Corona

Halberstadt: Gedenkort für die Corona-Toten

Im Halberstädter Seniorenzentrum Nord gibt es jetzt einen „guten Ort der Trauer und des Lebens“, einen Platz des stillen Gedenkens an die Corona-Opfer.

Von Sabine Scholz
Für jeden Corona-Verstorbenen der Einrichtung eine weiße Rose - Heimleiterin Ramona Ibe am Gedenkort im Park des Seniorenzentrums Nord in Halberstadt.
Für jeden Corona-Verstorbenen der Einrichtung eine weiße Rose - Heimleiterin Ramona Ibe am Gedenkort im Park des Seniorenzentrums Nord in Halberstadt. Foto: Sabine Scholz

Halberstadt - Dass es ein guter Ort sein möge, das wünschte Probst Christoph Hackbeil am Ende der kleinen Zeremonie im im Park des Seniorenzentrums Nord. „Ein guter Ort der Trauer und des Lebens, so soll es sein“, sagte Hackbeil.

Der Regionalbischof ist Vorsitzender des Kuratoriums des Cecilienstifts Halberstadt und war in dieser Funktion sowie als Pfarrer zur Einweihung des Gedenkortes gekommen – so wie einige Angehörige, Bewohner und Mitarbeiter von Einrichtungen des Cecilienstifts. Dessen Vorstand Holger Thiele begrüßte die Gäste, und ihm war anzumerken, wie sehr ihn dieser Anlass berührte. Hatte das Cecilienstift doch hart zu kämpfen mit den Folgen der Corona-Pandemie.

Eine Erfahrung, auf die auch Ramona Ibe als Bereichsleiterin der stationären Hilfe im Cecilienstift sehr gern verzichtet hätte. Sie kämpfte mit den Tränen, als sie die kurze Rede von Holger Thiele aufgriff und ebenfalls zurückblickte auf die vergangenen Monate. „Diesen ersten Advent 2020 werden wir so schnell nicht vergessen“, sagte Ibe, „als plötzlich ein Bewohner positiv auf das Corona-Virus getestet wurde und die ganze Maschinerie zu laufen begann.“

Krisensituation gemeistert

Vorher habe man alles versucht, um das Virus rauszuhalten aus dem Seniorenheim und aus der Wohngemeinschaft „Zwei Gräfinnen“, ebenso wie aus den Unterkünften der Behindertenhilfe im Cecilienstift. Aber es gelang nicht. Mit gravierenden Folgen.

Holger Thiele und Ramona Ibe erinnerten an die Krisensituation, die entstand, als von eben auf gleich fast die Hälfte der Mitarbeiterschaft in Quarantäne musste, als Bewohner plötzlich ihre Angehörigen nur noch aus der Ferne sehen durften. Beide erinnerten an die schwierige emotionale Situation für alle Betroffenen, vor allem, als die ersten an Covid-19 erkrankten Heimbewohner den Kampf gegen die Krankheit verloren.

Von Dezember 2020 bis März 2021 starben elf Bewohner des Seniorenzentrums, ein Gast der Tagesstätte, ein Mieter der Wohngemeinschaft „Zwei Gräfinnen“. Und im Mai dann noch ein Bewohner des Wohnheims im Park. „Dabei hatten wir alle noch gehofft, dass Lutz es schafft“, berichtete Petra Kappe.

Unterstützung erfahren

In all den extrem schwierigen Monaten habe die Hektik des Alltags kaum Zeit gelassen, um all diese Erfahrungen zu verarbeiten, einen Moment der Ruhe zu finden. Um so mehr freue ihn, dass es nun gelungen sei, einen kleinen Gedenkort einzurichten, sagte Holger Thiele.

Neben der Stele, die Norman Lodahl gefertigt hatte, steht eine kleine Bank, die eine Angehörige gestiftet hat und die in den Diakonie-Werkstätten gebaut worden war. So kann verweilen, wer hier vorbeikommt. Und sich erinnern, an eine „ganz schlimme Zeit“, so Ramona Ibe.

Aber auch an Unterstützung, an Trost und Hilfe von Mitarbeitern aus anderen Einrichtungen des Cecilienstiftes, von Bundeswehrsoldaten, von Angehörigen, die „das Leiden der Distanz“ aushalten mussten, wie Christoph Hackbeil es formulierte. Roman Ibe erinnerte daran, wie die Heimleitung versucht hatte, Sonderregelungen zu schaffen, wenn ein Angehöriger im Sterben lag, um den Menschen nicht allein zu lassen.

Zur Einweihung des Gedenkortes, der auch Oberbürgermeister Daniel Szarata beiwohnte, wurden die Namen der Verstorbenen verlesen, für jeden gab es eine weiße Rose. Und einen Moment des stillen Gedenkens. „Es ist gut“, so wünschte es sich Christoph Hackbeil, „in Stille da zu sein, vielleicht geht man dann ein Stück versöhnter von hier fort.“