Harsleben l Die Corona-Krise hat viele Veranstalter wie ein Schock getroffen: Von einem Tag auf den anderen fielen vielerorts die Einnahmen komplett weg – oft Monate lang. Doch auch wenn es langsam wieder mit Konzerten, Theateraufführungen und anderen Publikumsveranstaltungen unter Auflagen losgeht, ist für viele Kulturschaffende klar: Ein einfaches Zurück in die Zeiten vor der Pandemie wird es so schnell nicht geben.

Nicht zuletzt deshalb haben viele Veranstalter die vergangenen Monate dazu genutzt, Ideen und Lösungsansätze zu entwickeln, wie der Krise künftig am besten zu begegnen ist.

So auch Jens Ganso, der sich seit 25 Jahren für die Mehrzweckhalle in Harsleben verantwortlich zeichnet: Mithilfe einer digitalen Anlage kann künftig die Besucherzahl elektronisch erfasst und kontrolliert werden.

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Am Wochenende feierte das innovative Gerät bei der Einschulungsfeier der Grundschüler am Samstag und beim Konzert der Blasmusiker von Sachsen-Anhalt Brass am Sonntag Premiere.

Zusammenarbeit mit Frankfurter Ingenieurbüro

„Meine letzte Veranstaltung war im Februar die Schlittschuhbahn in Halberstadt. Danach war ich sechs Monate lang komplett ohne Aufträge“, berichtet Ganso, der der Veranstaltungs-COM GmbH mit Sitz in Halberstadt als Geschäftsführer vorsteht.

Und da es ohnehin keine Stadtfeste, Flohmärkte und Partys gab, die zu organisieren gewesen wären, nutzte der Unternehmer die vergangenen Monate, um sich auf die Zeit der Lockerungen vorzubereiten.

Besonders trieb Ganso dabei die Frage um, wie sich die Besucherströme in Zukunft bestmöglich kontrollieren ließen. „Ich habe lange recherchiert und mich ausführlich mit dem Thema befasst“, berichtet der Harsleber. Nachdem er in der Region zunächst nicht fündig geworden sei, habe er sich schließlich mit einem Ingenieurbüro in Frankfurt in Verbindung gesetzt.

Nach einigen Vor-Ort-Terminen in Frankfurt, bei denen er Gespräche geführt und Prototypen begutachtet habe, habe das innovative Projekt zur digitalen Besuchermessung immer weiter Gestalt angenommen. „Gut ein Vierteljahr haben wir mit dem Ingenieurbüro daran gearbeitet, bis das Ergebnis unseren Vorstellungen entsprochen hat“, so Ganso.

Seit dieser Woche befindet sich die elektronische Anlage nun einsatzbereit in der Harsleber Mehrzweckhalle: Eine Lichtschranke misst dabei, wer die Halle betritt beziehungsweise verlässt, und sendet ein Signal an die dazugehörige digitale Station, das dort in Echtzeit verarbeitet wird.

Bürgermeisterin zeigt sich beeindruckt

Ist die Höchstzahl der erlaubten Besucher erreicht – diese kann vorher an der Station einprogrammiert werden –, leuchtet das Lämpchen an der Lichtschranke rot auf und auf dem Bildschirm der Station ist groß „Stop“ zu lesen. Wird das erlaubte Besucheraufkommen überschritten, erklingt ein Warnsignal.

Bis zu fünf Lichtschranken an verschiedenen Eingängen ließen sich über die digitale Station ansteuern, berichtet Jens Ganso. Auch Statistiken ließen sich über die Messanlage anfertigen. „Dadurch lässt sich das Ganze besser nachvollziehen und wird für die Zukunft planbarer“, sagt der Veranstalter.

Auch Bürgermeisterin Christel Bischoff (parteilos) zeigte sich beeindruckt: „Ich kannte diese Technologie noch gar nicht. Toll, dass so etwas heute möglich ist.“ Mit der neuen Anlage bleibe bei Veranstaltungen nichts mehr dem Zufall überlassen und man könne in Zukunft flexibel auf die weiteren Corona-Entwicklungen reagieren.

Außerdem könnten so Personalkosten eingespart werden, benennt Jens Ganso einen weiteren Vorteil. Für die in den vergangenen Monaten finanziell stark gebeutelten Veranstalter sicher kein zu vernachlässigender Faktor. „Per Hand ließe sich zudem nur schwer kontrollieren, wer ein- und ausgeht“, fährt der Unternehmer fort.

Billig war die Anlage trotzdem nicht – stolze 4000 Euro habe das Gerät gekostet, verrät Jens Ganso. Mit dem Repeater und den Lichtschranken für die übrigen Eingänge, die er mit der Zeit noch anschaffen wolle, komme er sogar auf eine Gesamtsumme von rund 10 000 Euro.

„Natürlich ist das viel Geld. Aber längerfristig wird es sich rentieren. Und Sicherheit geht nun einmal vor“, begründet der Mehrzweckhallen-Betreiber seine Entscheidung. Die Hauptsache sei, dass es nach und nach wieder in Richtung Normalität gehe.

Den Gästen ein sicheres Gefühl zu verleihen, sei ein wichtiger Schritt in diese Richtung, ist Ganso überzeugt. „Man merkt, dass die Menschen verunsichert sind. Mir ist wichtig, dass sie sich bei uns gut aufgehoben fühlen. Die Lust, etwas zu unternehmen ist ja da – gute Technik kann da ein Verstärker sein“, so der Veranstalter weiter.

Das Bedürfnis nach Kultur ist weiter vorhande

Seit mehr als dreißig Jahren sei Harsleben eine feste Adresse im Veranstaltungskalender vieler Kulturinteressierter, meint Ganso. Um diese Tradition zu bewahren, sei es umso wichtiger, auf Veränderungen zu reagieren und auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen.

„Gar keine Kultur geht einfach nicht, das ist sehr wichtig für die Bürger“, fährt der Geschäftsführer fort. Deshalb habe er versucht, lösungsorientiert aufzurüsten und dabei von den technischen Möglichkeiten, die es heute gibt, zu profitieren. Denn, so ist sich Jens Ganso sicher: „Wir müssen uns dieser Krise stellen, denn sie wird uns noch länger begleiten.“