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Wer hat aus Ihrer Sicht ein besonderes Dankeschön in dieser Corona-Krise verdient? Schicken Sie uns Ihre Vorschläge mit einer Begründung, Ihren Kontaktdaten sowie den Kontaktdaten ihres Helden per E-Mail an redaktion.wernigerode@volksstimme.de, Stichwort „Freifahrt für Helden“ zu.

Damit dieser nicht „aus allen Wolken fällt“, ist es ratsam, ihn oder sie vorab zu informieren.

In der kommenden Zeit stellen wir die Nominierten vor, bevor eine Jury die fünf Gewinner der Freifahrt wählt.

Wir freuen uns auf Ihre Einsendungen!

Wernigerode l Als Ballonfahrer führt Winfried Borchert normalerweise ein Leben mit Höhenluft. Er ist gern und häufig über den Wolken zu finden. Doch die vergangenen Monate zwangen ihn auf den Boden der Tatsachen, im wörtlichsten Sinne. Am 8. Februar, so berichtet er, sei er das letzte Mal abgehoben. „Danach waren die Wetterverhältnisse ungünstig.“ Und dann kam Corona – in der Hauptsaison für Ballonfahrten.

Kontaktverbot und lediglich aus einem triftigen Grund das Haus verlassen dürfen – diese Vorschriften machten der Geschäftsgrundlage des Piloten einen Strich durch die Rechnung. Die Folge: Umsatzeinbußen im fünfstelligen Bereich. „Auch wenn ich nicht starten kann, fallen Fixkosten an“, berichtet der 50-Jährige. „Um die zu zahlen, gibt es Soforthilfen, die habe ich auch schon erhalten.“ Damit seien seine privaten Kosten – wie Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung oder Lebensmittel – jedoch nicht gedeckt.

„Meine Familie hat mir Unterstützung zugesichert“, berichtet Borchert. „Man kann so eine Zeit überbrücken, wenn sie nicht über Jahre geht. Aber man muss sich halt einschränken.“ Die finanzielle Seite ist das eine, das Ausgebremstsein das andere. Die Fahrten in luftiger Höhe fehlen ihm sehr, berichtet der Pilot, der sich vor gut acht Jahren selbstständig machte. Der gelernte Fotograf werde wehmütig, wenn er die Bilder, die er während seiner Touren aus der Vogelperspektive aufgenommen hat, ansehe.

Wandern, Laufen, Radfahren

Allein auf Fahrt zu gehen, sei keine Option. Ballonfahren ist ein Mannschaftssport, in den er seine Mitfahrer einbezieht. „Die Ballonhülle wiegt allein 170 Kilogramm“, erläutert der Wernigeröder. Hinzukommen noch einmal 300 Kilogramm Gewicht von Korb und Gasflaschen. „Ein einziges Mal haben wir den Ballon zu zweit aufgebaut und waren hinterher fix und fertig“, berichtet Winfried Borchert lachend. „Man sollte schon mindestens zu viert sein.“

Und was macht ein Pilot, wenn er nicht abheben darf? „Sich um Dinge kümmern, die man sonst gern vor sich herschiebt, zum Beispiel den Keller oder den Schuppen aufräumen“, berichtet er augenzwinkernd. „Das muss ja keine tote Zeit sein, die man ungenutzt verstreichen lässt. Wir leben in einer so schönen Gegend und das Wetter war auch meistens gut.“ So erkundet er seine Heimat nun halt vom Boden aus statt aus der Luft. Wandern, Laufen und vor allem Radfahren stehen bei Winfried Borchert derzeit hoch im Kurs.

Erlösender Anruf

Wer jetzt an gemütliche Runden denkt, liegt falsch. Bei dem Wernigeröder ist eine Rad-Tour schon mal 180 Kilometer lang: über Ballenstedt nach Harzgerode und weiter nach Stolberg. Nicht mit dem E-Bike, wie er betont, sondern aus eigener Kraft erstrampelt. „Das hört sich jetzt viel an, aber die Tour ging den ganzen Tag und es gab Pausen“, beschwichtigt er. Aber, so gibt er zu, als er die höchste Etappe erreicht hatte, war er schon sehr geschafft und froh, dass es danach nur noch bergab ging.

Steil nach oben darf er dagegen ab heute wieder aufsteigen. Eine Nachricht, die ihn erst am Freitag erreichte und mit der er so schnell nicht gerechnet hatte. Zwar gibt es mit der fünften Eindämmungsverordnung des Landes deutliche Lockerungen für die Corona-Regelungen, was für Ballonfahrten gilt, ist darin aber nicht aufgeführt. „Ende Juni, Anfang Juli dürfen wir vielleicht wieder abheben“, schätzte Borchert deshalb, nur wenige Minuten, bevor ihn der erlösende Anruf eines Kollegen aus Magdeburg erreichte, ein.

Bis zu fünf Personen mit Maske

Was der ihm berichtete, bestätigte am Freitagnachmittag Denise Vopel, Sprecherin des Landesverwaltungsamtes. „Gerade wurde das in Abstimmung Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr entworfene Informationsschreiben an die Ballonunternehmen und die Flugplätze in Sachsen-Anhalt verschickt“, informiert sie. Demnach dürfen sich nun bis zu fünf Personen – inklusive Pilot – im Ballonkorb befinden. Während der Fahrt haben diese Mund-Nase-Bedeckungen zu tragen. Zu den Auflagen gehören auch die Dokumentation der Mitfahrer sowie „Desinfektionsmaßnahmen“.

Auflagen, die Winfried Borchert gern in Kauf nimmt, um wieder abheben zu dürfen. Eine seine kommenden Touren möchte er nutzen, um denen zu danken, die sich in dieser Corona-Krise besonders engagieren. Er lädt sie zu einer Fahrt in seinem Heißluftballon ein. Gemeinsam mit der Volksstimme ruft er auf, Alltagshelden vorzuschlagen. „Das kann eine Krankenschwester sein, die weit mehr als ihren Job tut“, sagt Borchert. Ebenso kann ein Student, der sich für ältere Mitbürger Einkäufe erledigt, vorgeschlagen werden, die alleinstehende Mutter oder die Sozialarbeiterin, die trotz Kontaktsperre Möglichkeiten findet, in der Krise für Kinder und Jugendliche da zu sein.

Herausragendes Engagement

„Es geht nicht um die Menschen, die ihre Arbeit verrichten, sondern die weit darüber hinaus etwas tun“, ergänzt Hanns-Michael Noll. „Zum Bespiel in Altenheimen war die Belastung gerade sehr hoch. Die menschliche Leistung, die einige der Mitarbeiter neben ihren normalen Tätigkeiten gezeigt haben, erfordert Respekt.“ Der Blankenburger Ex-Bürgermeister (CDU) gehört zu der Jury, die die Gewinner bestimmt.

Nicht ohne Grund. Zwar ist er selbst noch nie Ballon gefahren, aber er hat eine große Affinität zur Luftfahrt, wie Noll verrät. Er war als Fluglotse tätig und saß oft als Kampfbeobachter in Flugzeugen. Zudem ist Nolls Großvater, Willi Steinkrauß, im Februar 1927 die erste Winterlandung auf dem Brocken gelungen. „Aber mit dem Flugzeug, nicht mit einem Ballon“, so Noll.