Langenstein l Die Hiobsbotschaft kann schlechter kaum sein: Der langjährige Rettungsschwimmer für das Langensteiner Sommerbad fällt in dieser Saison 2018 gesundheitsbedingt aus. Damit fehlt den Betreibern der Anlage – dem Förderverein, der Hand in Hand mit der Stadtverwaltung Halberstadt und dem Freizeit- und Sportzentrum (FSZ) agiert – quasi Stunden vor dem geplanten Saisonstart am 1. Juni die alles entscheidende und wichtigste Person am Beckenrand. Denn ohne Rettungsschwimmer, stellt Verwaltungsmitarbeiterin Katja Kratzius klar, müssen die Tore zum Sommerbad geschlossen bleiben.

Der kommunale Gemeindearbeiter, der in Personalunion als Rettungsschwimmer arbeitet, könne zwar auch in diesem Sommer jobmäßig ins Freibad wechseln und dort diverse Aufgaben übernehmen – „ins Wasser darf er jedoch nicht“, präzisiert Rolf Guckland, der Chef des Freibad-Fördervereins. Daher suchen jetzt sowohl der Verein als auch die Stadtverwaltung nach Ersatz. Am morgigen Sonnabend wird die Stelle ausgeschrieben. Gesucht wird demnach ein Rettungsschwimmer in Vollzeitbeschäftigung mit 40 Wochenstunden und entlohnt nach Entgeltgruppe vier des öffentlichen Dienstes.

Langensteiner Modell

Dass sich die Verwaltung bei der Suche selbst aktiv einbringt, ist dem speziellen Langensteiner Kooperationsmodell geschuldet. Als das Bad 2011 auf der Kippe stand, schmiedeten Stadt, Förderverein und FSZ gemeinsam am Rettungsanker. Das FSZ ist dabei für die technische Betriebsführung zuständig, die Kommune stellt den Rettungsschwimmer.

Dafür wechselt der Gemeindearbeiter nach entsprechender Qualifizierung im Sommer ins Bad. Die Einwohner wiederum packen in ihrem Dorf mit an und übernehmen freiwillig Aufgaben, für die sonst der Gemeindearbeiter zuständig wäre. Und die Vereinsmitglieder stemmen alle denkbaren Jobs in ihrem Freibad, die ohne spezielle Qualifikation machbar sind – vom Kassieren über das Rasenmähen bis hin zu Reinigungsarbeiten.

Eine Kooperation, die in den vergangenen Jahren funktioniert hat. „Und wir hoffen trotz der Hiobsbotschaft, dass wir es auch in diesem Jahr hinbekommen“, sagt Rolf Guckland und formuliert diesen Satz ganz bewusst mit optimistischem Tonfall. Was nötig ist. Denn auch er weiß, wie schwierig die Suche nun wird. „Der Rettungsschwimmer-Markt ist leergefegt.“

20 Bäder im Kreis

Das bestätigt Ralf Schult, Vorsitzender der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in Wernigerode. Die Truppe betreibt mit eigenen Rettungsschwimmern viele Freibäder in der Region. Schult spricht am Telefon von insgesamt mehr als 20 Bädern im Harzkreis, den angrenzenden Landkreisen und bis hinein ins nördliche Thüringen.

Allein der Fakt, dass die DLRG dabei selbst nach Personal sucht, macht das allgemeine Dilemma deutlich. „Aktuell benötigen wir für zwei Rettungsschwimmer in Gerbstedt bei Hettstedt und in Hohegeiß dringend Ersatz“, sagt Schult. Helfen wolle er den Langensteinern dennoch, verspricht er. „Wir sehen zu, was wir machen können“, stellt er vorsichtig in Aussicht, warnt zugleich aber vor zu viel Euphorie: „Unsere Ausschreibungen sind auch allesamt ins Leere gelaufen.“

Dabei könnte der über die Sommermonate befristete Job beispielsweise für Schulabgänger und gerade für den Zeitraum zwischen Abitur und Studienbeginn interessant sei, bestätigt auch der Wernigeröder DLRG-Einsatzleiter Christopher Bock.

Bleibt die Frage nach der nötigen Qualifikation. „Das Rettungsschwimmerabzeichen – mindestens in Bronze, vorzugsweise aber in Silber, ist erforderlich“, weiß Bock. Und eben die bewusste Entscheidung, im Hochsommer mit hoher Aufmerksamkeit am Beckenrand eines Freibades zu stehen und für die Sicherheit zu garantieren.

Schwierige Ausgangslage

Ungeachtet der schwierigen Ausgangslage gehen Katja Kratzius und Langensteins Ortsbürgermeister Jürgen Meenken (CDU) die Sache positiv an: „Wir starten am 1. Juni auf jeden Fall den Badebetrieb. Notfalls werden zunächst qualifizierte Mitglieder des Fördervereins stundenweise als Rettungsschwimmer zum Einsatz kommen“, kündigt Katja Kratzius an. Guten Morgen