Baustelle

Erst Beton, dann blaue Schilder an Harz-Autobahn A 36

Die Neubeschilderung der zur Autobahn 36 aufgestuften B 6 nimmt im Landkreis Harzkreis Konturen an. Eine Firma aus Mecklenburg-Vorpommern gießt die Fundamente.

Von Dennis Lotzmann
Mitarbeiter der Firma Simaleit aus Nienhagen bei Rostock gießen unweit der künftigen Anschlussstelle Quedlinburg-Mitte  neue Fundamente für blaue Autobahn-Schilder. Insgesamt müssen im Zuge der Aufstufung der früheren B 6 zur A 36 rund 650 Schilder erneuert werden  – die Kosten liegen bei 3,3 Millionen Euro.
Mitarbeiter der Firma Simaleit aus Nienhagen bei Rostock gießen unweit der künftigen Anschlussstelle Quedlinburg-Mitte neue Fundamente für blaue Autobahn-Schilder. Insgesamt müssen im Zuge der Aufstufung der früheren B 6 zur A 36 rund 650 Schilder erneuert werden – die Kosten liegen bei 3,3 Millionen Euro. Foto: Dennis Lotzmann

Quedlinburg/Wernigerode

Autofahrer, die Anfang Mai auf der A 36 im Harzkreis unterwegs sind, sollten ein wenig mehr Geduld einplanen. Nicht nur wegen der Großbaustelle mit einspuriger Verkehrsführung zwischen Heimburg und Wernigerode/West, sondern zugleich wegen Wanderbaustellen entlang der gesamten Trasse zwischen Hoym und dem Dreieck Vienenburg/Nordharz in Niedersachsen. Auch dabei ist stets punktuell einspurige Verkehrsführung mit Höchstgeschwindigkeiten von maximal 60 Kilometern pro Stunde angesagt, um Mitarbeiter bei den laufenden Bauarbeiten nicht zu gefährden.

Die Männer der Firma Simaleit aus dem Ostseebad Nienhagen unweit von Rostock-Warnemünde arbeiten sich in diesen Tagen auf der Richtungsfahrbahn West mit Ziel Vienenburg voran und bauen neue Schilder-Fundamente.

Die Abläufe sind dabei eingespielt. Nach dem Ausheben der jeweiligen Fundamentlöcher und dem passgenauen Einbau von Armierung und Verschraubungsbolzen rollen die großen Mischer mit dem Fertigbeton an. Dann geht alles ruck-zuck: Lange KG-Abwasserrohre werden am Mischer angesetzt, mithilfe der Schaufel des Baggers an die exakt nötige Position gebracht – und dann kann der Mischer den Beton ins Fundamentloch pumpen.

650 Schilder für knapp 100 Kilometer Autobahn

Letztlich, berichtet Steffen Kauert, müssen die Mecklenburger in dem knapp 100 Kilometer langen Abschnitt der Autobahn 36 zwischen dem Kreuz Bernburg und Vienenburg/Nordharz rund 650 Schilder unterschiedlichster Größen austauschen. Angefangen bei den kleinen Tafeln mit den Entfernungsbaken an den jeweiligen Anschlussstellen bis hin zu massig großen Hinweistafeln an Schilderbrücken und Kragarmen. Letztere, erklärt der 38 Jahre alte Bauingenieur, seien die einseitigen Tragkonstruktionen, an denen über der Fahrbahn hängend Schildertafeln montiert sind.

„Im Mittel sind je Anschlussstelle rund 35 Schilder auszutauschen – beginnend beim Schild Autobahn-Anfang bis hin zum Vorwegweiser mit Spuraufteilung an einer Schilderbrücke“, skizziert Kauert das Prozedere.

Nötig sind die Arbeiten im Zusammenhang mit der Aufstufung der früheren Bundesstraße 6 zur Autobahn 36, die zum Jahreswechsel 2018/2019 erfolgte. In diesem Zuge bekommen nicht nur zahlreiche Anschlussstellen neue Inhalte und Namen. Obendrein sind auch die Schriftgrößen auf Autobahn-Schildern größer, so dass viele Tafeln „wachsen“ müssen, um die nötigen Inhalte zu platzieren. Und noch ein Aspekt kommt hinzu: „Wir müssen unsere Arbeiten auf neuere statische Anforderungen hinsichtlich Gewicht und Windlast ausrichten“, so Kauert.

Blaue Schilder kosten letztlich 3,3 Millionen Euro

Deshalb schlägt die Aufstufung der früheren vierspurigen Kraftfahrstraße B 6 zur Bundesautobahn 36 finanziell mächtig ins Kontor. Nach Kauerts Worten fließen in die gesamten Umschilderungsarbeiten rund 3,3 Millionen Euro. Das veranschlagte Budget beinhalte nicht nur besagte rund 650 Schilder unterschiedlichster Größe zwischen Bernburg und Vienenburg, sondern auch 36 neue Kragarme sowie Schilderbrücken. Hinzu komme die notwendige Verkehrssicherung entlang der Baustellen.

Kosten, die letztlich nicht unumstritten sind. Zwar erhoffen sich viele Entscheidungsträger im Harzkreis und in den benachbarten Regionen von der Aufstufung zur „blauen Autobahn“ wirtschaftliche und touristische Impulse. Die Kosten, die der Steuerzahler dafür berappen muss, haben es aber in sich.

Schilder in gesamtem Harz müssen korrigiert werden

Und: Die teure Aufstufung ist letztlich Folge verkehrspolitischer Entscheidungen in den 1990er Jahren. Weil damals, unmittelbar nach der Wende, der Bau der Nordharz-Autobahn kurzfristig faktisch nicht realisierbar war, wurde als Kompromiss besagte Kraftfahrstraße aus dem Boden gestampft. Diese entspricht baulich – bis auf die minimal schmalere Fahrbahn – einer üblichen Autobahn, so dass sie 2019 vergleichsweise unkompliziert aufgestuft werden konnte. Allerdings mit jenem hohen Kostenfaktor für die Umschilderung.

Letztere soll nach Kauerts Worten spätestens bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Die Logistik ist dabei klar: Erst die Fundamente, dann die Schilder-Traggestelle sowie Kragarme und Schilderbrücken. Und schließlich final die eigentlichen blauen Tafeln. Parallel zum Tafelwald entlang der A 36 erfolgen auch in der gesamten Region Korrekturen an den jeweiligen Zielausschilderungen hin zur A 36. Dafür sind nach Kauerts Worten die jeweiligen Straßenbaulastträger verantwortlich.