Halberstadt l Shoppen für den guten Zweck: Wer neue Schuhe und frische Blumen kauft oder essen geht, kann ganz nebenbei damit Vereine und andere Einrichtungen mit einer Spende unterstützen. Ohne zusätzliche Kosten und mit nur kleinem Aufwand. Möglich wird dies dank HeimatSponsor, einer Initiative, die 2019 in Magdeburg gegründet wurde.

Das Konzept stößt auch in Halberstadt auf Zustimmung: Die Stadtverwaltung und Enrico Burau, Centermanger der Rathauspassagen, wollen es nun in der Domstadt etablieren. „Alles, was den lokalen Einzelhandel und ehrenamtliches Engagement unterstützt, unterstützen wir auch“, sagt Nancy Schönknecht, zuständig für das Stadtmarketing in Halberstadt.

Schließung von 50.000 Geschäften befürchtet

Gerade jetzt, in der Corona-Zeit, seien Vereine gebeutelt. Training muss oder musste ausfallen, ebenso Veranstaltungen, bei denen die Ehrenamtler sonst Geld für ihre Vorhaben sammeln. Und auch kleine sowie mittlere Geschäfte haben zu kämpfen. So rechnet der Handelsverband Deutschland (HDE) damit, dass von den rund 450.000 Einzelhandelsgeschäften im Bundesgebiet im Rahmen der Pandemie 50.000 aufgeben werden. Folgt eine erneute flächendecke Schließung für Geschäfte – außer Lebensmittelläden und Drogerien – wie im Frühjahr, könnte diese Zahl noch höher ausfallen, befürchtet der Verband.

Doch schon vor Corona waren die Aussichten für den Einzelhandel alles andere als rosig. Zur Jahrtausendwende, so vermeldete das Statistische Bundesamt, existierten 400.000 Einzelhandelsunternehmen, die zum Teil mehrere Filialen betreiben. 2018 waren es weniger als 340.000. Als ein Grund für das Ladensterben wird immer wieder das veränderte Kaufverhalten der Konsumenten genannt – Stichwort Onlinehandel. Laut Statistischem Bundesamt konnte der Onlinehandel seine realen Umsätze im Zeitraum von 1999 bis 2019 mehr als verdoppeln, ein Plus von 120,3 Prozent. Kaufhäuser hätten in diesem Zeitraum dagegen 42,1 Prozent ihres realen Umsatzes eingebüßt.

Ein Trend, den Dirk Wolf, der Ideengeber für HeimatSponsor, umkehren will. Sein Ziel ist es, mithilfe des Internets wieder mehr Kunden in reale Geschäfte zu locken. In Magdeburg, seiner Heimatstadt, gehe dieser Plan bereits auf, berichtet Wolf. Auch zum Beispiel in Schönebeck und Stendal habe er Händler als Mitstreiter gewinnen können.

Händler legen Spendenhöhe fest

Und so funktioniert das Prinzip HeimatSponsor: Teilnehmende Geschäfte und Einkaufszentren bieten Rabatte oder Boni an, deren Höhe sie selbst festlegen. Diese bekommt der Kunde jedoch nicht vom Preis abgezogen. Stattdessen erhält er einen Fördercode. Dieser kann online auf dem Spendensammel-Portal wecanhelp.de, mit dem HeimatSponsor zusammenarbeitet, eingelöst werden und so erhält der Lieblingsverein dann die Spendensumme gutgeschrieben.

Ganz schön technisch – vor allem für all diejenigen, die mit Internet und Smartphone nicht viel am Hut haben. Können diese Leute trotzdem spenden? „Klar. Sie sollen einfach die Fördercodes beim Verein abgeben und die lösen den Gutschein dann selbst ein, das ist kein Problem“, rät Dirk Wolf.

Als Empfänger für die Spenden kommt jeder Verein und jede gemeinnützige Einrichtung infrage, erläutert der Magdeburger. Auch für Klassenfahrten und Co. könne so gesammelt werden. Einzige Voraussetzung: die Registrierung auf dem Portal wecanhelp.de.

Viele Halberstädter Vereine registriert

„Vier Vereine aus Halberstadt waren dort bereits registriert“, berichtet Dirk Wolf. Weitere 50 potenzielle Empfänger habe er in Absprache mit der Stadt aus dem Vereinsregister gezogen und angemeldet. „Die werden ganz schön gucken, wenn das erste Mal Geld auf ihr Konto fließt“, sagt der Initiator augenzwinkernd.

Auf der Internetseite sei aufgelistet, welche Vereine und Einrichtungen dabei sind. Zudem kann jeder einsehen, wie viel Geld für jeden bereits zusammengekommen ist. Es sei ihm wichtig, dass das Projekt transparent ist, betont der Magdeburger, der sich schon in seiner Bachelorarbeit damit beschäftigt habe, wie Kunden aus emotionalen Gründen wieder in die Innenstädte gelockt werden können.

Während die Zahl der potenziellen Profiteure seiner Idee schon recht hoch ist, ist die der teilnehmenden Händler in Halberstadt noch überschaubar. Fördercodes sind hier bislang nur beim Kauf eines Gutscheins für die Rathauspassagen möglich. „Jeder, der bei uns einen Gutschein über 20 Euro kauft, erhält dazu einen Fördercode über einen Euro, ab 50 Euro sind es zwei Euro“, informiert Center-Manager Enrico Burau.

Nachahmer und Mitläufer erwünscht

So solle Kunden wie Händlern in der Stadt gezeigt werden, wie HeimatSponsor überhaupt funktioniert und Vertrauen geschaffen werden. „Wir hoffen, dass wir damit den Startschuss geben und gewissermaßen als Initialzündung für andere wirken“, sagt Burau. Er wünsche sich, dass nach und nach die Teilnehmerzahl wachse und sich auch Vereine aus der Region von dem Konzept überzeugen zu lassen. „Wir haben die Aktion ‚heimatverliebt‘ genannt. Unsere Heimat ist Halberstadt und der Harz“, betont der Center-Manager. Er ist sich sicher, dass Leute gern auf den Kauf per Mausklick verzichten und lieber ein Geschäft in der Stadt aufsuchen, wenn sie so ihren Lieblingsverein unterstützen können.

Diese Einschätzung bekräftigt Roger Altenburg, Vorsitzender des Kinderkrebsvereins „Blaue Nase hilft“ aus Wolmirstedt. Der Verein sei schon seit einiger Zeit bei HeimatSponsor dabei und habe gute Erfahrungen gesammelt, betont er. Seit März sind über diese Form der Spendensammlung bereits 1172,22 Euro (Stand 27. Oktober) für die „Blauen Nasen“ zusammengekommen.

Ein Erfolg, der für Dirk Wolf die Motivation bildet, seine Idee weiter zu verfolgen. Wie er ankündigt, will er in weiteren Orten Händler und Vereine ansprechen. „Mit lokalen Einkäufen kann man seine Heimat liebenswerter machen“, ist er überzeugt.