdem will die Halberstädter Verkehrsgesellschaft in absehbarer Zeit auf der Herbingstraße mit Unterstützung der Nosa eine in die Jahre gekommene Weiche erneuern. Dafür könnten 190.000 Euro investiert werden.