Hessener Denkmal

Erinnerung an einen Rennfahrer

Ein fast vergessene Hessener Geschichte wird wieder sichtbar. Die Erinnerung an den Rennfahrer Wilhelm Heine, der 1929 auf dem Nürburgring tödlich verunglückte.

Von Mario Heinicke
Unterstützung  aus dem Kindergarten bekamen die Freiwilligen bei der Neugestaltung des Areals. Neben der Grab- und Gedenkstätte soll eine Blühwiese wachsen, deren erste Samen ausgestreut wurden.
Unterstützung aus dem Kindergarten bekamen die Freiwilligen bei der Neugestaltung des Areals. Neben der Grab- und Gedenkstätte soll eine Blühwiese wachsen, deren erste Samen ausgestreut wurden. Fotos (2): Mario Heinicke

Hessen - Der Nürburgring in der Eifel ist unter Motorsportlern eine Legende. Formel-1-Rennen wurden hier ausgetragen, die Runde gilt als längste Rennstrecke der Welt, und sie sie hat eine lange Geschichte. Bereits 1927 wurde sie eingeweiht.

Die Rennstrecke forderte Todesopfer, vor allem in den Anfangsjahren. Darunter Wilhelm Heine, ein Landwirt und Rennfahrer aus Hessen. Der 44-Jährige verunglückte dort am 28. September 1929 beim Training für eine achtstündige ADAC-Langstreckenfahrt für kompressorlose Tourenwagen.

Wenige Tage später, am 4. Oktober, fand das Begräbnis in seinem Heimatdorf statt. Das wohl größte Begräbnis, das Hessen je gesehen hat. Auch weil so viele auswärtige Gäste vom Braunschweiger Herzoglichen Automobilclub anreisten, dass sich eine wahre Autokolonne in den Straßen und Plätzen staute. Das Dorf gehörte damals zu Braunschweig.

Hessener Geschichte, die erst in den letzten Wochen nach umfangreichen Recherchen wieder ans Tageslicht kam, wie Ortsbürgermeister Hans-Werner Goy (Aktiv für Hessen) berichtete. Im Schloss-Förderverein gibt es eine Denkmalpflegegruppe, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, sich um die Denkmale im Ort kümmern. Für jeden bekannt und sichtbar sind das Kriegerdenkmal, das Denkmal für den Schwarzen Herzog und ein Obelisk, alle an der Bundesstraße 79 gelegen. Doch die Grab- und Gedenkstätte für Wilhelm Heine befand sich seit Jahrzehnten im Dornröschenschlaf, war auf einem kleinen, zugewachsenen Areal am Rande des Friedhofs aus den Augen und damit aus dem Sinn.

Grundstück wurde beräumt

Die erste Erinnerung wurde wohl wach, als ein Nachkomme des Rennfahrers vor etwa einem Jahrzehnt das Grundstück der Gedenkstätte der Kommune vermachte. Seit Beginn dieses Jahres sind die Ehrenamtlichen aus dem Schlossverein und weitere Freiwillige nun zur Tat geschritten, haben geschichtliche Informationen zusammengetragen und vor allem Hand angelegt, um das Grundstück zu beräumen und würdig zu gestalten. Inzwischen wurden erste Bepflanzungen an der Grabstätte selbst und drum herum vorgenommen. Am gestrigen Freitag kamen die beide ältesten Gruppen aus der Kindertagesstätte „Hollerbusch“ vorbei, um eine Blühwiese für Bienen und andere Insekten zu säen. Mit dabei der Imker Enrico Kretschmar, der die Phacelia-Samen für die Bienenweide vorbereitet hat und das weitere Entstehen der Blühwiese begleiten wird.

Bei der Gestaltung der Gedenkstätte haben die Hessener Freiwilligen noch einiges vor. Sie möchten eine Gedenktafel erstellen lassen, die mehr preisgibt, als nur wie bisher den Namen des Verunglückten auf der oberen Umrandung.

Steine des Ehrenmals sind gebrochen, müssten repariert werden. Die Begrenzungsmauer zum Friedhof, so eine Idee, könnte teilweise abgetragen werden, um den Zugang zu diesem Teil Hessener Geschichte ermöglichen.

Hans-Werner Goy hofft außerdem, noch weitere Informationsquellen zu erschließen. So ist bisher kein Foto von Wilhelm Heine vorhanden. Kontakte geknüpft hatte Goy schon zum Herzoglichen Automobilclub. Überliefert ist, dass auch Tageszeitungen von der Trauerfeier berichtet und den Verstorbenen mit großen Worten gewürdigt hatten. Wilhelm Heine hatte dem bisher Recherchierten zufolge auch eine Autoreparaturwerkstatt und kleine Maschinenfabrik nahe des Bahnhofs gegründet.

Zugewuchert war das Gelände de Ehrenmals noch vor einem Vierteljahr, bevor die Hessener mit der Beräumung begannen.
Zugewuchert war das Gelände de Ehrenmals noch vor einem Vierteljahr, bevor die Hessener mit der Beräumung begannen.
Foto: Hans-Werner Goy