Halberstadt l Angst und Kritik wird bei vielen Halberstädtern laut, die die Entscheidung des Gesundheitsamtes des Landkreises Harz beziehungsweise des Landesverwaltungsamtes nicht verstehen, die Corona-Quarantäne in der Zast ­Halberstadt mit Wirkung von Sonntag, 3. Mai, um 24 Uhr aufzuheben. Zumal kurz vorher zwei Bewohner noch positiv auf das ­Coronavirus getestet wurden. Die Kritiker fühlten sich am Mittwoch, 6. Mai, bestätigt, als bekannt wurde, dass sechs weitere Bewohner der Zast sich mit dem Virus infiziert haben. In sozialen Netzwerken kursieren fragwürdige Warnungen, das Zentrum Halberstadts nicht zu besuchen, weil dort ­Zast-Bewohner unterwegs sind.

„Es geht keine Gefahr für andere von diesen Fällen aus. Wir haben am Mittwoch schon mitgeteilt, dass es sich bei den sechs Fällen um Personen handelt, die als Kontakte zu vor längerem bereits positiv getesteten Familienmitgliedern schon unter besonderer Quarantäne standen. Zunächst in Quedlinburg und dann nach ihrer Verlegung in Magdeburg“, informiert Franziska Banse Sprecherin der Landkreisverwaltung Harz. Dort seien sie zum Ablauf der Quarantänezeit nochmals getestet worden, und nun positiv. Also zählen sie als neue Fälle. Als positive Getestete seien sie mit ihren Familien zurück nach Quedlinburg gebracht worden, wo sie weiter unter Quarantäne stehen, so Franziska Banse.

In neun Tagen in Halberstadt kein neuer Fall

Die Ängste der Volksstimme-Leser seien unbegründet, da die Betroffenen die gesamte Zeit über unter Quarantäne gestanden hätten. „Dazu noch einmal der Hinweis, dass ein Eintrag von Infektionen in die Stadt Halberstadt bisher verhindert werden konnte. Das zeigen die geringen Infektions­zahlen in der Kreisstadt. Seit nunmehr neun Tagen ist kein Fall in Halberstadt dazugekommen“, betont die ­Landkreissprecherin am Donnerstag. In der Zast waren mit den zuletzt veröffentlichen Fällen bis Mittwoch 133 mit dem Corona­virus infiziert. Rund 80 waren davon bereits genesen (Stand Montag).

Zur Frage, ob die Infektionsketten vor Aufhebung der Quarantäne verlässlich unterbrochen wurden, sagt Franziska Banse: „Aufgrund der Testungen, die zuletzt alle zwei Tage stattfanden, konnte das Infektionsgeschehen in der Zast besser kontrolliert werden. Die anfangs hohen Zahlen der positiv getesteten Bewohner verringerten sich schnell auf nur noch Einzelne.“ Auf Null habe man das Geschehen in der großen Einrichtung nicht bringen können.

Mit den in den letzten Testreihen festgestellten Infizierten und deren engen Kontaktpersonen wurde ab Beendigung der Quarantäne und der Testreihen in der Einrichtung verfahren wie es gemäß Robert- Koch-Institut allgemein empfohlen wird, so die ­Sprecherin. Die Kontaktpersonen wurden weiter – jeweils für zunächst 14 Tage nach positivem Testergebnis in Quarantäne isoliert und würden in der jeweiligen Quarantäneeinrichtung unter gesundheitlicher Beobachtung stehen. Es bestehe daher kein Anlass, erneut eine Quarantäne für die gesamte Zast zu verhängen.

Corona-Regeln in Geschäften gebrochen?

Aus Einzelhandelsgeschäften in Halberstadt gab es die Kritik, dass sich Zast-Bewohner nicht an die Hygienevorschriften in den Läden halten oder so tun würden, also ob sie davon überhaupt noch nichts gehört hätten. „Es entsteht der Eindruck, dass sie vor dem Besuch der Stadt nicht auf die besonderen Bedingungen beim Besuch von Geschäften hingewiesen wurden“, kritisiert eine Verkäuferin.

Die Zast befand sich ab dem 27. März unter Quarantäne. Bereits im Vorfeld der vom Gesundheitsamt des Landkreises Harz angeordneten Quarantäne habe man sich intensiv auf eventuelle Infektions­fälle vorbereitet, betont Denise ­Vopel, Sprecherin des Landesverwaltungsamtes in Halle. „Die Information, Aufklärung und Belehrung der Bewohner was die einzuhaltenden Regeln angeht, sowohl auf dem Zast-Gelände als auch im öffentlichen Raum, spielten dabei eine tragende Rolle.“ Mit Beginn der Quarantäne sei die Kommunikation verstärkt worden. Dieser Prozess sei durch Infomaterial in den verschiedenen Sprachen, den Einsatz von Sprachmittlern, Sozialarbeitern sowie Hilfsorganisationen (zum Beispiel Ärzte ohne Grenzen, ASB) unterstützt worden.

In den letzten Wochen habe man zudem alle zwei Tage alle Bewohnerinnen und Bewohner der Zast per Abstrich ­getestet. Bei den Testungen wurde ebenfalls mehrsprachig ausführlich informiert, aufgeklärt und belehrt, so Denise ­Vopel. Ergänzend wurden nach Beendigung der angeordneten Quarantäne, bei der Herausgabe der Mund-Nasen-Bedeckungen, die Bewohnerinnen und Bewohner nochmals informiert. Daher seien die ­geschilderten Beobachtungen mit Blick auf das zuvor Dargestellte vom Landesverwaltungsamt nicht nachvollziehbar. „Wir nehmen die übermittelten Informationen zum Anlass, die Bewohnerinnen und Bewohnern erneut zu sensibilisieren“, so Denise Vopel.