Halberstadt l Das Lüften von Schulräumen ist angesichts der Coronapandemie und der bevorstehenden kalten Monate das große Thema. Die Klassenzimmer möglichst regelmäßig mit Frischluft zu versorgen, sei wichtig, um das Infektionsrisiko für Schüler und Lehrer klein zu halten, so das Umweltbundesamt. Doch moderne Lüftungssysteme sind auch an den Schulen in Halberstadt vielerorts nicht im Einsatz.

Für Schul-Dinos wie die Grundschule Freiherr Spiegel in Halberstadt, die aus den 1970er Jahren stammt und seitdem kaum modernisiert wurde, ist diese Zeit eine ganz besondere Herausforderung. Volksstimme-Leser Steffen Lastych kritisiert in einer E-Mail an die Redaktion den schlechten baulichen Zustand der Grundschule, in die sein Sohn geht.

„Mein Sohn besucht zur Zeit die Freiherr Spiegel Grundschule. Diese Schule verfügt nicht nur über veraltete Fenster, sondern auch über eine in die Jahre gekommene Heizanlage und Isolierung sowie Waschräume. Diese Schule sollte eigentlich vor Kurzem saniert und den Bedingungen angepasst werden, jedoch wurde dort nur Geld zum Fenster raus geworfen, da die Finanzierung aufgrund eines fehlenden Stadthaushalts scheiterte. Die Kinder in dieser Schule benötigen nicht nur Unterstützung in der Corona-Phase, sondern allgemein“, beklagt der Halberstädter.

Stadt antwortet kurz angebunden

Die Kritik geht an die Adresse der Stadt Halberstadt, die Träger der Bildungseinrichtung ist. Im Rathaus kennt man die Gebrechen des Gebäudes seit vielen Jahren. Daher stand es ganz oben auf der Sanierungs-Prioritätenliste der Verwaltung. Von der geplanten Komplett-Sanierung blieb jedoch nur noch eine abgespeckte Variante übrig. Die Kommune schaffte den Sprung in ein Fördergeldprogramm nicht, weil ihr das Eigenkapital fehlt.

Zur Kritik von Steffen Lastych, dass die uralten Fenster wenig tauglich zum guten Durchlüften der Klassenzimmer sind, fällt die Antwort der Stadtverwaltung Halberstadt sehr kurz aus. „Die Lüftung der Räume obliegt den Nutzern der Einrichtung“, heißt es schriftlich aus dem Rathaus. Bedeutet das, dass sich die Eltern jetzt selbst um neue Fenster oder Lüftungsanlagen kümmern sollen? Spricht aus der Antwort Desinteresse an den Problemen und Sorgen der Eltern um ihre Kinder? Oder ist man angesichts der immensen Finanzprobleme mittlerweile so abgestumpft, dass sich Gleichgültigkeit im Rathaus breit macht? Fakt ist, die besorgten Bürger darf man mit ihren Fragen nicht im Regen stehen lassen, sondern muss sie ernst nehmen, ihnen die Hintergründe für das, was passiert erklären.

Komplett-Sanierung ist geplatzt

Die Stadtverwaltung verweist auf die anstehende Sanierung der Schule, die noch in diesem Jahr beginnen soll. Im Rahmen des Förderprogrammes für finanzschwache Kommunen seien per Stadtratsbeschluss die Sanierung der Dachfläche des westlichen Gebäudeteils, der Einbau einer Brandmeldeanlage und die Sanierung des Daches der Turnhalle inklusive neuer LED-Beleuchtung vorgesehen. Von den Ausgaben in Höhe von insgesamt 1,030 Millionen Euro übernimmt das Land 848 700 Euro. Für die Kreisstadt bleibt ein Eigenanteil in Höhe von 182 100 Euro übrig.

Die von Steffen Lastych angemahnte Erneuerung der Heizanlage und Isolierung sowie der Waschräume erfolgt ebenso wie die der Fenster nicht. Dafür reicht das Geld nicht aus.

Die geplante Komplettsanierung der Grundschule „Freiherr Spiegel“ im Rahmen des Fördermittelprogramms „STARK III plus EFRE Programm“ wurde 2019 von der Investitionsbank Sachsen-Anhalt aufgrund der fehlenden Gesamtfinanzierung seitens der Kreisstadt abgelehnt. Mehrere Jahre der intensiven Planungen waren damit gescheitert. Das Sanierungskonzept konnte sich sehen lassen. Immerhin sollten 4,9 Millionen Euro in das Gebäude investiert werden. Der Schwerpunkt lag auf der energetischen ­Sanierung des mehr als 40 Jahre alten Gebäudes, das in Sachen Energieverbrauch ein Dinosaurier ist.Kommentar