Harz

Corona sorgt in Harsleben für leere Straßen

Mehrere Kinder, Erzieherinnen, Gemeinderäte und Harslebens Bürgermeisterin Christel Bischoff befinden sich zurzeit in Quarantäne.

Harsleben l Am Sonntag war bekanntgeworden, dass eine Erzieherin der Kindertagesstätte in Harsleben positiv auf das Corona-Virus getestet worden war. Zur Kindertagesstätte zählt neben der Kita „Knirpsenkiste“ auch der Hort in Harsleben.

„Daraufhin habe ich entschieden, die Kindertagesstätte ab Montag zu schließen“, berichtet Ute Pesselt (parteilos), Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Vorharz. Neun Erzieherinnen habe das Gesundheitsamt des Landkreises Harz in Quarantäne geschickt, berichtet Pesselt. Mit den vier verbleibenden Erziehern sowie einigen Mitarbeitern der Verbandsgemeinde habe sie sich am Sonntag getroffen und versucht, die Eltern der Kinder über die Schließung zu informieren.

Für diesen spontanen Einsatz möchte sie sich ganz herzlich bei den Erzieherinnen und ihren Mitarbeitern bedanken, so Pesselt. 153 Kinder besuchen zurzeit die Kita und den Hort. 90 Prozent der Erziehungsberechtigten hätten sie am Sonntag auch erreicht.

Bei den Personen, mit denen sie nicht in Kontakt treten konnten, habe es am Montag Nachfragen gegeben, wer von den Kindern in Quarantäne gehen müsse und wer nicht. Letztendlich sei es die Aufgabe des Gesundheitsamtes, die betroffenen Personen in Quarantäne zu schicken. „Wir als Kommune unterstützen den Landkreis hier jedoch gern“, so Pesselt.

Die Möglichkeit einer Notbetreuung gab es für die zwei Tage nicht, so die Bürgermeisterin. Man wolle die Kinder der einzelnen Gruppen nicht vermischen. So seien Kita und Hort zum Schutze der Gesundheit aller Beteiligten bereits zwei Tage vor der Anordnung des Landes geschlossen worden. Aufgrund der neuesten Corona-Bestimmungen seien Eltern vom Land aufgefordert ihre Kinder ab heute zu Hause zu betreuen.

Außerdem müssten nun erst einmal die Testergebnisse der Erzieher und Kinder abgewartet werden. So werde es auch für die kommenden Tage keine Notbetreuung für die Harsleber Jungen und Mädchen geben, sagt Ute Pesselt.

Am Dienstag teilte Manuel Slawig, Pressesprecher der Kreisverwaltung, mit, dass bei einer weiteren Erzieherin der Corona-Test positiv ausgefallen sei. Insgesamt seien nun 44 Kinder aus der Kita „Knirpsenkiste“ und 56 Jungen und Mädchen aus dem Hort in Quarantäne. Corona-Tests, so Slawig, seien für Anfang nächster Woche vorgesehen.

Doch nicht nur Erzieher und Kinder sind in Quarantäne. Mindestens 23 weitere Menschen sind von diesem Fall betroffen und zurzeit auf Anweisung des Gesundheitsamtes zu Hause. Grund ist die Gemeinderatssitzung, welche am Montag, 7. Dezember, in der Mehrzweckhalle in Harsleben stattfand. Eine der positiv getesteten Erzieherin engagiert sich für den Ort, ist Teil des Gemeinderats und war an diesem Montag bei der Sitzung anwesend.

Alle Besucher dieser Versammlung, das heißt zwölf Gemeinderatsmitglieder, Bürgermeisterin Christel Bischoff (parteilos), sieben Bürger aus Harsleben, zwei Mitglieder der Verbandsgemeinde, ein geladener Gast aus Erfurt, sowie eine Pressevertreterin, wurden nach Bekanntwerden des positiven Testergebnisses der Erzieherin am vergangenen Sonntag und Montag vom Gesundheitsamt darüber informiert. Die Teilnehmer haben sich bis einschließlich 21. Dezember in Quarantäne zu begeben und einen Corona-Test vornehmen zu lassen.

Dieser Fall macht deutlich, was für Kreise eine solche Infektion nach sich ziehen kann. Christel Bischoff sagt, sie sei nicht erschrocken gewesen, als das Gesundheitsamt sie am Sonntag informiert habe, denn Frau Pesselt hatte sie bereits benachrichtigt, dass Kita und Hort ab Montag schließen müssten. Auch die betroffene Erzieherin meldete sich bei ihr. Wen das Virus treffe, sei Schicksal, so Bischoff.

Dennoch möchte sie noch einmal darauf aufmerksam machen, vorsichtig zu sein und sich an die Hygienevorgaben zu halten. Sie selbst habe am Montag bereits einen Schnelltest beim Hausarzt vornehmen lassen, der negativ ausgefallen sei, berichtet sie. Trotz des negativen Test sei die Anweisung des Gesundheitsamtes, bis einschließlich 21. Dezember die Quarantäne einzuhalten. Sie hoffe, dass sich niemand weiter angesteckt habe.

Ute Pesselt, Verbandsgemeindebürgermeisterin, sagte, dass die Gemeinderatssitzung in Ditfurt, die für den 17. Dezember ursprünglich angesetzt worden war, aufgrund der Corona-Krise abgesagt wurde. Darauf habe sie sich mit Ditfurts Bürgermeister Matthias Hellmann (FDP) geeinigt. Die zweite Welle habe die Verbandsgemeinde erwischt. Dennoch könne man diese Entwicklung nicht an einem Ort festmachen.

Manuel Slawig, Pressesprecher der Kreisverwaltung, teilte am Dienstag mit, dass es in der Verbandsgemeinde Vorharz aktuell 25 Fälle von bestätigten Corona-Infektionen gibt. Am Tag zuvor seien es noch 22 gewesen. Wie viel davon in Harsleben infiziert sind, könne er nicht sagen.