Halberstadt l Für Irritationen und Kopfschütteln sorgt gegenwärtig bei Harzern der Umgang des Landes mit Flüchtlingen in der Zentralen Anlaufstelle (Zast) in Halberstadt. Konkret geht es um die Erweiterung für die Zast, die im früheren Praktiker-Baumarkt eingerichtet wird.

Nachdem Mitte Oktober die Entscheidung zugunsten dieses Standortes gefallen war und anschließend binnen Stunden die Umbauarbeiten gestartet waren, ist der eigentliche Umzug von rund 340 Flüchtlingen noch immer nicht erfolgt. Und dazu wird es – entgegen der Ankündigung seitens des Chef-Flüchtlingskoordinators Lutz-Georg Berkling – auch in dieser Woche noch nicht kommen. Das für die Vorbereitung von Liegenschaften zuständige Finanzministerium korrigierte die von Berkling jüngst bei einem Forum in Halberstadt als Termin genannte aktuelle 49. Kalenderwoche auf Kalenderwoche Nummer 51, also Mitte Dezember.

Warum verzögert sich Umbau?

Doch woran liegt es? Warum dauern der Einbau vom Trockenbauwänden und das Ergänzen von elektrischen Anlagen mehr als sechs Wochen? Fragen, die sich viele Einwohner in der Kreisstadt stellen und die mit Blick auf die Realitäten in der Zast eine besondere Brisanz bekommen: Die dort im Sommer aufgestellten Zelte sollten bis Ende Oktober geräumt sein, hatte Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) angekündigt. Letztlich platzte diese Ansage – die letzten Zelte wurden erst in dieser Woche geräumt.

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Dennoch sieht Finanzstaatssekretär Jörg Felgner keinen Grund für Kritik: „Wir stemmen hier eine riesige Aufgabe“, so der SPD-Politiker am Mittwochabend zur Volksstimme. Im Praktiker-Baumarkt gehe es darum, die Voraussetzungen zu schaffen, um rund 340 Menschen angemessen, sicher und letztlich menschenwürdig unterzubringen.

Arbeiten im Sanitärbereich

„Im Moment sind wir noch dabei, die Grundvoraussetzungen im Sanitärbereich zu schaffen“, so Felgner. Tatsächlich waren am Mittwoch noch Handwerker damit beschäftigt, die früheren Kunden-Toiletten für die künftige Nutzung umzubauen. Neben diesen Anlagen im Eingangsbereich, die offenbar vorrangig für das Betreuungs- und Sicherheitspersonal gedacht sind, befinden sich mobile WC- und Dusch-Kabinen sowie Wasch-Container im ehemaligen Gartencenter des Baumarktes.

Im eigentlichen Verkaufsraum des Marktes sind in den vergangenen Wochen in Trockenbauweise 68 Räume entstanden, um jeweils fünf Personen unterzubringen. Der Bau der abgetrennten Räume sei ein Aspekt, so Felgner, die Ausstattung ein anderer. „Wir benötigen auch Betten und Schränke. Das alles kurzfristig zu beschaffen, ist nicht einfach.“

Bettenbeschaffung wird schwieriger

Damit teilt die Zast-Außenstelle im Praktiker gewissermaßen ein Schicksal mit der Zast-Außenstelle in Quedlinburg. Dort geht in dieser Woche die zweite Ausbau-Stufe in der früheren Fachschule für Gartenbau in Betrieb, um die Zast in Halberstadt zu entlasten. Zu den bislang 150 dort untergebrachten Flüchtlingen kommen in dieser Woche weitere 100 hinzu.

Die Räume in den beiden Gebäuden wurden seit dem Sommer hergerichtet. Neben Unterkunftsplätzen entstanden auch Küchenbereiche sowie Aufenthalts- und Unterrichtsräume. Dort findet Deutschunterricht statt. Genutzt werden dafür auch alte Schultafeln, die das Umzugsunternehmen Willi und Co. aus Halberstadt vor dem Sperrmüll-Container gerettet und der Caritas gespendet hat.

Beim Ausrüsten der Quedlinburger Zast-Außenstelle stießen die Verantwortlichen auf ähnliche Probleme wie im Halberstädter Praktiker-Domizil: Betten und Zubehör sind auf dem Markt immer schwerer zu bekommen. Der Grund wiederum liegt auf der Hand: In ganz Sachsen-Anhalt – und analog bundesweit – sind die Kommunen und Landkreise fieberhaft damit beschäftigt, Wohnungen für Flüchtlinge herzurichten.

Praktiker-Markt als künftiger Puffer

Staatssekretär Felgner überrascht indes mit einem bislang nicht bekannten Detail: Der frühere Praktiker-Markt werde wahrscheinlich nicht dauerhaft genutzt. „Er wird ebenso wie ein Großzelt in Magdeburg und ein ehemaliger Baumarkt in Genthin als Puffer eingesetzt“, so Felgner. Mit den zusammen rund 1000 Plätzen will das Land flexibel reagieren, um kurzfristig größere Personengruppen aufzunehmen.

Allerdings rechnet Felgner in allernächster Zeit mit einer dauerhaften Belegung. „Wir übergeben den früheren Praktiker-Markt ebenso wie elf neue Holzhäuser auf dem Zast-Gelände am 14. Dezember zur Nutzung an das Innenministerium.“ Jene elf Holzhäuser haben eine Kapazität von 440 Plätzen. Aus Felgners Sicht ist es in den nächsten Wochen wichtig, möglichst viele ankommende Flüchtlinge in den Erstaufnahmestellen unterzubringen, um die Kommunen zu entlasten. Letztere kommen gegenwärtig mehr und mehr in Bedrängnis, die ihnen zugewiesenen Asylsuchenden dauerhaft unterzubringen.

Aktuell hat Sachsen-Anhalt nach Felgners Worten landesweit rund 5000 Erstaufnahmeplätze. Bis zum Jahresende kämen mit den Holzhäusern und den Containern in der Zast sowie den Baumärkten und weiteren Objekten weitere rund 1500 Betten hinzu, kündigt der SPD-Politiker an.