Wegeleben l Als es vor zwei Wochen an seiner Haustür in Wegeleben klingelte, sei er sehr überrascht gewesen, erzählt Peter Godulla. Die Jugendbetreuerin der Stadt, Bettina Wloch, stand mit Fotos vor seiner Tür. Diese zeigten ein Modell eines Fachwerkhauses. Ob er dieses Gebäude gebaut habe, fragte sie ihn. Er musste stutzen. „An diese Konstruktion habe ich im Leben nicht mehr gedacht“, sagt der 74-Jährige.

Die Suche nach ihm war lang, so Wloch. Vor Wochen hatte der Mitarbeiter des Bauhofs Stefan Koch den Nachbau im Lager des Bauhofs von Wegeleben gefunden. „Ich sah, wie viel Arbeit in diesem Modell steckte“, berichtet der 35-Jährige. Er habe Bettina Wloch von diesem Fachwerkhaus erzählt. „Vielleicht könnte sie es für ihre Arbeit mit den Jungen und Mädchen verwenden“, sagt er.

„Ich war von dieser Idee begeistert“, sagt die Jugendbetreuerin. So wurde das Modell vor vier Wochen in die Räume der Stadtverwaltung am Markt gebracht. Hier bastelt Wloch regelmäßig mit den Kindern.

Mit Fotos durchgefragt

Folgende Fragen beschäftigten sie seit dem Fund: Wer hat dieses Modell gebaut? Und wo in Wegeleben steht das Original? Sie machte sich auf die Suche. Bettina Wloch fotografierte das Konstrukt und zeigte die Bilder vielen Menschen in Wegeleben, im Rathaus und im Gemeinschaftsraum bei Veranstaltungen.

„Es wurde eine richtige Diskussion unter den Leuten entfacht“, erzählt sie. Viele sagten, sie hätten das Haus schon einmal irgendwo gesehen. „Irgendwann meinte jemand, dies sei die alte Bäckerei“, sagt sie. In diesem Zusammenhang sei auch der Name Peter Godulla gefallen, sagt Wloch. Und so habe sie einfach bei ihm geklingelt.

Doch wie kam er dazu, dieses Modell anzufertigen? „Ich war Mitte der 90er Jahre beim Europäischen Bildungszentrum in Quedlinburg tätig“, berichtet Godulla, der seit 1988 in Wegeleben lebt. In dem Zentrum sei er als Betreuer für Strafgefangene im offenen Vollzug zuständig gewesen und habe diesen Computerkurse gegeben. Auch handwerklich sei er mit ihnen tätig gewesen.

Im Jahr 2000 habe er die Idee gehabt, die alte Bäckerei, ein Fachwerkhaus in Wegeleben, nachzubilden. Er wollte den Männern zeigen, wie solch ein Gebäude aufgebaut sei. „Dass es aus einzelnen verschiedenen Hölzern besteht und wie es verputzt wird“, sagt Godulla. Er wohne selbst in einem Holzfachwerk in Wegeleben und habe dieses komplett saniert. Dabei habe er sich mit dem Aufbau eines solchen Hauses beschäftigt. Eigentlich habe er Lackierer gelernt und einige Jahre in Leuna gearbeitet.

Häftlinge unterstützen Bau

Nach der Wende sei er arbeitslos geworden und habe in Viersen in Nordrhein-Westphalen zwei Lehrgänge in Lehmbautechnik belegt. Dort habe er unter anderem gelernt, wie ein Fachwerkhaus mit Stroh und Lehm verputzt werde.

Drei Monate habe er zusammen mit zwei Häftlingen an dem Nachbau gearbeitet. Als er im Jahr 2005 in Quedlinburg aufhörte, zu arbeiten, habe er es mitgenommen und dem Heimatverein Wegeleben geschenkt, sagt Godulla. Irgendwann sei es jedoch von der Bildfläche verschwunden. Nun hat es Stefan Koch wiedergefunden.

Bettina Wloch schlug Peter Godulla vor, dieses Modell doch einmal den Jungen und Mädchen in Wegeleben vorzustellen. Sie finde es wichtig, dass Kindern verschiedene Dinge gezeigt werden. Und wenn jemand den Aufbau eines Fachwerkhauses erklären könne, sei dies doch interessant. „Ich dachte, als ich die Konstruktion zum ersten Mal sah, dass sie noch nicht fertig sei und ich sie mit den Kindern vervollständigen könne“, gesteht Bettina Wloch. Da muss Peter Godulla aber widersprechen: „Doch, es ist fertig“. Er wollte nur die Vorderfront des Fachwerkhauses verputzen. Die anderen Seiten sollten zur Anschauung offen bleiben.

Vortrag über Geister-Haus

Zusammen haben Wloch und Godulla nun einen Nachmittag organisiert. Am Mittwoch, 11. März, können Interessierte nach Wegeleben, Markt 16, kommen. Um 16 Uhr wird Peter Godulla den Jungen und Mädchen von der alten Bäckerei erzählen. Außerdem werde er von dem Geist berichten, der in dem originalen Fachwerkhaus wohne und sich immer wieder bemerkbar mache. Um 16.30 Uhr sind Erwachsene zu seinem Vortrag willkommen.

Wo das Haus in Wegeleben steht und wer nun in der alten Bäckerei wohnt, wollen Bettina Wloch und Peter Godulla übrigens nicht verraten. „Das sollen die Bewohner von Wegeleben selber herausfinden und mit offenen Augen durch ihre Stadt gehen“, erläutert die Jugendbetreuerin.