Dingelstedt l Die Erleichterung bei allen Beteiligten ist riesig. Hündin Maggie hat ihren Absturz nur leicht verletzt überlebt. Am Freitagmittag war der junge Hund in einen Brunnenschacht auf einem Grundstück in Dingelstedt gefallen. Mit der Erklärung „Tier in Notlage“ war der Alarm bei der Leitstelle eingegangen, die sofort die zuständigen Feuerwehren armiert hat.

Nur Minuten später waren Kameraden der Wehren aus Dingelstedt und Eilenstedt am Ort des Geschehens. Ortswehrleiter Stefan Thielbeer, Leiter des Einsatzes, beschreibt die Situation, die er vorgefunden hat: „Auf dem Grundstück befindet sich im Inneren eines Stallgebäudes ein Brunnen, aus dem ein klägliches Winseln zu hören war.“ Ein junger Schäferhund war abgestützt. Ursprünglich sei der Brunnen zwar mit einer Holzbohle bedeckt gewesen, diese muss allerdings so morsch gewesen sein, dass sie zerbrochen und mit dem Tier im Brunnen verschwunden sei. Ein erster Blick der Feuerwehrleute in den Brunnen zeigte, dass der Hund sich mit den Vorderpfoten auf dem zerbrochenen Brett halten konnte.

Leiter reicht nicht aus

Der Besitzer des Hundes hatte zunächst selbst versucht, das Tier mit Hilfe einer Trittleiter zu erreichen, das sei jedoch an der Tiefe des Brunnens gescheitert, so dass er sich an die Feuerwehr wandte. Doch auch die Kameraden der Ortswehren gerieten an ihre Grenzen. „Wie tief der Brunnen tatsächlich ist, wurde klar, als wir mit unserer Steckleiter nicht bis zu dem Tier heranreichen konnten“, beschreibt Gemeindewehrleiter Bodo Fuckert, der ebenfalls bei diesem Einsatz dabei war. „Diese Steckleiter besteht aus Einzelteilen, vier Teile befinden sich auf dem Fahrzeug, ineinandergesteckt ergibt sich so eine maximale Länge von 8,40 Metern“, erklärt Heimo Krems, Gerätewart der Dingelstedter Feuerwehr. „Erschwerend kam hinzu, dass der Brunnen nicht frei zugänglich, sondern zum Teil überbaut ist und so erst einmal Freiheit geschaffen werden musste, um die einzelnen Leiterteile ineinander stecken zu können“, ergänzt Bodo Fuckert. Es wurden Kanten weggeschlagen und Steine entfernt. Weil nur die Hälfte des Brunnenlochs frei war und zudem noch ein Leitungsrohr drüber verlief, musste diese Leiter noch umgesetzt werden. „Für diesen Kraftakt gebührt Heimo Krems meine große Anerkennung“, betont Bodo Fuckert. Doch auch mit dieser Leiter konnten die Kameraden nicht an die unglückselige Hündin Maggie herankommen und mussten erkennen: „Unsere Technik reicht nicht aus.“

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Nun hätte nur noch ein Rettungs- und Abseilgerät geholfen. Doch weil die Huy- Gemeindefeuerwehr nicht mehr über einen solchen Gerätesatz, der für die Arbeit in absturzgefährdeten Bereichen benötigt wird, verfügt, wurde entschieden, die hauptamtliche Wachbereitschaft der Feuerwehr Halberstadt anzufordern.

Nur kleinere Blessuren

Diese ist sofort mit ihrem Hubrettungsfahrzeug, auf dem sich auch die Drehleiter befindet, nach Dingelstedt gekommen. Dazu erklärt Bodo Fuckert: „Die Drehleiter ist in solchen Situationen oft hilfreich, um das Rettungsgerät schnell und sicher fixieren zu können.“ Im Fall des Brunnens war das aber nicht möglich, weil das Gebäude zu eng ist. „Wir haben eine schrägstehende Leiter an beiden Enden fest fixiert und schon konnte der Halberstädter Kamerad Sebastian Eising am Seil herabgelassen werden.“ Und nur wenig später war Maggie mittels einer Bandschlinge wieder an der Oberfläche. Ihr Besitzer, der die ganze Zeit vom Brunnenrand aus beruhigend mit dem Tier gesprochen hatte, schloss sie in die Arme und trocknete sie ab. Tierärztin Rosi Reimer, die ebenfalls nach Dingelstedt gerufen wurde, konnte nach einer ersten Untersuchung Entwarnung geben, zwar gebe es kleinere Blessuren an den Krallen, aber keine ernsthaften Verletzungen.

Die junge Hündin habe ganz genau gespürt, dass diese ganze Aktion ihr gilt, ist Bodo Fuckert überzeugt. „Aufmerksam hat sie alles beobachtet und ist erstaunlich ruhig geblieben.“ Nach ihrer Rettung hat sie sich erst einmal kräftig geschüttelt, unmittelbar neben Stefan Thielbeer, der diese tierische Dusche mit einem erleichterten Lachen abbekam. Er betont: „Wir haben nach der Aktion die Einsatzstelle an den Besitzer übergeben, mit der Auflage, den Brunnen so zu sichern, dass sich diese Beinahe-Katastrophe nicht wiederholen kann.

Gefährliche Luftgemische

Gemeindewehrleiter Fuckert zieht eine positives Fazit: „Meine Anerkennung gilt allen Einsatzkräften für ihr engagiertes Handeln und professionelles Vorgehen.“ Er habe als Feuerwehrmann schon viele Einsätze erlebt, in denen sich Tiere in einer Notlage befunden haben, darunter versunkene Pferde, ausgebüxte Schlangen oder auch Insekten, die umzusetzen waren. „Dieser Einsatz in Dingelstedt war jedoch schon sehr ungewöhnlich.“ Neben der Tiefe des Brunnens habe auch Gefahr für die Kameraden gestanden, weil es in solchen Tiefen leicht zu lebensgefährlichen Luftgemischen kommen kann. Daher trägt jeder Kamerad, der als erster an einen solchen Ort vordringt, ein Gaswarngerät und das von Sebastian Eising habe sogar Veränderungen der Atemluft angezeigt.

Doch Fuckert findet auch ernste Worte zur technischen Ausstattung der Huy-Gemeindefeuerwehr. „Unsere Ortswehren hätten das auch allein lösen können. Wir hatten selbst mal ein solches Abseilgerät, das jedoch hätte nach den TÜV-Vorschriften ausgetauscht werden müssen, doch das war aus Kostengründen nicht möglich.“ Die Gemeinde tue zwar alles, um den Feuerwehren gerecht zu werden, „doch die finanzielle Decke ist einfach zu kurz“. Auf der anderen Seite schreibe das Innenministerium unerwartet immer wieder Dinge vor, die angeschafft werden müssen, ohne zu fragen, ob die klamme Gemeindekasse das hergab. In jüngster Zeit waren das zum Beispiel Helme, Funkgeräte oder Displays