Dardesheimer Gesprächskreis zu erneuerbaren Energien

Erneuerbare Energien für jedermann

Was sind erneuerbare Energien und wie kann sich jeder diese zu nutze machen? Diese und weitere Fragen werden im thematischen Gesprächskreis von Privatleuten und Experten diskutiert.

Von Vera Heinrich
In Dardesheim, der Stadt der erneuerbaren Energien, hat kürzloch der erste Gesprächskreis zum Thema erneuerbare Energie stattgefunden. Eine Fortsetzung ist in Planung.
In Dardesheim, der Stadt der erneuerbaren Energien, hat kürzloch der erste Gesprächskreis zum Thema erneuerbare Energie stattgefunden. Eine Fortsetzung ist in Planung. Foto: Windpark Druiberg

Dardesheim - Der Austausch der alten Ölheizung, das Fahren mit Elektromobilität, Stromerzeugung mit Solarenergie. Das sind nur einige der vielen Themen, die in der Auftaktveranstaltung des Gesprächskreises erneuerbare Energien angeschnitten wurde. Die Themen sind so vielseitig gewesen wir die Zusammensetzung der Teilnehmer. Von Privatleuten, die bereits Erfahrungen mit erneuerbaren Energien haben, über Interessierte mit vielen Fragen bis zu Fachleuten haben sich insgesamt 14 Personen ausgetauscht.

Die Initiative dazu sei aus drei Richtungen gekommen, berichtet Windparkchef Heinrich Bartelt: Vom Ortschaftsrat, vom Förderverein Stadt Dardesheim und der Dardesheimer Windparkfirma Windpark Druiberg GmbH & Co KG.

Aus coronabedingten Gründen fand der Austausch zunächst als Videokonferenz statt. Die Teilnehmenden hatte sich per Computer oder Smartphone zugeschaltet.

Nach Online-Auftakt ist Präsenzveranstaltung geplant

Dardesheims Ortsbürgermeister Ralf Voigt (Förderverein) erklärte, Dardesheim habe sich als „Stadt der erneuerbaren Energie“ das Ziel gesetzt, Privat- und Geschäftsleute aus den Ortschaften rund um den Druiberg in einen Informations- und Erfahrungsaustausch zu bringen, mit welchen modernen regenerativen Techniken beispielsweise ältere Öl- und Gasheizungen ersetzt werden können. Erfolgreiche Lösungen sollten dann weiterhin mit den Dardesheimer Umweltpreisen finanziell gefördert und ausgezeichnet werden.

Wie Voigt weiter betonte, sei die Idee zu diesem Gesprächskreis schon vor geraumer Zeit in einer Runde der Ortsbürgermeister und Fördervereinsvorsitzenden mit den beiden benachbarten Windparkorten Badersleben und Rohrsheim abgestimmt worden. Bürger dieser Ortschaften seien zur Teilnahme in den weiteren Treffen besonders herzlich eingeladen. Die Teilnahme sei kostenlos.

Voigt zeigte sich erfreut, dass sich auch Vertreter von Installations- und Elektrofirmen zugeschaltet hätten. So könnten aufkommende Fragen möglichst sogleich auch fachlich beantwortet werden. Für das heutige Treffen habe man seitens der Verbraucherzentrale Magdeburg zusätzlich den Architekt Hans-Joachim Döll für ein Eingangsreferat gewinnen können.

Kostenloser Austausch von Privatleuten und Fachkundigen

„Durch den Austausch können wir alle nur klüger werden“, sagt Ralf Voigt und erklärt: „Wie möchten besonders diejenigen mitnehmen, die derartige Projekte vor Ort umsetzen.“ Welche Fragen und Ideen die Menschen vor Ort bewegen, zählt er exemplarische auf: Eine Hauseigentümerin aus Badersleben erklärte, ihre Ölheizung sei in die Jahre gekommen. Sie sei an Informationen über geeignete Nachfolgelösungen interessiert. Ein weiterer Hauseigentümer aus Badersleben, der bereits Photovoltaik nutzt, zeigte sich am Erwerb eines Elektroautos und entsprechenden Informationen über Elektromobilität interessiert. Er könne sich ebenfalls vorstellen, neben dem E-Auto ebenfalls eine Wärmepumpe zur Raumheizung mit der eigenen Solarenergie zu betreiben.

Ein Bürger aus Dingelstedt berichtete, dass er bereits seit 15 Jahren mit großer Zufriedenheit eine solche Wärmepumpe mit eigenem Solarstrom betreibe und nun zusätzlich eine geeignete Speichertechnik suche, um überschüssige Sonnenenergie aus dem Sommer für den Winter vorzuhalten.

Ein Elektrounternehmer aus Derenburg, der nach seinen Angaben bereits zwei Photovoltaikanlagen betreibt, eine dritte plant und die Energie für ein privates Elektroauto nutzt, ist interessiert gewesen an einem Austausch zum sogenannten bidirektionalen Laden. Dabei diene das Batterie-Fahrzeug neben dem Sonnenstrom-Laden tagsüber anschließend in der Nacht auch als Speicher und könne Strom in das Hausnetz so zurückspeisen, sodass kaum noch externer Strom zugekauft werden muss.

Was tun, wenn die Heizung in die Jahre gekommen ist?

Eingeschaltet hatte sich ebenfalls ein Unternehmer aus Osterwieck, der für seinen Geschäftsbetrieb bereits Photovoltaik plus Energiespeicherung nutzt und sich an einem Austausch zu Infrarotheizungen interessiert zeigte.

Berater Hans-Joachim Döll ging auf verschiedene der vorgenannten Fragen ein und empfahl den Teilnehmern, sich vor Entscheidungen über die einzusetzenden Technologien mit Fachleuten oder Fachbetrieben auszutauschen, um für den jeweiligen Anwendungsfall die richtigen Lösungen zu finden. Holzpellets zur Wärmeversorgung eigneten sich beispielsweise gut als Nachfolgelösung zum Ersatz von alten Öl- oder Gasheizungen. Wärmepumpen böten sich dagegen an in Kombination mit Niedrigtemperatursystemen wie Fußbodenheizungen in gut isolierten Häusern mit Heizenergieverbräuchen unter 50 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche.

Er empfehle generell, möglichst auf Gebäudeisolierung und damit auf Energieeinsparung zu setzen, da die zu installierende Heizleistung dann reduziert werden könne.

Zunächst Energie einsparen als Ziel

Nach dem Fachvortrag ergaben sich zahlreiche weitere Fragen der Teilnehmer, die teilweise seitens des Beraters, teilweise im Austausch unter den Anwesenden geklärt werden konnten. Dabei ging es auch um sogenannte „Balkonmodule“, die preiswert von Baumärkten angeboten werden. Diese Solarmodule sind bereits fertig mit Wechselrichter und Stecker für normale häusliche Steckdosen ausgerüstet. Sie werden häufig von Mietern an Fassaden oder auf ihren Balkonen genutzt, um einen Teil des Hausverbrauchs durch Sonnenstrom zu ersetzen.

Wie ein anwesender Solarunternehmer aus Danstedt erklärte, sind diese Module genehmigungsfrei, müssen aber beim Netzbetreiber und im sogenannten Marktstammdatenregister angemeldet werden.

In einer abschließenden Runde wurde der Austausch von nahezu allen Teilnehmern ausdrücklich gelobt, teilt Ortsbürgermeister Voigt mit. Dies bestärke ihn in dem Plan, den Gesprächskreis fortzusetzen und innerhalb der nächsten drei Monate zu einem zweiten, physischen Treffen in das Dardesheimer Rathaus einzuladen, sofern die Pandemie es erlaube.