Heimatgeschichte

Halberstädter Klavierlehrerin Herta Rennebaum soll mit Buch gewürdigt werden

Rüdiger Pfeiffer schreibt ein Buch über die Klavierpädagogin Herta Rennebaum. Mehr als sechs Jahrzehnte lehrte die Halberstädterin Schülern die Sprache der Musik. Zudem unterstützte sie Aufführungen von Hans Auenmüller, den Aufbau des Jugendstreichorchesters und die „Stunde der Musik“. Nun werden Dokumente gesucht.

Von Gerald Eggert
Herta Rennebaum erteilte bis in ihr neuntes Lebensjahrzehnt Klavierunterricht.
Herta Rennebaum erteilte bis in ihr neuntes Lebensjahrzehnt Klavierunterricht. Foto: Sammlung G. Eggert

Halberstadt - 2022 jährt sich der Geburtstag von Herta Rennebaum zum 120. Mal. Doch dieses Jubiläum ist nicht allein der Grund für Prof. Dr. Rüdiger Pfeiffer, einem ihrer zahlreichen Musikschüler, sich ihrer Lebensgeschichte und damit einem nicht unbedeutenden Kapitel Halber-städter Musikgeschichte zu widmen.

Er möchte damit an das 2015 erschienene Buch „Gegen den Strich“ über das Jugendstreichorchester Halberstadt anknüpfen und hofft auch diesmal wieder auf die Unterstützung vieler Mitstreiter. Der Musikwissenschaftler hat bereits Kontakte zu etlichen ehemaligen Musikschülern genutzt, um möglichst viele persönliche Erinnerungen in den Band einfließen zu lassen.

In Halberstadt hat der in Groß Ammensleben wohnende Pfeiffer in Christiane Keim, ebenfalls Schülerin von Herta Rennebaum, eine Unterstützerin gefunden. „Wir suchen für die Veröffentlichung noch Zeitzeugnisse wie Fotos, Konzertprogramme, persönliche Aufzeichnungen, Poesiealben mit Einträgen der Musikpädagogin. Ich habe inzwischen eine lange Liste mit den Namen ihrer ehemaligen Schülerinnen und Schüler aufgestellt. Allein diese ist schon beeindruckend“, sagt sie. Sie geht davon aus, dass bei Ehemaligen oder deren Angehörigen noch einige Erinnerungstücke darauf warten, wieder ans Licht geholt zu werden.

Intensive Begegnungen mit Bühnenkunst und Künstlern

Zur Erinnerung: Herta Rennebaum wurde als Tochter des Arztes und Sanitätsrates Franz Rennebaum und dessen Ehefrau Elise, geb. Lenz, am 1. Juli 1902 in Wegeleben geboren. Ihre künstlerische Inspiration erhielt sie in Halberstadt, wo ihr Vater als niedergelassener Arzt praktizierte. Mit Einweihung des neuen Stadttheaters 1905 übernahm er zugleich das Amt des Theaterarztes. Damit bekam die Tochter schon früh intensive Begegnungen mit der Bühnenkunst und mit bedeutenden Künstlern.

Ihre pianistische Ausbildung erhielt Herta Rennebaum in Berlin bei Richard Rössler und dem Reformer der Technik des Klavierspiels Rudolf Maria Breithaupt.

1925 ließ sie sich als Pianistin und staatlich geprüfte Musiklehrerin in Halberstadt nieder und begann ihre über sechs Jahrzehnte währende Unterrichtstätigkeit. Ihr war es stets wichtig, den Schülern mehr als Musik zu vermitteln. Sie ließ sie von ihrem reichen Erfahrungsschatz profitieren und den Humor nie zu kurz kommen.

Mit Begeisterung gelehrt

Das Wort „üben“ hielt sie für zu trocken, mechanisches Klimpern stellte sie nicht zufrieden. „Jeder Ton enthält Rede und Gegenrede, stellt Fragen, gibt Antworten, drückt Gefühle aus“, sagte sie einmal.

Diese Sprache zu verstehen, sich hineinzufühlen und beim Klavierspielen eigene Gefühle auszudrücken, das lernten die Musikschüler in mehr als sechs Jahrzehnten bei Herta Rennebaum.

Es gab stets gute Kritiken über die jährlich öffentlichen Konzerte ihres Schülerkreises zugunsten der Stadt. Aus diesem gingen herausragende Persönlichkeiten des künstlerischen, gesellschaftlichen und politischen Lebens hervor. Unter ihnen der Mediziner, Molekularbiologe und Bürgerrechtler Jens Reich, der einmal äußerte: „Sie war für mein ganzes Leben Vorbild einer enthusiastischen Pädagogin.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte sich Herta Rennebaum mit Konzerten für den Wiederaufbau des zerstörten Halberstadt.

Sie trat immer wieder als Konzertsolistin auf und bevorzugte Werke von Beethoven, Chopin und Liszt sowie der gemäßigten Moderne und gab Klavierkonzerte in einer Reihe mit Weltklasse-Pianisten wie Wilhelm Kempff, Walter Gieseking, Elly Ney und Wilhelm Backhaus.

Unterstützung für Reihe „Stunde der Musik“

Maßgeblich unterstützte die Halberstädterin die Aufführungen des Komponisten und langjährigen Musikdirektors des Volkstheaters Halberstadt Hans Auenmüller und den Aufbau des in seiner Art für die damalige DDR einzigartigen Jugendstreichorchesters Halberstadt unter der Leitung des Musikpädagogen und Dirigenten Rolf Reinhart Loose sowie die Internationale Kammermusikreihe „Stunde der Musik“ von Hans-Ulrich Sauer, für die sie der Stadt Halberstadt einen Grotrian-Steinweg-Flügel als Konzertinstrument stiftete.

Herta Rennebaum wurde 1994 Ehrenmitglied der Internationalen Andreas-Werckmeister-Gesellschaft, erhielt 1995 den Kulturpreis der Stadt Halberstadt und wurde 1996 Ehrenmitglied des Halberstädter Kammermusikvereins.

Sie verstarb am 5. März 1996 in Halberstadt.