Osterwieck l Ein Osterwiecker Handwerksmeister, der gegen Windmühlenflügel der Bürokratie kämpft, könnte für sein Engagement ausgezeichnet werden. Christian Lellau ist als einer von vier Finalisten für den mit 50.000 Euro dotierten „Werner-Bonhoff-Preis-wider-den-§§-Dschungel an UnternehmerInnen“ nominiert worden. Den Preis erhalten seit 2006 Unternehmer, die mit der staatlichen Bürokratie in Deutschland zu kämpfen haben und mit ihrem Fall Verbesserungen anregen.

Die vier Finalisten dieses Jahrgangs sind neben Zimmerermeister Christian Lellau aus Osterwieck der Bäckermeister Holger Linden aus Traben-Trarbach in Rheinland-Pfalz, Hotelier Wolfgang Kanig aus Suhl in Thüringen sowie der Bio-Landwirt Peer Sachteleben aus Osnabrück in Niedersachsen. Sie wurden von einer Jury nominiert. Die Bekanntgabe des diesjährigen Gewinners wird über die Webseite der Werner-Bonhoff-Stiftung erfolgen. Die feierliche Preisverleihung ist wegen der Corona-Pandemie erst für das kommende Jahr vorgesehen.

Erfahrung muss zählen

Christian Lellau ist Zimmerermeister und staatlich geprüfter Bautechniker in der Baudenkmalpflege. Seine Hauptaufgabengebiete, in denen er mit seinem Osterwiecker Betrieb seit 2007 tätig ist, sind die Planung, der Bau und die Restaurierung von Fachwerkhäusern.

Doch der Handwerksmeister ärgert sich, wenn es um die praktische Anwendung seiner erworbenen Qualifikation geht. Denn obwohl alle Handwerksmeister im Rahmen der bundeseinheitlichen Meisterprüfung für die Erstellung von Bauvorlagen qualifiziert sind, sind sie nur in neun Bundesländern durch Regelungen in den jeweiligen Landesbauordnungen berechtigt, diese in der Praxis auch bei den Behörden zur Genehmigung selbst einzureichen.

Das bedeutet für die übrigen Bundesländer, zu denen Sachsen-Anhalt gehört, dass dortige Bauherren zur Einreichung der Pläne extra einen Architekten oder Bauingenieur beauftragen müssen. Nur fünf Kilometer von Osterwieck entfernt in Niedersachsen sieht es ganz anders aus. Hier werden Lellaus Qualifikationen und Erfahrungen anerkannt.

Aktiv in den Ausschüssen

Christian Lellau setzt sich mit Unterstützung der Handwerkskammern Magdeburg und Halle für eine Anerkennung der Qualifizierung seines Berufsstandes und für eine Novellierung der Bauordnung Sachsen-Anhalt ein. Zwischen August 2018 und September 2019 nahm er aktiv an vier Sitzungen des Ausschusses für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung sowie des Ausschusses für Landesentwicklung und Verkehr teil und konnte durch sein ausdauerndes Engagement eine Debatte im Landtag Sachsen-Anhalt anstoßen.

„Der Fall von Herrn Lellau zeigt exemplarisch das Problem, dass der (Landes)Gesetzgeber bei Abfassung von Regelungen deren möglichen Folgen für Betroffene in der Praxis nicht immer vollumfänglich im Blick hat und es daher wichtig ist, dass Betroffene auf derartige Auswirkungen bei den Entscheidungsträgern aufmerksam machen, um Verbesserungen auf den Weg zu bringen“, stellte die Jury der Stiftung fest.

Gesetzentwurf auf den Weg gebracht

Im Mai hatte der Landtag auch dank des Engagements von Christian Lellau einen Gesetzentwurf zur Änderung der Landesbauordnung auf den Weg gebracht. Damit könnten in Sachsen-Anhalt künftig Meister im Zimmerer-, Betonbauer- oder Maurerhandwerk sowie Bautechniker selbstständig kleinere Bauwerke planen und die Unterlagen bei der Bauaufsichtsbehörde einreichen dürfen.

Die unabhängige Werner-Bonhoff-Stiftung wurde 2002 in Berlin gegründet. Aus der hiesigen Region waren 2016 der Halberstädter Christoph Klein und 2014 der Hornburger Restaurator Michael Müller für Bonhoff-Preise nominiert gewesen. Prominenter Preisträger 2008 war Günther Jauch – nicht für seine Verdienste als Fernsehmoderator, sondern im Rahmen seiner Sanierungstätigkeit im Kampf gegen Auflagen der Potsdamer Bau- und Denkmalschutzbehörde.