Osterwieck l Keine gespaltene Haarspitze, kein herausgewachsener Farbansatz entgeht Britta Uhde. "Ich schaue anderen Menschen zuerst auf den Kopf und dann ins Gesicht. Das ist eine Friseurskrankheit", sagt sie und lacht.

Die Handwerkskammer in Magdeburg zeichnete die 37-jährige Osterwieckerin Mitte April als jahrgangsbeste Friseurmeisterin aus. Britta Uhde ist eine von insgesamt neun Meistern, die in diesem Jahr ihre mehrjährige Ausbildung beendet haben. Eine geringe Zahl im Vergleich zu den Vorjahren: 2017 beendeten 24 Friseure ihre Meisterausbildung, darunter auch zwei Männer. In diesem Jahr war es ein Mann. Es ist immer etwas Besonderes, wenn Männer unter den Friseurmeistern sind, heißt es von der Handwerkskammer Magdeburg.

Vollzeitjob und Familie

Die Osterwieckerin hat die vergangenen drei Jahre damit verbracht, ihren Meister zu machen - neben der Arbeit und neben der Familie mit zwei Kindern. Fast jeden Sonnabend und abwechselnd Montag- oder Dienstagabend fuhr sie in die Landeshauptstadt zur Handwerkskammer. Britta Uhde freut sich, dass sie die anstrengende Zeit hinter sich hat: "Es ist schon toll, dass ich das geschafft habe." Britta Uhde bestand ihre Meisterausbildung mit Zwei und wunderte sich ein bisschen darüber, dass niemand besser war als sie.

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In der Ausbildung lernte sie, nicht mehr nur gute, sondern "meisterhafte" Leistungen zu erbringen. "Wir haben gelernt, noch gewissenhafter und mit mehr Hintergrundwissen zu arbeiten", erklärt Britta Uhde. Sie lernte Friseurtheorie, praktische Arbeiten wie Färben und Schneiden, lernte die betriebswirtschaftliche Seite eines Friseursalons kennen und erwarb ihren Ausbilderschein. Fünf Prüfungen waren Abschluss der Ausbildung.

In ihrer praktisches Abschlussprüfung verwandelte sie zwei Freunde in Rockstars. In viereinhalb Stunden schnitt, färbte, schminkte, frisierte sie ihre Modelle im Schulungsraum der Handwerkskammer. Auch die Fingernägel musste sie in Szene setzen. Das Thema "Rockstar" hatte sie sich vorher selbst überlegt. "Das Schwierigste war, das Styling innerhalb der vorgegebenen Zeit umzusetzten", sagt sie. Eine Panne erlebte sie an diesem Prüfungstag nicht, nur die Haarfarbe ihres Models sah nach dem Färben etwas anders aus als geplant. Das lag daran, dass die Jungmeisterin das Probe-Styling für die Prüfung im Sommer machte und die Haarfarbe ihres Models durch die Sonne eine andere war.

Schon immer kreativ

Nach der Schule begann Britta Uhde zunächst eine Pflegeausbildung. Sie merkte schnell, dass ihr das keinen Spaß macht. Als sie zufällig eine Ausbildungsanzeige von einem Friseursalon in Goslar in der Zeitung sah, griff sie zum Hörer. Wenig später begann sie ihre Lehre. "Ich habe mich im Prinzip aus einer Laune heraus dafür entschieden", sagt Britta Uhde. Und ergänzt, dass sie immer schon gerne kreativ gearbeitet hat, wenn auch vorher eher mit Pinsel und Farbe. Nach der Ausbildung wechselte sie in einen Salon in der Osterwiecker Bahnhofstraße, den sie seit Juli vergangenen Jahres leitet. Als klar war, dass ihre Chefin nicht ewig weiter machen wollte und ihr den Laden übergeben würde, begann sie mit der Meisterausbildung.

Britta Uhde findet, dass sie sich durch die Lehre verändert habe. Früher lange Haare, lockig und ungefärbt. Heute kurz und rötlich gefärbt. Sie ist experimentierfreudiger geworden, hat schon jede Haarfarbe ausprobiert. "In der Ausbildung habe ich viele Techniken gelernt und die dann auch gleich bei mir selbst angewendet", so Britta Uhde. Im Moment mag sie sich am liebsten mit kurzen Haaren. "Das kann sich aber in einem halben Jahr wieder ändern."

Neue Frisur ausdenken

Im Berufsalltag freut sich die Meisterin am meisten über Kunden, die ratlos zu ihr kommen. Es macht ihr Spaß, sich eine neue Frisur auszudenken und die Kunden zu beraten. "Das beste ist dann am Ende in die strahlenden Gesichter zu sehen", sagt sie.

Britta Uhdes Tipp für alle Haarträger: Nach dem Winter mal eine Haarkur auftragen. Damit sehen die strapazierten Haare nicht mehr so fisselig aus und werden gut auf die Frühjahrssonne vorbereitet.