Halberstadt l Das Land stellt dem Nordharzer Städtebundtheater 792.601,88 Euro zur Verfügung, damit das Dach des Theaters in Halberstadt saniert werden kann. Saniert und wärmegedämmt, denn die energetische Sanierung ist ein wesentliches Ziel des Förderprogramms Stark III, in das Geld der EU fließt und aus dem nun die Theatermacher im Harz bedacht wurden.

Johannes Rieger sieht sehr wohl die Bedeutung dieser Zusage. „Wir freuen uns über das Signal der Landesregierung, die damit ja auch anerkennt, dass baulich etwas getan werden muss“, sagt der Intendant des Nordharzer Städtebundtheaters. Verwaltungsleiter Jörg Heyne ergänzt: „Es ist eine grundsätzliche Entscheidung, die zeigt, auch die kleinen Häuser werden gebraucht, wir werden ernst genommen mit unserer Arbeit, aber auch mit unseren Sorgen.“

Die Dachsanierung an Halberstadts denkmalgeschütztem Theaterbau soll der Startschuss für die dringend erforderliche Generalsanierung der Spielstätten in Halberstadt und Quedlinburg, vor allem auch der Werkstätten sein, in die es seit Jahren reinregnet.

Wärmedämmung fehlt bislang

Knapp eine Million Euro stehen für das neue Dach samt einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und, wenn das Geld reicht, die Fassadendämmung zur Verfügung. „Auf einer Skala von 0 bis 100 liegen wir in Sachen Wärmedämmung mit dem Dach in Halberstadt bei Minus Drei“, sagt Jörg Heyne. Und meint es ernst. Auch Johannes Rieger sagt: „Zwischen der Teerpappe auf unserem Dach und klimaneutral ist noch viel Luft“.

Schließlich ist an dem Bau, der als erster Theaterbau nach dem Kriegsende in Deutschland entstand, seit 1948 baulich nicht viel passiert. Mitte der 1990er Jahre war der Zuschauerraum im Großen Haus modernisiert und mit neuem Gestühl versehen worden, 2007 wurde der Bühnenturm erneuert. „Vieles andere ist seit 1948 nicht angefasst worden bei der ‚ehrwürdigen alten Dame‘“, sagt Intendant Johannes Rieger. Das trifft durchaus auch auf Infrastruktur wie Heizung, Wasserrohre sowie manche Stromkabel zu.

Das Haus war von den Halberstädtern trotz der Hungerjahre rasch aufgebaut worden, viele Trümmersteine der zerstörten Innenstadt fanden hier Verwendung. Wie bei den Kirchen, war es den Halberstädtern wichtig, mehr wieder aufzubauen als nur Wohnraum. Das große Theater von 1905 durfte leider nicht wieder hergerichtet werden. Also wurde aus einem ehemaligen Tanzlokal ein Theaterbau.

DDR-Parteivermögen hilft Städtebundtheater

Das heutige Gebäude ist Eigentum der Stadt. Die hat den Antrag des Theaters unterstützt und begleitet, Geld steuert sie nicht bei. Den Eigenanteil bringt das Theater auf. Es war auf Antrag mit knapp 300.000 Euro aus den jüngst staatlich verteilten Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der DDR bedacht worden.

Nun also kann es mit knapp einer Million Euro an die Sanierung gehen. Auf die Frage, was als Erstes gemacht werden muss, sagt Jörg Heyne knapp: „Alles.“ Um die richtige Reihenfolge dabei einzuhalten, unterstütze ein Architekturbüro das Theater, „in zwei bis drei Monaten müsste die Analyse vorliegen“, so Heyne, „wir sind schließlich keine Baufachleute.“

Mit dem Dach zu beginnen, sei aber auf jeden Fall richtig. Dachstuhl und Dachhaut sollen erneuern und gedämmt werden. Ob man dabei auf unerwartete Probleme stoßen wird, wisse noch niemand. Auch wie es um die Statik bestellt ist, sei zu prüfen. Dazu komme, dass wichtige Stromkabel über das Dach geführt wurden, in der darunter liegenden Decke des Bühnensaals ist zudem eine Feuerlöschanlage installiert. „Wir haben hier also sowohl Veranstaltungs- als auch Sicherheitstechnik, die wichtig ist“, sagt Heyne.

Logistische Herausforderung für Spielbetrieb

In den kommenden Wochen werden die Arbeiten ausgeschrieben, er hoffe, dass die inzwischen auch schon wieder zwei Jahre alten Kostenschätzungen nicht zu sehr von der Preisentwicklung am Markt eingeholt werden. Die Firmen müssen zudem vorstellungsfreie Zeiten für ihre Arbeiten nutzen, „aber wir sind ja nicht das erste Theater in Deutschland, das ein Dach saniert bekommt“, ist Verwaltungsleiter Heyne zuversichtlich. Eine logistische Herausforderung werde es schon, auch für den Spielbetrieb.

„Ausgegeben sein muss das Landesgeld bis Mitte 2021, die Abrechnung hat bis Ende 2021 Zeit. Das sollten wir also schaffen“, sagt Heyne.